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	<title>Kommentare für Hypnose-Verbrechen-Info</title>
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	<description>Blog zum Thema Hypnose-Verbrechen</description>
	<lastBuildDate>Tue, 07 Aug 2012 21:08:02 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Kommentar zu Hypnose-Verbrechen von Cady</title>
		<link>http://hypnoseverbrecheninfo.wordpress.com/2010/04/07/hypnose-verbrechen/#comment-42</link>
		<dc:creator><![CDATA[Cady]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Aug 2012 21:08:02 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://hypnoseverbrecheninfo.wordpress.com/?p=4#comment-42</guid>
		<description><![CDATA[@ Hans Ulrich Gresch

Danke für Ihren Beitrag am
Juni 15, 2012 um 8:43 nachmittags.

Genau die von Ihnen beschriebene Methode wendet ein Hypnotiseur mit krimineller Energie an, und sei es nur, um sein eigenes Ego zu befriedigen (Macht über andere Menschen). Das tut er ja nicht in einer Fakultät oder in einem Labor, sondern meist unerkannt im realen Leben. Man kann garnicht genug vor solchen Scharlatanen warnen und über deren Methoden aufklären.

Das &quot;Opfer&quot; weiß meist garnicht, daß es für dessen Zwecke hypnotisiert wurde (Blitzhypnose mit abschließender &quot;Vergessens-Suggestion&quot;). Die von Ihnen beschriebene Vorgehensweise kann zu schweren seelischen Störungen, körperlichen Krankheiten und dem inneren Kampf  gegen etwas gefühlt Aufgezwungenes werden, ohne die Kontrolle darüber zu bekommen, führen. 

Das taucht natürlich nicht in den &quot;wissenschaftlichen Experimenten&quot; und deren Ergebnissen auf.]]></description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>@ Hans Ulrich Gresch</p>
<p>Danke für Ihren Beitrag am<br />
Juni 15, 2012 um 8:43 nachmittags.</p>
<p>Genau die von Ihnen beschriebene Methode wendet ein Hypnotiseur mit krimineller Energie an, und sei es nur, um sein eigenes Ego zu befriedigen (Macht über andere Menschen). Das tut er ja nicht in einer Fakultät oder in einem Labor, sondern meist unerkannt im realen Leben. Man kann garnicht genug vor solchen Scharlatanen warnen und über deren Methoden aufklären.</p>
<p>Das &#8220;Opfer&#8221; weiß meist garnicht, daß es für dessen Zwecke hypnotisiert wurde (Blitzhypnose mit abschließender &#8220;Vergessens-Suggestion&#8221;). Die von Ihnen beschriebene Vorgehensweise kann zu schweren seelischen Störungen, körperlichen Krankheiten und dem inneren Kampf  gegen etwas gefühlt Aufgezwungenes werden, ohne die Kontrolle darüber zu bekommen, führen. </p>
<p>Das taucht natürlich nicht in den &#8220;wissenschaftlichen Experimenten&#8221; und deren Ergebnissen auf.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Kommentar zu Hypnose-Verbrechen von Hans Ulrich Gresch</title>
		<link>http://hypnoseverbrecheninfo.wordpress.com/2010/04/07/hypnose-verbrechen/#comment-37</link>
		<dc:creator><![CDATA[Hans Ulrich Gresch]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 Jun 2012 05:20:56 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://hypnoseverbrecheninfo.wordpress.com/?p=4#comment-37</guid>
		<description><![CDATA[Da auch ich sachliche Diskussionen, die von gegenseitigem Respekt gekennzeichnet sind, sehr schätze, danke ich Ihnen für diesen Gedankenaustausch, durch den ich eine Menge gelernt habe. 

Mir ist bewusst, dass wir diese Diskussion vermutlich ins schier Unendliche ausweiten könnten, weil sich doch stets immer wieder Details ergeben würden, bei denen wir den Grad der Übereinstimmung erst noch ausloten müssten.

Ich ziehe es aber vor, den bisherigen Verlauf des Gesprächs noch einmal in Ruhe zu rekapitulieren, mir die von Ihnen angegebenen Verweise genauer anzuschauen und dann, bei Gelegenheit, mich in Ihrem ausgezeichneten Blog noch einmal zu Wort zu melden.

Mit freundlichen Grüßen
Hans Ulrich Gresch]]></description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Da auch ich sachliche Diskussionen, die von gegenseitigem Respekt gekennzeichnet sind, sehr schätze, danke ich Ihnen für diesen Gedankenaustausch, durch den ich eine Menge gelernt habe. </p>
<p>Mir ist bewusst, dass wir diese Diskussion vermutlich ins schier Unendliche ausweiten könnten, weil sich doch stets immer wieder Details ergeben würden, bei denen wir den Grad der Übereinstimmung erst noch ausloten müssten.</p>
<p>Ich ziehe es aber vor, den bisherigen Verlauf des Gesprächs noch einmal in Ruhe zu rekapitulieren, mir die von Ihnen angegebenen Verweise genauer anzuschauen und dann, bei Gelegenheit, mich in Ihrem ausgezeichneten Blog noch einmal zu Wort zu melden.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen<br />
Hans Ulrich Gresch</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Kommentar zu Hypnose-Verbrechen von escatan</title>
		<link>http://hypnoseverbrecheninfo.wordpress.com/2010/04/07/hypnose-verbrechen/#comment-36</link>
		<dc:creator><![CDATA[escatan]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 19 Jun 2012 15:40:16 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://hypnoseverbrecheninfo.wordpress.com/?p=4#comment-36</guid>
		<description><![CDATA[Sehr herzlichen Dank füIhre Ausführungen! Diese machen für mich Sinn und sind gut nachvollziehbar!

- Mir ist es nun, denke ich, recht verständlich, inwefern man vom &quot;ironischen&quot; Charakter der Hypnose sprechen kann; ein interessanter und beleuchtenswerter Aspekt.

- Ihre Ausführungen zum wissenden Nichtwissen im Alltag halte ich für plausibel und gut nachvollziehbar, völlig ungeachtet davon, inweiweit es dazu wissenschaftliche Untersuchungen gibt. Wenn man (wie etwa Erickson) davon ausgeht, dass Hypnose und hypnotische Phänomene prinzipiell &quot;natürlich&quot; sind, dann liegt es auf der Hand, dass immer wieder auch Parallelen zwischen Hypnose und alltäglichem Erleben bestehen sollten.  

- Wenn ich Sie richtig verstehe, dann erklären Sie den möglichen Kontrollverlust bei der hypnotischen Illusion nicht dadurch, dass der Hypnotisierte sich nicht mehr an der Realität orientieren kann, sondern dass er das aufgrund der sozialen Beziehung zum Hypnotiseur nicht mehr &quot;will&quot;. Es läge hier also eher ein &quot;psychologisches&quot; Nicht-Können vor denn eine durch die Struktur der kognitiven Informationsverarbeitung bedingte &quot;prinzipielle&quot; Unfähigkeit, die Realität zu erkennen und zu berücksichtigen. 

- Dem könnte ich soweit zustimmen; jedoch würde ich davon ausgehen, dass die Abhängigkeit des Hypnotisierten in solchen Fällen wahrscheinlich auch direkt, ohne Illusion zum Tragen käme.

- Bei der Frage, ob der Hypnotiseur in geeigneten Fällen eine ganz besondere, quasi &quot;einmalige&quot; Abhängigkeit schaffen kann, wie es bei normaler Manipulation nicht möglich wäre, haben wir wohl unterschiedliche Auffassungn. Es existiert hier ja aber auch keine eindeutige empirische Evidenz, die die Frage definitiv und endgültig beantworten könnte. Insoweit bleibt es sicherlich ein Stück weit eine Frage der subjektiven Einschätzung.

- Persönlich geht es mir bei diesem Artikel ja auch weniger darum, die eigentliche Frage nach der besonderen Missbrauchsmöglichkeit der Hypnose definitiv und endgültig &quot;klären&quot; zu wollen (was auch etwas viel wäre). Meine Absicht ist eher, auf die große Komplexität des Themas hinzuweisen, und zugleich auf die methodisch begrenzte Aussagekraft allzu einfacher/simpler Experimente aufmerksam zu machen. Viele Diskussionen bewegen sich nicht auf einem adäquaten Niveau, und nicht jeder, der inhaltlich vergleichbare Thesen vertritt wie Sie, differenziert so sorgfältig und ist sich der Vielschichtigkeit des Themas so sehr bewusst. Umgekehrt gilt natürlich genau so, dass Ansichten, wie auch ich sie vertrete, mitunter in einer sehr &quot;unterkomplexen&quot; Weise vertreten und begründet werden. 
Wenn durch diesen Artikel (und unsere Diskussion) ein gewisses Bewusstsein für die Komplexität der Mateirie entsteht, die man beachten sollte, wenn man dem Thema gerecht werden möchte, bin ich persönlich sehr zufrieden.     

- Zwei Dinge möchte ich noch der Vollständigkeit und Systematik wegenergänzen, obwohl ich nicht den Eindruck habe, dass nun zwische unseren Auffassungen dort jeweils unbedingt eine Differenz bestehen würde:

- Zum einen noch etwas zur These  sagen, dass der Hypnotisierte auf eine Illusion nicht als solche reagiert, sondern auf die mit ihr verbunenden impliziten Suggestionen, und zwar auf einer Ebene, auf der er Realität und Illusion auseinanderhalten und sein Gesamt-Verhalten strukturieren kann. Hierzu noch ein kleiner Hinweis auf einen lürzeren Artikel aus meinem andren Blog, wo das vielleicht nochmals illustriert wird:
http://hypnoseinfos.wordpress.com/2012/01/02/ein-paar-beobachtungen-zur-trancelogik/

- Zum Zweiten möchte ich noch kurz auf den Fall eingehen, dass dem Subjekt eine Illusion (im weitesten Sinne) suggeriert wird, die eine Tat moralisch annehmbar machen soll, welche prima facie als unannehmbar erscheint. (Dabei denke ich jetzt nur an den einfachen Fall eines normalen experimentellen Settings.) Ein Beispiel wie Orne es erwähnt wäre der Befehl, einen Geldbeutel zu stehen, verbunden mit der vorausgehenden Suggestion, dass er Eigentum des Probanden sei. Es kann nun sein, dass der Proband die Illusion nicht voll verwirklichen und aufrecht erhalten kann und dann den &quot;Diebstahl&quot; abbricht; dass aber auf eine neue Suggestion hin die Illusion &quot;hält&quot; und die Versuchsperson das &quot;Delikt&quot; durchführt. 

1. Eine scheinbar neheliegende Interpretation wäre in diesem Fall, dass der Probanden den Diebstahl zuerst nicht und dann doch noch durchführt, weil seine Fähigkeit zu Realitätserkenntnis zuerst erhalten ist, dann aber durch die erfolgreiche Illusion beim zweiten Versuch nicht mehr besteht. Gegen diese Interpretation spricht m.E. jedoch stark, was ich im letzten Kommentar auszuführen versucht habe. 

2. Eine andere Deutungsmöglichkeit bestünde darin, dass die &quot;Anforderungen der Situation&quot;, die &quot;Demand Characteristics&quot; beim zweiten Versuch durch die Wiederholung stärker werden. Der Wunsch des Experimentators, dass der Versuch tatsächlich funktionieren soll, wäre deutlicher, und der soziale Druck höher. (Der Proband kann allgemien ja auch den Eindruck haben, dass der Eperimentator beweisen will, dass es NICHT möglich ist, Hypnotisierte zu kriminellen Handlungen zu bewegen.) 

3. M.E. liegt hier jedoch eine andere Möglichkeit näher: Der Hypnotisierte fasst seinen Aufrtag (korrekterweise) so auf, dass er eine Illusion erleben und auf ihrer Grundlage eine Handlung begehen soll. Merkt er nun, dass die Illusion nicht funktioniert, dann würde er es wie ein &quot;Schauspielern&quot; empfinden, wenn er die scheinbar kriminelle Handlung dann dennoch durchführen würde. Er ist sich bewusst, dass das nicht im Sinne des Experimentes so &quot;gemeint &quot; war. Es wäre für ihn dann etwa so, als würde er bei einer Levitations-Suggestion willentlich den Arm anheben, nachdem er gemerkt hat, dass sein Arm nicht leichter wird und sich nicht &quot;von selbst&quot; hebt. 
Diese Interpretation würde bedeuten, dass hier das Gelingen oder Nicht-Gelingen der Illusion nicht &quot;an sich&quot; wirksam ist, sondern insoweit, als es die &quot;Demand Characteristics&quot; beeinflusst, und zwar hier in einer anderen Form als bei Punkt 2. Vermutlich spielen sowohl 3. wie 2. eine Rolle.

Dass die Erklärung des Verhaltens vor allem bei 3. zu suchen ist, ließe sich, so vermute ich, wohl relativ einfach experimentell überprüfen. Man könnte zwei Gruppen von Hochsuggestiblen nehmen, die gut auf Halluzinations-Suggestionen reagieren, und zwei Gruppen von Niedrigsuggestiblen, die schlecht auf solche Suggestionen reagieren. 
Der einen Gruppe von Hochsuggestiblen würde man unter Zuhilfenahme einer Illusion einen vermeintlich kriminellen Akt befehlen, der anderen Gruppe von Hochsuggestiblen ohne die Induktion einer Illusion. Und entsprechend dasselbe mit den Niedrigsuggestiblen: Die eine Gruppe soll mit, die andere ohne Illusins-Suggestion den pseudo-kriminellen Befehl ausführen. Gleichermaßen bei allen tests soll deutlich vermittelt werden, dass Gehorsam tatsächlich gewünscht wird.     

Entsprechend meiner Vermutung wäre dann folgendes Ergebnis zu erwarten: Die Hochsuggestiblen kommen dem vermeintlich kriminellen Befehl nach, ohne dass zwischen der Illusions- und der Non-Illusions-Gruppe bedeutende Unterschiede erkennbar würden. Eben so hoch wäre der Gehorsam der Niedrigsuggestiblen &lt;em&gt;ohne&lt;/em&gt; Illusion. Der Gehorsam der Niedrigsuggestiblen &lt;em&gt;mit&lt;/em&gt; Illusion sollte jedoch eindeutig niedriger ausfallen, da das Misslingen der Illusions-Suggestion und die Ausführung des pseudo-kriminellen Befehls interferieren sollten. 
Dabei sollte m.E. darauf geachtet werden, dass die suggerierte Illusion als solche deutlich hervorsticht, so dass diejenigen, die an ihr &quot;scheitern&quot;, dies auch deutlich registrieren. Die allgemeine Bemerkung &quot;Nehmen Sie den Geldbeutel, er ist Ihrer&quot;, könnte nach meinem Gefühl ev. zu unauffällig sein, um einen optimalen test abzugeben. (Ich &quot;propagiere&quot; so ein womöglich ethisch bedenkliches Experiment nicht, es geht mir nur um die methodiesche Überlegung. Damit aber erst mal auch genug mit der Methodik!)

Ansonsten möchte ich mich an dieser Stelle erst einmal herzlich für all die guten Gedanken, Anregungen, Denkanstöße, neuen Ideen und geistvollen und sorgfältigen Erläuterungen bedanken; ebenfalls für die Diskussion, die ich nicht nur fachlich als außerordentlich hochwertig, sondern auch menschlich als sehr angenehm und respektvoll empfunden habe, ungeachtet mitunter verschiedener Sichtweisen. Es handelt sich hier mit Abstand um eine der besten Diskussionen, die ich je zum Thema &quot;Hypnose&quot; führen durfte. (Dies soll nun aber selbstredend kein indirekter Hinweis sein, dass ich die Diskussion beenden möchte; vielmehr setze ich sie sehr gerne fort, soweit Material und Interesse bestehen!)]]></description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Sehr herzlichen Dank füIhre Ausführungen! Diese machen für mich Sinn und sind gut nachvollziehbar!</p>
<p>- Mir ist es nun, denke ich, recht verständlich, inwefern man vom &#8220;ironischen&#8221; Charakter der Hypnose sprechen kann; ein interessanter und beleuchtenswerter Aspekt.</p>
<p>- Ihre Ausführungen zum wissenden Nichtwissen im Alltag halte ich für plausibel und gut nachvollziehbar, völlig ungeachtet davon, inweiweit es dazu wissenschaftliche Untersuchungen gibt. Wenn man (wie etwa Erickson) davon ausgeht, dass Hypnose und hypnotische Phänomene prinzipiell &#8220;natürlich&#8221; sind, dann liegt es auf der Hand, dass immer wieder auch Parallelen zwischen Hypnose und alltäglichem Erleben bestehen sollten.  </p>
<p>- Wenn ich Sie richtig verstehe, dann erklären Sie den möglichen Kontrollverlust bei der hypnotischen Illusion nicht dadurch, dass der Hypnotisierte sich nicht mehr an der Realität orientieren kann, sondern dass er das aufgrund der sozialen Beziehung zum Hypnotiseur nicht mehr &#8220;will&#8221;. Es läge hier also eher ein &#8220;psychologisches&#8221; Nicht-Können vor denn eine durch die Struktur der kognitiven Informationsverarbeitung bedingte &#8220;prinzipielle&#8221; Unfähigkeit, die Realität zu erkennen und zu berücksichtigen. </p>
<p>- Dem könnte ich soweit zustimmen; jedoch würde ich davon ausgehen, dass die Abhängigkeit des Hypnotisierten in solchen Fällen wahrscheinlich auch direkt, ohne Illusion zum Tragen käme.</p>
<p>- Bei der Frage, ob der Hypnotiseur in geeigneten Fällen eine ganz besondere, quasi &#8220;einmalige&#8221; Abhängigkeit schaffen kann, wie es bei normaler Manipulation nicht möglich wäre, haben wir wohl unterschiedliche Auffassungn. Es existiert hier ja aber auch keine eindeutige empirische Evidenz, die die Frage definitiv und endgültig beantworten könnte. Insoweit bleibt es sicherlich ein Stück weit eine Frage der subjektiven Einschätzung.</p>
<p>- Persönlich geht es mir bei diesem Artikel ja auch weniger darum, die eigentliche Frage nach der besonderen Missbrauchsmöglichkeit der Hypnose definitiv und endgültig &#8220;klären&#8221; zu wollen (was auch etwas viel wäre). Meine Absicht ist eher, auf die große Komplexität des Themas hinzuweisen, und zugleich auf die methodisch begrenzte Aussagekraft allzu einfacher/simpler Experimente aufmerksam zu machen. Viele Diskussionen bewegen sich nicht auf einem adäquaten Niveau, und nicht jeder, der inhaltlich vergleichbare Thesen vertritt wie Sie, differenziert so sorgfältig und ist sich der Vielschichtigkeit des Themas so sehr bewusst. Umgekehrt gilt natürlich genau so, dass Ansichten, wie auch ich sie vertrete, mitunter in einer sehr &#8220;unterkomplexen&#8221; Weise vertreten und begründet werden.<br />
Wenn durch diesen Artikel (und unsere Diskussion) ein gewisses Bewusstsein für die Komplexität der Mateirie entsteht, die man beachten sollte, wenn man dem Thema gerecht werden möchte, bin ich persönlich sehr zufrieden.     </p>
<p>- Zwei Dinge möchte ich noch der Vollständigkeit und Systematik wegenergänzen, obwohl ich nicht den Eindruck habe, dass nun zwische unseren Auffassungen dort jeweils unbedingt eine Differenz bestehen würde:</p>
<p>- Zum einen noch etwas zur These  sagen, dass der Hypnotisierte auf eine Illusion nicht als solche reagiert, sondern auf die mit ihr verbunenden impliziten Suggestionen, und zwar auf einer Ebene, auf der er Realität und Illusion auseinanderhalten und sein Gesamt-Verhalten strukturieren kann. Hierzu noch ein kleiner Hinweis auf einen lürzeren Artikel aus meinem andren Blog, wo das vielleicht nochmals illustriert wird:<br />
<a href="http://hypnoseinfos.wordpress.com/2012/01/02/ein-paar-beobachtungen-zur-trancelogik/" rel="nofollow">http://hypnoseinfos.wordpress.com/2012/01/02/ein-paar-beobachtungen-zur-trancelogik/</a></p>
<p>- Zum Zweiten möchte ich noch kurz auf den Fall eingehen, dass dem Subjekt eine Illusion (im weitesten Sinne) suggeriert wird, die eine Tat moralisch annehmbar machen soll, welche prima facie als unannehmbar erscheint. (Dabei denke ich jetzt nur an den einfachen Fall eines normalen experimentellen Settings.) Ein Beispiel wie Orne es erwähnt wäre der Befehl, einen Geldbeutel zu stehen, verbunden mit der vorausgehenden Suggestion, dass er Eigentum des Probanden sei. Es kann nun sein, dass der Proband die Illusion nicht voll verwirklichen und aufrecht erhalten kann und dann den &#8220;Diebstahl&#8221; abbricht; dass aber auf eine neue Suggestion hin die Illusion &#8220;hält&#8221; und die Versuchsperson das &#8220;Delikt&#8221; durchführt. </p>
<p>1. Eine scheinbar neheliegende Interpretation wäre in diesem Fall, dass der Probanden den Diebstahl zuerst nicht und dann doch noch durchführt, weil seine Fähigkeit zu Realitätserkenntnis zuerst erhalten ist, dann aber durch die erfolgreiche Illusion beim zweiten Versuch nicht mehr besteht. Gegen diese Interpretation spricht m.E. jedoch stark, was ich im letzten Kommentar auszuführen versucht habe. </p>
<p>2. Eine andere Deutungsmöglichkeit bestünde darin, dass die &#8220;Anforderungen der Situation&#8221;, die &#8220;Demand Characteristics&#8221; beim zweiten Versuch durch die Wiederholung stärker werden. Der Wunsch des Experimentators, dass der Versuch tatsächlich funktionieren soll, wäre deutlicher, und der soziale Druck höher. (Der Proband kann allgemien ja auch den Eindruck haben, dass der Eperimentator beweisen will, dass es NICHT möglich ist, Hypnotisierte zu kriminellen Handlungen zu bewegen.) </p>
<p>3. M.E. liegt hier jedoch eine andere Möglichkeit näher: Der Hypnotisierte fasst seinen Aufrtag (korrekterweise) so auf, dass er eine Illusion erleben und auf ihrer Grundlage eine Handlung begehen soll. Merkt er nun, dass die Illusion nicht funktioniert, dann würde er es wie ein &#8220;Schauspielern&#8221; empfinden, wenn er die scheinbar kriminelle Handlung dann dennoch durchführen würde. Er ist sich bewusst, dass das nicht im Sinne des Experimentes so &#8220;gemeint &#8221; war. Es wäre für ihn dann etwa so, als würde er bei einer Levitations-Suggestion willentlich den Arm anheben, nachdem er gemerkt hat, dass sein Arm nicht leichter wird und sich nicht &#8220;von selbst&#8221; hebt.<br />
Diese Interpretation würde bedeuten, dass hier das Gelingen oder Nicht-Gelingen der Illusion nicht &#8220;an sich&#8221; wirksam ist, sondern insoweit, als es die &#8220;Demand Characteristics&#8221; beeinflusst, und zwar hier in einer anderen Form als bei Punkt 2. Vermutlich spielen sowohl 3. wie 2. eine Rolle.</p>
<p>Dass die Erklärung des Verhaltens vor allem bei 3. zu suchen ist, ließe sich, so vermute ich, wohl relativ einfach experimentell überprüfen. Man könnte zwei Gruppen von Hochsuggestiblen nehmen, die gut auf Halluzinations-Suggestionen reagieren, und zwei Gruppen von Niedrigsuggestiblen, die schlecht auf solche Suggestionen reagieren.<br />
Der einen Gruppe von Hochsuggestiblen würde man unter Zuhilfenahme einer Illusion einen vermeintlich kriminellen Akt befehlen, der anderen Gruppe von Hochsuggestiblen ohne die Induktion einer Illusion. Und entsprechend dasselbe mit den Niedrigsuggestiblen: Die eine Gruppe soll mit, die andere ohne Illusins-Suggestion den pseudo-kriminellen Befehl ausführen. Gleichermaßen bei allen tests soll deutlich vermittelt werden, dass Gehorsam tatsächlich gewünscht wird.     </p>
<p>Entsprechend meiner Vermutung wäre dann folgendes Ergebnis zu erwarten: Die Hochsuggestiblen kommen dem vermeintlich kriminellen Befehl nach, ohne dass zwischen der Illusions- und der Non-Illusions-Gruppe bedeutende Unterschiede erkennbar würden. Eben so hoch wäre der Gehorsam der Niedrigsuggestiblen <em>ohne</em> Illusion. Der Gehorsam der Niedrigsuggestiblen <em>mit</em> Illusion sollte jedoch eindeutig niedriger ausfallen, da das Misslingen der Illusions-Suggestion und die Ausführung des pseudo-kriminellen Befehls interferieren sollten.<br />
Dabei sollte m.E. darauf geachtet werden, dass die suggerierte Illusion als solche deutlich hervorsticht, so dass diejenigen, die an ihr &#8220;scheitern&#8221;, dies auch deutlich registrieren. Die allgemeine Bemerkung &#8220;Nehmen Sie den Geldbeutel, er ist Ihrer&#8221;, könnte nach meinem Gefühl ev. zu unauffällig sein, um einen optimalen test abzugeben. (Ich &#8220;propagiere&#8221; so ein womöglich ethisch bedenkliches Experiment nicht, es geht mir nur um die methodiesche Überlegung. Damit aber erst mal auch genug mit der Methodik!)</p>
<p>Ansonsten möchte ich mich an dieser Stelle erst einmal herzlich für all die guten Gedanken, Anregungen, Denkanstöße, neuen Ideen und geistvollen und sorgfältigen Erläuterungen bedanken; ebenfalls für die Diskussion, die ich nicht nur fachlich als außerordentlich hochwertig, sondern auch menschlich als sehr angenehm und respektvoll empfunden habe, ungeachtet mitunter verschiedener Sichtweisen. Es handelt sich hier mit Abstand um eine der besten Diskussionen, die ich je zum Thema &#8220;Hypnose&#8221; führen durfte. (Dies soll nun aber selbstredend kein indirekter Hinweis sein, dass ich die Diskussion beenden möchte; vielmehr setze ich sie sehr gerne fort, soweit Material und Interesse bestehen!)</p>
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		<title>Kommentar zu Hypnose-Verbrechen von Hans Ulrich Gresch</title>
		<link>http://hypnoseverbrecheninfo.wordpress.com/2010/04/07/hypnose-verbrechen/#comment-35</link>
		<dc:creator><![CDATA[Hans Ulrich Gresch]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 19 Jun 2012 07:16:23 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://hypnoseverbrecheninfo.wordpress.com/?p=4#comment-35</guid>
		<description><![CDATA[Aus Zeitgründen beschränke ich mich auf zwei Fragen.

Ein Beispiel für nicht-wissendes Wissen im Alltag:

Ein Vorgesetzer der mittleren Ebene, nennen wir ihn Herrn Huber, ist sich sicher, dass er Entscheidungen nur überzeugend vor seinen Untergebenen vertreten kann, wenn er selbst davon überzeugt ist. Er gilt als authentischer Mensch und will auch so gesehen werden. Ehrlichkeit ist ihm seit Kindesbeinen ein Herzensanliegen.

Er steht nun vor der Aufgabe, einen seiner Mitarbeiter zu befördern. Es kann ihm nicht verborgen geblieben sein, dass der Oberboss des Unternehmens - aus welchen Gründen auch immer - erwartet, dass die Wahl auf den Mitarbeiter Meyer fällt. 

Herr Huber weiß natürlich, dass ein beförderter Mitarbeiter die besten Aussichten auf Erfolg in der neuen Position hat, wenn er sich der Unterstützung der oberen Führungsebene gewiss sein kann.

Herr Huber hat also die Aufgabe zu bewältigen, den vom Chef favorisierten Mitarbeiter Meyer auszuwählen, der aber an sich nicht der Beste für diesen Posten ist, und diese Entscheidung überzeugend vor den anderen Mitarbeitern zu vertreten. Dies kann ihm aufgrund seines Naturells aber nur gelingen, wenn er auch selbst davon überzeugt ist, dass der beförderte Mitarbeiter der Beste sei.

Die in diesem Fall einzig mögliche Konfliktlösung setzt wissendes Nichtwissen voraus. Er muss wissen, dass der Oberboss Meyer favorisiert, sonst könnte und würde er ihn nicht auswählen, da er nicht der Beste ist. Gleichzeitig darf er dies aber nicht wissen, sonst könnte er die Wahl vor seinen Mitarbeitern nicht überzeugend vertreten.

Sie fragten mich nach wissenschaftlichen Belegen für dieses Phänomen. Darunter verstehen sie vermutlich empirische Studien im Sinne der gegenwärtigen akademischen Psychologie. Damit kann ich nicht dienen. Es mag solche Experimente geben, mir sind aber keine bekannt.

Dennoch bin ich davon überzeugt, dass diese Phänomene existieren, sogar sehr häufig vorkommen, weil eben Zwangslagen der beschriebenen Art nicht gerade selten sind. Dass Menschen gezwungen sind, zugleich ehrlich und unehrlich zu sein, ist in der Tat ein Alltagsphänomen.

Man kann dieses Verhalten natürlich in Hypnose-Experimenten herauspräparieren. Das bereits diskutierte Beispiel der hypnotischen, selektiven Blindheit weist ja in diese Richtung. Die Basis solcher Experimente besteht darin, dass ein Befehl X nur realisiert werden kann, wenn man eine Information X bemerkt und nicht bemerkt.

Wenn ich mich recht entsinne, so hat die Neo-Psychoanalytikerin Karen Horney dieses Phänomen als &quot;vermerken&quot; bezeichnet, als einen Schwebezustand zwischen Wissen und Nicht-Wissen.

Es handelt sich dabei um motiviertes Missachten und Bestehenlassen von A-Logik.

Dies bringt mich zur Ironie. Ironisch ist eine Aussage, die etwas anderes meint als dass, was gemeint zu sein scheint, wenn man diese Aussage wortwörtlich nicht. 

Einem Hypnotisand wird suggeriert, dass er ein Flusspferd vor sich sähe. Wenn er ein guter Hypnotisand ist, so wird er auf Befragen bestätigen, dass er nun ein Nilpferd vor sich sehe, es sei sehr groß und behäbig, schaue friedlich drein und  es zwinkere ihm gelegentlich zu.

Dies ist natürlich pure Ironie. Der Hypnotisand weiß durchaus, dass er die &quot;Vision&quot; des Tieres auf Anweisung des Hypnotiseurs konstruiert. Damit er es aber konstruieren kann, darf er dies zugleich nicht wissen. Das Flusspferd muss wie herbeigezaubert plötzlich vor seinen Augen auftauchen. Das Hypnotische an der Situation wurde vermerkt.

Dies ist also im strengen, literaturwissenschaftlichen Sinn romantische Ironie. Dies macht den hypnotischen Zauber aus - und ermöglicht ihn. Der romantische Ironiker will das Produzierende mit dem Produkt darstellen, das Kunstwerk soll in der Schwebe gehalten werden zwischen Konstruktion kraft Suggestion des Fiktiven als real und Dekonstruktion des realen Scheins durch Transparenz seiner Konstruktionsprinzipien - und zwar so, dass dennoch die literarische Glaubwürdigkeit des Werks nicht in Frage gestellt wird. Was könnte hypnotischer sein?

Um Zeit zu sparen zitiere ich eine Passage aus Wikipedia, die den Grundgedanken recht passabel zum Ausdruck bringt:

&quot;Die vollendete Ironie hört auf, Ironie zu sein und wird ernsthaft, sagt Schlegel. Denn weil sie sich selbst in Frage stellt, kann sie komisch sein, erreicht in ihrem beständigen Willen zu solcher Selbstkritik aber eben eine höherliegende Ernsthaftigkeit. In jenem ursprünglichen Sokratischen Sinne […] bedeutet die Ironie eben nichts andres, als dieses Erstaunen des denkenden Geistes über sich selbst, was sich oft in ein leises Lächeln auflöst. (Schlegel)&quot;

Ist es nicht auch diese Mutation von Komik zur Ernsthaftigkeit, die das Faszinierende an einer Showhypnose ausmacht?

Kehren wir also zum Verbrechen in Hypnose zurück. Wie bereits in vorherigen Kommentaren betont, beurteile ich dessen Möglichkeit zwar skeptisch, will es im Einzelfall aber auch nicht ausschließen. Auch ein Verbrechen in Hypnose würde im Zustand des wissenden Nichtwissens begangen. Der hypnotisierte Täter müsste wissen, dass er dem posthypnotischen Befehl eines Hypnotiseurs gehorcht und dies zugleich nicht wissen, weil er sonst dem Befehl ja nicht gehorchen würde (und wenn doch, dann wäre er ein kein Komplize wider Willen). 

Kann man Komplize wider Willen sein. Sie meinen, wenn ich Sie recht verstehe, nein, weil die Gesamtpersönlichkeit wissendes Nichtwissen ja selbst inszeniert. Demgegenüber halte ich es für möglich, dass es dem Hypnotiseur gelingen könnte, in seinem Opfer eine romantische Faszination zu entzünden, die es diesem unmöglich macht, seine Bereitschaft zu dieser Inszenierung zu verweigern oder, wenn&#039;s ernst wird, zurückzuziehen.

Dieser Hypnotiseur müsste ein Meister-Verführer sein, ein Mephisto der allerfeinsten Sorte.

Wenn jemand einen posthypnotischen Befehl befolgt, so handelt er. Dies heißt, er folgt einer Absicht. Diese Absicht ist der Reflexion entzogen, wird also nicht in Frage gestellt. Hypnotischer Zwang führt demgemäß nicht zu Automatismen, sondern zu Handlungen, denen ein felsenfester Entschluss zugrunde liegt. Raubt jemand eine Bank aus, so liegt dem ein felsenfester entschluss zu Grunde. Handelte der Bankräuber in einem Zustand einer romatischen Faszination, die absichtlich von einem anderen Menschen entfacht wurde, dann darf man dies meines Erachtens uneingeschränkt als Verbrechen in Hypnose betrachten. 

Man könnte einwenden, in diesem Fall sei der Bankräuber wider Willen der Faszination des Hypnotiseurs erlegen, nicht aber durch Hypnose zu einer Tat veranlasst worden, die er ohne diese nicht begangen hätte. Dies mag sein, in vielen Fällen. Bekanntlich wurden schon Morde begangen, weil der Auftraggeber die Täter faszinierte, Beispiel: Charles Manson. Doch ich halte es für denkbar, dass ein an sich nicht besonders charismatischer Hypnotiseur mit einem ausgefeilten System hypnotischer Mittel und Maßnahmen eine Faszination hervorrufen kann, die er ohne diese Mittel und Maßnahmen nicht erreichen würde.]]></description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Aus Zeitgründen beschränke ich mich auf zwei Fragen.</p>
<p>Ein Beispiel für nicht-wissendes Wissen im Alltag:</p>
<p>Ein Vorgesetzer der mittleren Ebene, nennen wir ihn Herrn Huber, ist sich sicher, dass er Entscheidungen nur überzeugend vor seinen Untergebenen vertreten kann, wenn er selbst davon überzeugt ist. Er gilt als authentischer Mensch und will auch so gesehen werden. Ehrlichkeit ist ihm seit Kindesbeinen ein Herzensanliegen.</p>
<p>Er steht nun vor der Aufgabe, einen seiner Mitarbeiter zu befördern. Es kann ihm nicht verborgen geblieben sein, dass der Oberboss des Unternehmens &#8211; aus welchen Gründen auch immer &#8211; erwartet, dass die Wahl auf den Mitarbeiter Meyer fällt. </p>
<p>Herr Huber weiß natürlich, dass ein beförderter Mitarbeiter die besten Aussichten auf Erfolg in der neuen Position hat, wenn er sich der Unterstützung der oberen Führungsebene gewiss sein kann.</p>
<p>Herr Huber hat also die Aufgabe zu bewältigen, den vom Chef favorisierten Mitarbeiter Meyer auszuwählen, der aber an sich nicht der Beste für diesen Posten ist, und diese Entscheidung überzeugend vor den anderen Mitarbeitern zu vertreten. Dies kann ihm aufgrund seines Naturells aber nur gelingen, wenn er auch selbst davon überzeugt ist, dass der beförderte Mitarbeiter der Beste sei.</p>
<p>Die in diesem Fall einzig mögliche Konfliktlösung setzt wissendes Nichtwissen voraus. Er muss wissen, dass der Oberboss Meyer favorisiert, sonst könnte und würde er ihn nicht auswählen, da er nicht der Beste ist. Gleichzeitig darf er dies aber nicht wissen, sonst könnte er die Wahl vor seinen Mitarbeitern nicht überzeugend vertreten.</p>
<p>Sie fragten mich nach wissenschaftlichen Belegen für dieses Phänomen. Darunter verstehen sie vermutlich empirische Studien im Sinne der gegenwärtigen akademischen Psychologie. Damit kann ich nicht dienen. Es mag solche Experimente geben, mir sind aber keine bekannt.</p>
<p>Dennoch bin ich davon überzeugt, dass diese Phänomene existieren, sogar sehr häufig vorkommen, weil eben Zwangslagen der beschriebenen Art nicht gerade selten sind. Dass Menschen gezwungen sind, zugleich ehrlich und unehrlich zu sein, ist in der Tat ein Alltagsphänomen.</p>
<p>Man kann dieses Verhalten natürlich in Hypnose-Experimenten herauspräparieren. Das bereits diskutierte Beispiel der hypnotischen, selektiven Blindheit weist ja in diese Richtung. Die Basis solcher Experimente besteht darin, dass ein Befehl X nur realisiert werden kann, wenn man eine Information X bemerkt und nicht bemerkt.</p>
<p>Wenn ich mich recht entsinne, so hat die Neo-Psychoanalytikerin Karen Horney dieses Phänomen als &#8220;vermerken&#8221; bezeichnet, als einen Schwebezustand zwischen Wissen und Nicht-Wissen.</p>
<p>Es handelt sich dabei um motiviertes Missachten und Bestehenlassen von A-Logik.</p>
<p>Dies bringt mich zur Ironie. Ironisch ist eine Aussage, die etwas anderes meint als dass, was gemeint zu sein scheint, wenn man diese Aussage wortwörtlich nicht. </p>
<p>Einem Hypnotisand wird suggeriert, dass er ein Flusspferd vor sich sähe. Wenn er ein guter Hypnotisand ist, so wird er auf Befragen bestätigen, dass er nun ein Nilpferd vor sich sehe, es sei sehr groß und behäbig, schaue friedlich drein und  es zwinkere ihm gelegentlich zu.</p>
<p>Dies ist natürlich pure Ironie. Der Hypnotisand weiß durchaus, dass er die &#8220;Vision&#8221; des Tieres auf Anweisung des Hypnotiseurs konstruiert. Damit er es aber konstruieren kann, darf er dies zugleich nicht wissen. Das Flusspferd muss wie herbeigezaubert plötzlich vor seinen Augen auftauchen. Das Hypnotische an der Situation wurde vermerkt.</p>
<p>Dies ist also im strengen, literaturwissenschaftlichen Sinn romantische Ironie. Dies macht den hypnotischen Zauber aus &#8211; und ermöglicht ihn. Der romantische Ironiker will das Produzierende mit dem Produkt darstellen, das Kunstwerk soll in der Schwebe gehalten werden zwischen Konstruktion kraft Suggestion des Fiktiven als real und Dekonstruktion des realen Scheins durch Transparenz seiner Konstruktionsprinzipien &#8211; und zwar so, dass dennoch die literarische Glaubwürdigkeit des Werks nicht in Frage gestellt wird. Was könnte hypnotischer sein?</p>
<p>Um Zeit zu sparen zitiere ich eine Passage aus Wikipedia, die den Grundgedanken recht passabel zum Ausdruck bringt:</p>
<p>&#8220;Die vollendete Ironie hört auf, Ironie zu sein und wird ernsthaft, sagt Schlegel. Denn weil sie sich selbst in Frage stellt, kann sie komisch sein, erreicht in ihrem beständigen Willen zu solcher Selbstkritik aber eben eine höherliegende Ernsthaftigkeit. In jenem ursprünglichen Sokratischen Sinne […] bedeutet die Ironie eben nichts andres, als dieses Erstaunen des denkenden Geistes über sich selbst, was sich oft in ein leises Lächeln auflöst. (Schlegel)&#8221;</p>
<p>Ist es nicht auch diese Mutation von Komik zur Ernsthaftigkeit, die das Faszinierende an einer Showhypnose ausmacht?</p>
<p>Kehren wir also zum Verbrechen in Hypnose zurück. Wie bereits in vorherigen Kommentaren betont, beurteile ich dessen Möglichkeit zwar skeptisch, will es im Einzelfall aber auch nicht ausschließen. Auch ein Verbrechen in Hypnose würde im Zustand des wissenden Nichtwissens begangen. Der hypnotisierte Täter müsste wissen, dass er dem posthypnotischen Befehl eines Hypnotiseurs gehorcht und dies zugleich nicht wissen, weil er sonst dem Befehl ja nicht gehorchen würde (und wenn doch, dann wäre er ein kein Komplize wider Willen). </p>
<p>Kann man Komplize wider Willen sein. Sie meinen, wenn ich Sie recht verstehe, nein, weil die Gesamtpersönlichkeit wissendes Nichtwissen ja selbst inszeniert. Demgegenüber halte ich es für möglich, dass es dem Hypnotiseur gelingen könnte, in seinem Opfer eine romantische Faszination zu entzünden, die es diesem unmöglich macht, seine Bereitschaft zu dieser Inszenierung zu verweigern oder, wenn&#8217;s ernst wird, zurückzuziehen.</p>
<p>Dieser Hypnotiseur müsste ein Meister-Verführer sein, ein Mephisto der allerfeinsten Sorte.</p>
<p>Wenn jemand einen posthypnotischen Befehl befolgt, so handelt er. Dies heißt, er folgt einer Absicht. Diese Absicht ist der Reflexion entzogen, wird also nicht in Frage gestellt. Hypnotischer Zwang führt demgemäß nicht zu Automatismen, sondern zu Handlungen, denen ein felsenfester Entschluss zugrunde liegt. Raubt jemand eine Bank aus, so liegt dem ein felsenfester entschluss zu Grunde. Handelte der Bankräuber in einem Zustand einer romatischen Faszination, die absichtlich von einem anderen Menschen entfacht wurde, dann darf man dies meines Erachtens uneingeschränkt als Verbrechen in Hypnose betrachten. </p>
<p>Man könnte einwenden, in diesem Fall sei der Bankräuber wider Willen der Faszination des Hypnotiseurs erlegen, nicht aber durch Hypnose zu einer Tat veranlasst worden, die er ohne diese nicht begangen hätte. Dies mag sein, in vielen Fällen. Bekanntlich wurden schon Morde begangen, weil der Auftraggeber die Täter faszinierte, Beispiel: Charles Manson. Doch ich halte es für denkbar, dass ein an sich nicht besonders charismatischer Hypnotiseur mit einem ausgefeilten System hypnotischer Mittel und Maßnahmen eine Faszination hervorrufen kann, die er ohne diese Mittel und Maßnahmen nicht erreichen würde.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Kommentar zu Hypnose-Verbrechen von escatan</title>
		<link>http://hypnoseverbrecheninfo.wordpress.com/2010/04/07/hypnose-verbrechen/#comment-34</link>
		<dc:creator><![CDATA[escatan]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 Jun 2012 21:31:56 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://hypnoseverbrecheninfo.wordpress.com/?p=4#comment-34</guid>
		<description><![CDATA[Vielen Dank für die Antwort!

(Obwohl es eine Bagatelle ist und so ein Schreibfehler sich ganz leicht einschleichen kann, leicht, habe ich beim Satz mit dem Bankraub ein &quot;nicht&quot; eingeführt, um den Lesefluss zu erleichtern; das soll natürlich nur unter der Bedingung Ihres Einverstänsnisses sein, das ich hier vorerst einmal vorausgesetzt habe.)

&lt;strong&gt;&quot;Wissendes Nichtissen&quot; und Kritikfähigkeit&lt;/strong&gt;

Als &quot;wissende&quot; Seite bezeichne ich hier in Ihrem Sinne diejenige mit erhaltenem Realitätsbezug und akkurater Wahrnehmung (sie ist m.E. in gewissem Sinne unterbewusst); als &quot;unwissende&quot; Seite bezeichne ich jenen &quot;Anteil&quot;, der von der Illusion betroffen ist, der den Realitätsbezug inwsoweit verliert und mit dem &quot;bewussten&quot; Empfinden und Reagiren einhergeht.

Wie Sie schön herausgearbeitet haben, ist das &quot;Wissen&quot; (der Ralitätsbezug) jederzeit Voraussetzung des &quot;Nicht-Wissens&quot; (der Illusion); Das Wissen kann ohne das Unwissen existieren (die normale Wahrnehmung ohne die Illusion), nicht jedoch umgekhrt 

Wichtig ist außerdem, dass die &quot;wissende&quot; und die &quot;unwissende&quot; Seite nicht gegen einander arbeiten und jeweils eigenständig das Handeln des &quot;Subjekts&quot; beeinflussen. Denn dann wäre die Person hin- und hergerissen, und ein abgestimmtes, geordnetes und einheitliches Verhalten wäre nicht mehr gegeben. Die eine Seite zöge in die eine Richtung, die andere in die andere. 

Es muss also eine einheitliche Verhaltenskontrolle geben. Die kann aber nur bei der &quot;wissenden&quot; Seite liegen. Denn das Verhalten zeigt ja, dass auch Informationen bereit stehen müssen, die der &quot;unwissenden&quot; Seite entzogen sind, und diese Informationen stehen in einem sinnvollen Bezug zu den anderen Kognitionen und legen somit die Grundlage für ein koordiniertes Gesamt-Verhalten. Nur auf der wissenden Ebene können alle Informationen integriert werden, die für das geordneten Gesmtverhalten relevant sind. 

Daraus ergibt sich dann weiterhin, dass das Nicht-Wissen (oder die Illusion) das Verhalten nicht in seiner Eigenschaft als &quot;Nicht-Wissen&quot; beeinflusst, oder höchstens nur in geringem Maße. Die Illusion beeinfalusst das Verhalten nicht qua Illusion, sondern insofern sie eine implizite oder Meta-Suggestion darstellt - und diese wird vom Hypnotisierten erkannt und verarbeitet, und zwar &lt;em&gt;insofern er &quot;wissend&quot; ist&lt;/em&gt;.

Dies bedeute dann m.E., dass Wissen und Unwissen nicht &quot;gleichberechtigt&quot; nebeneinander leigen, sondern dass die Person &quot;in ihrer Gesamtheit&quot;, als &quot;handelndes Subjekt&quot;, wissend ist und den Realitätsbezug besitzt (auch wenn Illusionen auf einer bewussten Eben sehr realistisch und intensiv erlebt werden können). 

Deswegen habe ich auch mit dem Begriff der &quot;verminderten Kritikfähigkeit&quot; meine Probleme, wenn damit gemeint ist, dass Realität und hypnotische Fiktion nicht mehr richtig auseinander gehalten werden können. Denn es ist ja nicht so, dass der Hypnotisierte sich gewissermaßen &quot;halb&quot; an der Realität und &quot;halb&quot; an der hypnotischen Rolle (oder der Illusion) orientiert, im Sinne eines faulen Kompromisses; vielmehr integriert er Relaität und hypnotische Rolle auf gekonnnte Weise, so dass beide jeweils auf ihre Weise relevant bleiben und zu ihrem &quot;Recht&quot; kommen; das &quot;Subjekt&quot; handelt entsprechend der hypnotischen Rolle vor dem Hintergrund der Realität.

Eine solche Verhaltensweise setzt nicht nur den (voll) erhaltenen Realitätsbezug voraus, also die Fähigkeit, die Realität zu erkennen und angemessen auf sie zu reagieren, sondern eine intelligente und reflektierte Anstrengung, um Realität und hypnotische Rolle auf einander abzustimmen und passgenau &quot;unter einen Hut&quot; zu bringen, also sie im Sinne einems einzigen Reaktins-Schemas zu verbinden. Hierbei handelt es sich dann weniger um ein &quot;Nebeneinander&quot; von Realität und hypnotischer Rolle als um eine Integration. 
    
Daher würde ich auch sagen wollen, dass die Rakation auf hypnotisch Suggestionen (insbesondere auf solche, bei denen Illusionen und Halluzinationen entstehen), nicht auf Kritik-Unfähigkeit oder einer anderen &quot;Unfähigkeit&quot; oder Defizien beruht, sondern im Gegenteil auf einer Fähigkeit. Ich würde sogar meinen, dass hier von einer aktiven, kreativen Gestaltungs-Leistung gesprochen werden kann. (Siehe auch entsprechend Mallard, viel weiter oben verlinkt.)
   
&lt;strong&gt;&quot;Wissendes Nichtwissen&quot; und Hypnose-Verbrechen: Theoretisch betrachtet &lt;/strong&gt;

Aus all dem Gesagten ergibt sich nach meiner Meinung Folgendes: Wenn der Hypnotisierte so verhält, als würde sein Tun durch die Illusion geprägt, dann ist das motiviertes Rollenverhalten; er verhält sich so, weil und solange ihm das angemessen zu sein scheint. Aber natürlich muss der Hypnotisierte nicht bedingungslos der Rolle &quot;gehorchen&quot;. Er kann entscheiden, inwieweit er der der hypnotischen Rolle folgen will oder nicht; und dies kann er auf exekutiver Ebne tun, unter Berücksichtigung aller relevanter Gesichtspunkte; also als &quot;Wissender&quot;, der Rolle und Wirklichkeit unterscheiden kann.

Um auf die Faust-Analogie zurückzukommen: Hans Maier mag nicht nur den Faust spielen, sondern sogar in gewisser Weise der Faust &quot;sein&quot;. Wen er aber sieht, wie sein Kollege auf der Bühne stürzt und sich aufgenscheinlich schwer verletzt, dann wird er, ohne lang nachdenken zu müssen, Hilfe holen, etwa zu seinem Handy rennen usw. Hans Maier weiß immer, was &quot;Sache ist&quot;, und er kann immer entscheiden, ob es angemessen ist, sich einer Rolle entsprechend zu verhalten oder nicht; selbst wenn er zeitweise auf bewusster Ebene vergisst, dass er Hans Maier und nicht Faust ist.   

Aufgrund des Gesagten sollte das analog auch für den fall der Hypnose und der hypnotischen illusion gelten.

(Eine Inkongruenz des Verhaltens mit der hypnotischen Rolle zeigt sich übrigens womöglich bereits unter Normal-Bedingungen, also harmlosen umständen, indem Hypnotisierte unsichtbare Hindernisse typischerweise meiden, wie sie das ausgeführt haben. Nach orne renenn hingegen Simulanten gegn das Hindernis. Demnach würde hier bereits die hypnotische Rolle, die auch der Simulant verkörpert, bereits &quot;verlassen&quot;. Spanos und Kollegen kamen allerdings zu dem abweichenden Befund, dass auch Simulanten ein Hindernis umgehen; leider weiß ich nicht mehr wo das beschrieben ist, aber das liesse sich sicher rausfinden.)   

Natürlich könnte man sagen, dass das &quot;Subjekt&quot;, wenn es von einem Hypnotiseur psychisch abhängig ist, in der hypnotischen Rolle verharrt und seinen Realitätsbezug nicht nutzt. Dies wäre dann jedoch m.E. nicht Resultat von fehlendem Realitätsbezug oder &quot;Kritikunfähigkeit&quot;, sondern von Motivation und Entscheidung; wobei Motivation und Entscheidung selbstredend auch das Ergebnis von Druck und Abhängigkeit sein können. Denn an der kognitiven Struktur der Prozesse selbst, also dem Verhältnis von &quot;Wissen&quot; und &quot;Nicht-Wissen&quot; und seiner Verarbeitung, ändert sich ja auch bei einer starken sozialen Abhängigkeit nichts. 

&lt;strong&gt;&quot;Wissendes Unwissen&quot; und Hypnose-Verbrechen: Empirisch betrachtet&lt;/strong&gt;
 
Betrachten wir folgende These T: 

T) Illusionen und andere Täuschungen führen zu einem &quot;tieferen&quot; Realitätsverlust und infolgedessen zu gesteigertem Gehorsam.

Wenn T wahr ist, sollten folgende Vorhersagen ableitbar sein:

S1) Sofern akkurate Ilusionen (und andere kognitive Verzerrungen)  generiert werden, um ein (vermeintlich) unmoralischs Verhalten als moralisch gerechtfertigt erscheinen zu lassen, gehorchen Hypnotisierte praktisch immer.

S2) Wenn erfolgreich Illusionen suggeriert werden, um ein harmloses Tun als höchst kriminell erscheinen zu lassen, dann sollten (ohne exorbitanten Druck) viele Probanden den Befehl verweigern und starke Stress-Symptome zeigen.  

Wenn T hingegen falsch ist, wenn hypnotische Halluzinationen also nicht zu einem profunden Realitätsverlust und damit indirekt zu enormem Gehorsam führen, dann sollten jeweils die Negationen von S1) und S2) gelten.

Wir können nun also vielleicht T im Sinne eines &quot;experimentum crucis&quot; testen: Wenn S1 und S 2 falsch sind, dann gälte mit der Kontraposition, dass auch die These T, aus der S1 und S2 folgen, falsch ist. 

Ganz so klar und distinkt ist das in der Praxis natürlich hier nicht möglich; aber vielleicht können wir wenigstens zu einer gewissen Annäherung und letztlich einer plausibel begründeten Aussage gelangen.      

Auch wenn es um die verfügbare empirische Evidenz, die wir nutzen können, nicht optimal steht, so sind doch manche Fakten verfügbar, die bei einer Prüfung dienlich sein mögen. Es soll es darum gehen, ob S1) und S2) oder ihre Negationen eher mit der Empirie übereinstimmen. So können wir dann indirekt auch Rückschlüsse für die eigentliche Ursprungsthese selbst ziehen.     

- Hypnotisierte &quot;mit Illusion&quot; gehorchen nicht generell mehr als solche &quot;ohne&quot;. Rowland (siehe Orne, unten) beispielsweise suggerierte zwei &quot;tief hypnotisierten&quot; Probanden, dass sie nach einer Giftschlange greifen sollten, nachdem er ihnen gesagt hatte, dass es sich um ein Seil handele; zwei weiteren gab er den direkten Befehl, ohne den Versuch einer hypnotischen Täuschung. Zwei von zwei gehorchten beim direkten Befehl, nur einer von zwei aber beim Experiment, bei dem die Seil-Illusion benutzt worden war. Allgemein scheint bei solchen Experimenten zu gelten, dass der Gehorsam hoch ist, aber im Fall von Illusionen nicht wesentlich höher als ohne (s.u.)

- Bramwell, den ich für einen sehr guten Beobachter halte, schilderte einige Versuche mit exzellenten &quot;tief hypnotisierten&quot; Versuchspersonen unter relativ realistischen Bedingungen; bei diesen verweigerten die Probanden den Gehorsam, auch dann, wenn Illusionen suggeriert worden waren. Ähnliche Einzelversuche werden immer wieder berichtet. Sie sprechen dafür, dass Hypnotisierte mit und Illusionen (selbst exzellente SUbjekte) gleichermaßen in einigen Fällen den gehorsam verweigern.

- Es ist beispielsweise ein Fall des sexuellen Missbrauches bekannt (siehe Heap, in:  Oxford Handbook of Hypnosis), bei dem der Hypnotiseur seinem weiblichen Opfer suggerierte, dass sein Penis ein Eis sei, an dem die Frau lecken solle. Das tat sie auch, aber ihr Verhalten &quot;entsprach der realen Situation&quot;, wie Heap sich in etwa ausdrückte, passte also wohl eher zu Oralverkehr als zum Konsum  einem Eis. Soweit das Opfer hier also auf die Suggestionen des Täters reagierte, tat es das offenbar im  &quot;Wissen&quot; um die Situation; es handelte also an der tatsächlichen Realität orientiert, und nicht an einer vom Hypnotiseur geschaffenen Pseudo-Realität ausgerichtet. (Zudem gibt es leider auch genug Missbrauchsfälle ohne hypnotische Illusion und sogar ganz ohne Hypnose). 

- Die &quot;Demand Characteristics&quot; des Experimentes scheinen wichtiger als eine suggerierte Illusion für das Gelingen des Versuchs zu sein, ebenso die Erwartungshaltung des Hypnotiseurs. Orne schreibt dazu.  

&quot;In a review of the literature on this subject Weitzenhoffer (75) attempts to reconcile the contradictory evidence on inducing socially prohibited behavior. He points out that attempts which have been successful are those in which the subject was given a hallucinated pseudo-situation which redefined the behavior as socially acceptable. An instance of this would be the Wells&#039; (80) demonstration. He induced the subject to &quot;steal&quot; a dollar bill by being told it was his own money. Thus, from the subject&#039;s viewpoint he was no longer committing a transgression. Weitzenhoffer attributes failure to induce subjects to perform &quot;antisocial&quot; acts to those situations in which the subject perceives the transgressive nature of his behavior. This explanation, although seductive at first glance, does not appear to do justice to the literature. Erickson attempted in some instances to create this type of situation and obtained negative results. On the other hand, Schneck was unaware of the normative implications of his posthypnotic suggestion at the time it was given. Nor was there any attempt to disguise the dangerous nature of the situations in the Rowland or Young experiments.&quot;
http://www.psych.upenn.edu/history/orne/orne1961inbidermanzimmerbc.html

&quot;Brenman (1942) discusses a more complex situation. She defined a task as antisocial, but, in giving the hypnotic instructions, redefined the same task as acceptable. She overtly requested compliance with the instructions and also communicated implicitly that the behavior should be carried out. The crucial factor in her studies, it seems, is not her explicit justification and legitimization of the behavior, but rather the fact that in the experimental context the behavior itself is essentially harmlesss. The elaborately developed hallucinated situation which justified the behavior was probably unnecessary, but it might have helped to convey more effectively that she expected compliance. Wells (1941) provides the experimental data to support this view. He was able to induce compliance to the same type of behavior requested by Brenman without hypnotically falsifying the situation&quot;...

&quot;In these experiments [Rowland, Young, Lyon] compliance could be elicited either by direct suggestion or by hypnotically falsifying the situation. Young carried out his experiments in both situations and found little difference in his ability to force subjects to carry out types of behavior which both Lyon and Rowland went to some trouble to rationalize by hypnotically induced hallucination. The conflicting instructions in the latter two studies merely make interpretation more difficult but do not materially affect the outcome, i.e., compliance or refusal.&quot;
http://www.psych.upenn.edu/history/orne/orne1962estabrooksbc.html

- Kline (siehe Orne, beide gerade verlinkten Texte) führte ein Experiment mit vier Hypnotiseuren durch. Eine Versuchsperson wurde angehalten, eine aus Gründen der Illegalität nicht weiter beschriebene Straftat zu begehen, die allerdings nicht wirklich gefährlich war. Es handelte sich wohl um ein &quot;Sittlichkeitsdelikt&quot;, das der entsprechenden Person allerdings unangenehm war. Geleichzeitig machte diese Person jedoch freiwillig mit und war am Ergebnis der Experimente sehr interessiert. (Es herrschte also vermutlich eine erhebliche Ambivalenz auf Seiten des Probanden.) Soweit ich mich erinnere, konnten nur drei von vier Hypnotiseuren mithilfe einer Illusion das entsprechende Verhalten erfolgreich befehlen. Ohne Illusion war es nur ein Hypnotiseur; aber als dem &quot;Subjekt&quot; zur Vorbereitung einfach gesagt wurde, es möge sich einfach vorstellen, wie es die kriminelle Handlung begeht, war die Erfolgrate, wenn ich mich richtig erinnere, sogar noch häher als im Fall der Illusion: Nun waren vier von vier Hypnotiseuren erfolgreich bei der Induktion des inkriminierten Verhaltens.

Eine im Grunde sehr einfache und sicherlich nur moderat effektive Intervention - die Bitte an den Hypnotisierten, sich sein Tun im Vorfeld vorzustellen - war mindestens so effektiv war wie die Illusion. Auch ohne Illusion gar es einen gewissen  ehorsam, und auch mit Illusion war er nicht bei 100%. Zusammengenommen stützen die Ergebnisse m.E. die Orne&#039;sche Auffassung: Wo eine starke Ambivalenz besteht, mag eine Illusion sozusagen das Zünglein an der Wage sein. Sie wirkt dann aber wohl eher durch stärkere &quot;Demanc Characteristics&quot; oder durch eine Rechtfertigung, die sie dem Hypnotisierten beitet, und nicht durch einen Realitätsverlust; insofern dürfte sie anderen einfacheren Techniken vergleichbar sein, wie etwa der, dass das &quot;Subjekt&quot; sich die tat zuerst vorstellen soll. Die Ergebnisse liegen hier letztlich auf einer Linie mit den von Orne weiter oben referierten.      

- Andererseits konnten frühe Hypnotiseure bei ihren &quot;Somnambulen&quot;, wenn sie das wollten, wohl ziemlich ubiquitär Gehorsam für folgende Art von Experiment erzeugen: Sie gaben den Probanden beispielsweise Zucker, Gummidolche oder einen entladenen Revolver, um dann zu suggerieren, dass es sich um Gift, resp. ein gefährliches Messer, resp. eine geladene Waffe handele. Alsdann befahlen sie den &quot;Versuchspersonen&quot; - oft in Anwesenheit von Zeugen - die fürchterlichsten &quot;Verbrechen&quot; mit diesen &quot;Waffen&quot; zu begehn. Die Hypnotisierten gehorchten, und zwar gewöhnlich ohne eine Mine zu verziehen. 
Doch selbst bei den Milgram-Experimenten, bei denen eine eventuelle Tötung deutlich weniger klar und direkt befohlen wurde und weit weniger definitiv war, verweigerte immerhin ein Drittel den Gehorsam; und viele Probanden zeigten Anzeichen von intensivem Stress wie Zittern, Schwitzen, Nervosität usw. Dies legt nahe, dass die Hypnotisierten bei den Experimenten mit dem Zucker, den Dolchen und Revolvern auf der handlungsentscheidenen Ebene realisierten, dass die Versuche harmlos waren und deswegen mitmachten.

- Zumindst ein Experiment gibt in diesem Sinne vielleicht einen ziemlich direkten Vergleich zwischen dem Gehorsam mit und ohne Illusions-Suggestionen. Bongartz (&quot;Hypnose: Wie sie wirkt und wem sie hilft&quot;) schildert folgenden Versuch: Hochsuggestiblen wurde eine Karte in die Hand gegeben, von der suggeriert worden war, dass sie ein Messer sei; die Probanden wurden dann aufgefordert, Dritte anzugreifen, was sie auch taten. Wenn ihnen derselbe Auftrag jedoch erteilt wurde, nachdem ihnen ein reals Messer in die hand gedrückt worden war, verweigerten sie den Befehl. Ich hab leider das Buch nicht da, aber es kann sein, dass der Versuch bei ein und derselben Gruppe durchgeführt wurde. In diesem Fall könnte das Ergebnis vielleicht auf die &quot;Demand Characteristics&quot; zurückgeführt werden: Die Probanden begriffen, dass das Experiment genau jenes Ergebnis haben sollte, das es dann auch hatte; und sie verhielten sich deswegen so, wie sie sich verhielten. Vielelicht hätten sie bei einem anderen versuchsaufbau die scharfen Messer benutzt, etwa im Vertrauen auf unsichtbare Sicherheitsvorkehrungen, so wie bei anderen Experimenten. 

Aber selbst wenn das so war, würde es immer noch zeigen, dass dei Fähigkeit zur Realitätserkenntnis, die Fähigkeit zur Beurtelung der Gesamt-Situation von einer übergeordneten realistischen Warte aus sowie das Vermögen, moralische Aspaekte zu reflektieren, weiterhin vorhanden waren.

- Wenn man die gennannte Evidenz in ihrer Gesamtheit betrachtet, dann spricht sie m.E. gegen die aus T abgeleiteten Hypothesen S1 und S1. Sie spricht dann auch gegen T, also die These, dass Hypnotisierte durch suggerierte Illusionen ihre Fähigkeit verlieren, angemessen auf die Realität zu reagieren, und dass der Hypnotiseur auf diese Weise eine ganz besondere Möglichkeit der Verhaltenskontrolle erhält. Naheleigender scheint vielmehr die Annahme zu sein, dass die Induktion hypnotischer Täuschungen nur einen untergeordneten und indirekten Einfluss besitzt. Dies würde auch erklären, warum es ralativ &quot;egel&quot; zu sein scheint, ob Illusionen benutzt werden, um vermeintliche Verbrechen moralisch zu rechtfertigen, oder, entgegengesetzt, um harmlose Handlungen wie &quot;Morde&quot; aussehen zu lassen: Es scheint letztlich auf die reale und nicht die suggerierte Situation anzukommen, denn es sieht so aus, dass die reale Situation erkennt und auf ihrer Grundlage die Entscheidungen durch den Hypnotisierten getroffen werden. 
Dies ist m.E. die deutlich bessere Erklärung für die empirische Datenlage als die alternative These, dass der Hypnotisierte sich entscheidend an der Illusion orientiert, da er die Relaität nicht mehr zu erkennen und in seine Überlegungen mit einzubeziehen vermag.

&lt;strong&gt;Regressive Beziehungselemente in der hypnotischen Beziehung&lt;/strong&gt;

Generell kann Hypnose sicherlich zu einer engeren Beziehung führen; auch kann sie mit regressiven Elementen einhergehn. So kann selbst innerhalb des experimentellen Kontextes das sog. &quot;archaic involvement&quot; (Shor) gemssen werden, welches in etwa einem psychoanalytisch gefärbtem Rapport entspricht.  

Andererseits scheinen regressive Tendenzen, soweit sie potentiell &quot;problematisch&quot; sind und zu Unterordnung und dem Verlust an Selbständigkeit führen, verstärkt in einem psychoanalytischen Setting aufzutreten, wo sie ohnehin zu erwarten wären, nicht unbedingt außerhalb. 

Kihlstrom äußert sich wie folgt, und zwar bezogen auf Lobor wie Klinik:

&quot;The idea that regressive transference is central even in the laboratory setting will strike most experimenters as quite foreign to their experience. Perhaps some denial is involved here, but I think not much...
The transference view of hypnosis has been effectively contradicted by J. Hilgard (1970, 1971), based on extensive clinical interviews with college students who have volunteered for hypnosis research. Interviewing a fair sample of highly hypnotizable college students, she found they generally perceived the hypnotist in impersonal terms, and their various experimental hypnotists as interchangeable. The hypnotist is generally viewed as a guide or facilitator, and when he or she takes on the appearance of an authority figure or manipulator, subjects become uncomfortable and hypnosis is likely to grind to a halt. This was as true of experienced hypnotic subjects as it was of novices, and interviews in a therapeutic setting indicated that it was as true of clinical patients as it was of experimental subjects.... 

The tendency of subjects to counter preconceptions about hypnosis in order to conform to the intentions of the hypnotist is taken by Sheehan as an objective index of the subject&#039;s personal involvement with the hypnotist. Interestingly, it is not highly correlated with hypnotizability. More important in the present context, however, the archaic flavor of the psychoanalytic concept of transference is missing in these studies, just as it is from J. Hilgard&#039;s interview data. While it is clear that hypnotic subjects have a special relationship with their hypnotist, that relationship is more appropriately characterized by rapport than by transference.&quot;
http://ist-socrates.berkeley.edu/~kihlstrm/RepDisHyp.htm
           
Bramwell berichtete, dass viele Patienten in der Stadt Goole bereits eine lange Beziehung zu ihm hatten, bevor er mit der Hypnose anfing. Er berichtet weiter, dass seine Patienten (solange er in Goole war) ganz besonders &quot;tief&quot; hypnotisiert waren, im Schnitt deutlich mehr als in Nancy. (Als Bramwell dann in einer anderen Stadt praktizierte, waren die Verhältnisse, was die &quot;Tiefe&quot; der Hypnose bei seinen Patienten angeht, nach seiner Schilderung dieselben wie in Nancy) Allerdings waren Bramwells besonders tief hypnotisierte Patienten mit dem guten Rapport bei &quot;verbrecherischen&quot; Experimenten wohl nicht so gehorsam wie die von Bernheim in Nancy, obwohl dort eine viel kürzere Arzt-Patient-Beziehung bestand. Dies lag vermutlich auch daher, dass Bramwells Patienten aus den selbstbewussteren &quot;Upper Classes&quot; kamen, anders als die von Bernheim. Aber auch dann bleibt, dass auch eine klnische Beziehung mit Hypnose nicht notwendigerweise zu stark erhöhtem Gehorsam führt.

In den Experimenten von Coe, Kobayashi und Howard wurde sowohl zu einigen Hypnotisierten wie Nicht-Hypnotisierten eine soziale Beziehung aufgebaut, zu anderen nicht. Zwar führte die soziale Beziehung zu erhöhtem Gehorsam, aber unabhängig vom Vorliegen von Hypnose.

Ein möglicher Einwand wäre, dass bei einer kriminellen Hypnose die Beziehung deutlich länger andauert und auch manipulativer ist. Das ist sicher richtig, aber kann eine entsprechend lange Beziehung mit entsprechenden manipulativen Methoden dann nicht auch ohne Hypnose sehr erfolgreich sein; braucht sie die Hypnose noch? Und wäre die ein wesentlicher Faktor? 

Meine These wäre daher: Hypnose mag einen gewissen begünstigenden Einfluss besitzen, indem sie nämlich die Beziehung intensivieren kann; jedoch ist es fraglich, ob dieser begünstigende EInfluss sehr hoch und &quot;einmalig hypnotisch&quot; ist, oder ob nicht auch recht leicht ohne Hypnose dieselben Effekte zu erzielen sind.

&lt;strong&gt;Zum Rest &lt;/strong&gt;

Leider bin ich mir nicht sicher, was sie mit der &quot;ironischen&quot; Seite des hypnotischen Prozesses genauer meinen. Bei aller gebotenen Vorsicht könnte ich mir jedoch vorstellen, dass analoge Einwände möglich wären wie gerade im Fall der regressiven Beziehungsgestaltung ausgeführt.  

Sehr interessant finde ich übrigens ihre Anmerkung, dass das &quot;wissende Nichtwissen&quot; wohl auch außerhalb der Hypnose immer wieder auftritt, aber nicht registriert wird. Können Sie hierzu noch etwas sagen, oder einen literaturhinweis geben, falls es da geeignete Literatur gibt?]]></description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Vielen Dank für die Antwort!</p>
<p>(Obwohl es eine Bagatelle ist und so ein Schreibfehler sich ganz leicht einschleichen kann, leicht, habe ich beim Satz mit dem Bankraub ein &#8220;nicht&#8221; eingeführt, um den Lesefluss zu erleichtern; das soll natürlich nur unter der Bedingung Ihres Einverstänsnisses sein, das ich hier vorerst einmal vorausgesetzt habe.)</p>
<p><strong>&#8220;Wissendes Nichtissen&#8221; und Kritikfähigkeit</strong></p>
<p>Als &#8220;wissende&#8221; Seite bezeichne ich hier in Ihrem Sinne diejenige mit erhaltenem Realitätsbezug und akkurater Wahrnehmung (sie ist m.E. in gewissem Sinne unterbewusst); als &#8220;unwissende&#8221; Seite bezeichne ich jenen &#8220;Anteil&#8221;, der von der Illusion betroffen ist, der den Realitätsbezug inwsoweit verliert und mit dem &#8220;bewussten&#8221; Empfinden und Reagiren einhergeht.</p>
<p>Wie Sie schön herausgearbeitet haben, ist das &#8220;Wissen&#8221; (der Ralitätsbezug) jederzeit Voraussetzung des &#8220;Nicht-Wissens&#8221; (der Illusion); Das Wissen kann ohne das Unwissen existieren (die normale Wahrnehmung ohne die Illusion), nicht jedoch umgekhrt </p>
<p>Wichtig ist außerdem, dass die &#8220;wissende&#8221; und die &#8220;unwissende&#8221; Seite nicht gegen einander arbeiten und jeweils eigenständig das Handeln des &#8220;Subjekts&#8221; beeinflussen. Denn dann wäre die Person hin- und hergerissen, und ein abgestimmtes, geordnetes und einheitliches Verhalten wäre nicht mehr gegeben. Die eine Seite zöge in die eine Richtung, die andere in die andere. </p>
<p>Es muss also eine einheitliche Verhaltenskontrolle geben. Die kann aber nur bei der &#8220;wissenden&#8221; Seite liegen. Denn das Verhalten zeigt ja, dass auch Informationen bereit stehen müssen, die der &#8220;unwissenden&#8221; Seite entzogen sind, und diese Informationen stehen in einem sinnvollen Bezug zu den anderen Kognitionen und legen somit die Grundlage für ein koordiniertes Gesamt-Verhalten. Nur auf der wissenden Ebene können alle Informationen integriert werden, die für das geordneten Gesmtverhalten relevant sind. </p>
<p>Daraus ergibt sich dann weiterhin, dass das Nicht-Wissen (oder die Illusion) das Verhalten nicht in seiner Eigenschaft als &#8220;Nicht-Wissen&#8221; beeinflusst, oder höchstens nur in geringem Maße. Die Illusion beeinfalusst das Verhalten nicht qua Illusion, sondern insofern sie eine implizite oder Meta-Suggestion darstellt &#8211; und diese wird vom Hypnotisierten erkannt und verarbeitet, und zwar <em>insofern er &#8220;wissend&#8221; ist</em>.</p>
<p>Dies bedeute dann m.E., dass Wissen und Unwissen nicht &#8220;gleichberechtigt&#8221; nebeneinander leigen, sondern dass die Person &#8220;in ihrer Gesamtheit&#8221;, als &#8220;handelndes Subjekt&#8221;, wissend ist und den Realitätsbezug besitzt (auch wenn Illusionen auf einer bewussten Eben sehr realistisch und intensiv erlebt werden können). </p>
<p>Deswegen habe ich auch mit dem Begriff der &#8220;verminderten Kritikfähigkeit&#8221; meine Probleme, wenn damit gemeint ist, dass Realität und hypnotische Fiktion nicht mehr richtig auseinander gehalten werden können. Denn es ist ja nicht so, dass der Hypnotisierte sich gewissermaßen &#8220;halb&#8221; an der Realität und &#8220;halb&#8221; an der hypnotischen Rolle (oder der Illusion) orientiert, im Sinne eines faulen Kompromisses; vielmehr integriert er Relaität und hypnotische Rolle auf gekonnnte Weise, so dass beide jeweils auf ihre Weise relevant bleiben und zu ihrem &#8220;Recht&#8221; kommen; das &#8220;Subjekt&#8221; handelt entsprechend der hypnotischen Rolle vor dem Hintergrund der Realität.</p>
<p>Eine solche Verhaltensweise setzt nicht nur den (voll) erhaltenen Realitätsbezug voraus, also die Fähigkeit, die Realität zu erkennen und angemessen auf sie zu reagieren, sondern eine intelligente und reflektierte Anstrengung, um Realität und hypnotische Rolle auf einander abzustimmen und passgenau &#8220;unter einen Hut&#8221; zu bringen, also sie im Sinne einems einzigen Reaktins-Schemas zu verbinden. Hierbei handelt es sich dann weniger um ein &#8220;Nebeneinander&#8221; von Realität und hypnotischer Rolle als um eine Integration. </p>
<p>Daher würde ich auch sagen wollen, dass die Rakation auf hypnotisch Suggestionen (insbesondere auf solche, bei denen Illusionen und Halluzinationen entstehen), nicht auf Kritik-Unfähigkeit oder einer anderen &#8220;Unfähigkeit&#8221; oder Defizien beruht, sondern im Gegenteil auf einer Fähigkeit. Ich würde sogar meinen, dass hier von einer aktiven, kreativen Gestaltungs-Leistung gesprochen werden kann. (Siehe auch entsprechend Mallard, viel weiter oben verlinkt.)</p>
<p><strong>&#8220;Wissendes Nichtwissen&#8221; und Hypnose-Verbrechen: Theoretisch betrachtet </strong></p>
<p>Aus all dem Gesagten ergibt sich nach meiner Meinung Folgendes: Wenn der Hypnotisierte so verhält, als würde sein Tun durch die Illusion geprägt, dann ist das motiviertes Rollenverhalten; er verhält sich so, weil und solange ihm das angemessen zu sein scheint. Aber natürlich muss der Hypnotisierte nicht bedingungslos der Rolle &#8220;gehorchen&#8221;. Er kann entscheiden, inwieweit er der der hypnotischen Rolle folgen will oder nicht; und dies kann er auf exekutiver Ebne tun, unter Berücksichtigung aller relevanter Gesichtspunkte; also als &#8220;Wissender&#8221;, der Rolle und Wirklichkeit unterscheiden kann.</p>
<p>Um auf die Faust-Analogie zurückzukommen: Hans Maier mag nicht nur den Faust spielen, sondern sogar in gewisser Weise der Faust &#8220;sein&#8221;. Wen er aber sieht, wie sein Kollege auf der Bühne stürzt und sich aufgenscheinlich schwer verletzt, dann wird er, ohne lang nachdenken zu müssen, Hilfe holen, etwa zu seinem Handy rennen usw. Hans Maier weiß immer, was &#8220;Sache ist&#8221;, und er kann immer entscheiden, ob es angemessen ist, sich einer Rolle entsprechend zu verhalten oder nicht; selbst wenn er zeitweise auf bewusster Ebene vergisst, dass er Hans Maier und nicht Faust ist.   </p>
<p>Aufgrund des Gesagten sollte das analog auch für den fall der Hypnose und der hypnotischen illusion gelten.</p>
<p>(Eine Inkongruenz des Verhaltens mit der hypnotischen Rolle zeigt sich übrigens womöglich bereits unter Normal-Bedingungen, also harmlosen umständen, indem Hypnotisierte unsichtbare Hindernisse typischerweise meiden, wie sie das ausgeführt haben. Nach orne renenn hingegen Simulanten gegn das Hindernis. Demnach würde hier bereits die hypnotische Rolle, die auch der Simulant verkörpert, bereits &#8220;verlassen&#8221;. Spanos und Kollegen kamen allerdings zu dem abweichenden Befund, dass auch Simulanten ein Hindernis umgehen; leider weiß ich nicht mehr wo das beschrieben ist, aber das liesse sich sicher rausfinden.)   </p>
<p>Natürlich könnte man sagen, dass das &#8220;Subjekt&#8221;, wenn es von einem Hypnotiseur psychisch abhängig ist, in der hypnotischen Rolle verharrt und seinen Realitätsbezug nicht nutzt. Dies wäre dann jedoch m.E. nicht Resultat von fehlendem Realitätsbezug oder &#8220;Kritikunfähigkeit&#8221;, sondern von Motivation und Entscheidung; wobei Motivation und Entscheidung selbstredend auch das Ergebnis von Druck und Abhängigkeit sein können. Denn an der kognitiven Struktur der Prozesse selbst, also dem Verhältnis von &#8220;Wissen&#8221; und &#8220;Nicht-Wissen&#8221; und seiner Verarbeitung, ändert sich ja auch bei einer starken sozialen Abhängigkeit nichts. </p>
<p><strong>&#8220;Wissendes Unwissen&#8221; und Hypnose-Verbrechen: Empirisch betrachtet</strong></p>
<p>Betrachten wir folgende These T: </p>
<p>T) Illusionen und andere Täuschungen führen zu einem &#8220;tieferen&#8221; Realitätsverlust und infolgedessen zu gesteigertem Gehorsam.</p>
<p>Wenn T wahr ist, sollten folgende Vorhersagen ableitbar sein:</p>
<p>S1) Sofern akkurate Ilusionen (und andere kognitive Verzerrungen)  generiert werden, um ein (vermeintlich) unmoralischs Verhalten als moralisch gerechtfertigt erscheinen zu lassen, gehorchen Hypnotisierte praktisch immer.</p>
<p>S2) Wenn erfolgreich Illusionen suggeriert werden, um ein harmloses Tun als höchst kriminell erscheinen zu lassen, dann sollten (ohne exorbitanten Druck) viele Probanden den Befehl verweigern und starke Stress-Symptome zeigen.  </p>
<p>Wenn T hingegen falsch ist, wenn hypnotische Halluzinationen also nicht zu einem profunden Realitätsverlust und damit indirekt zu enormem Gehorsam führen, dann sollten jeweils die Negationen von S1) und S2) gelten.</p>
<p>Wir können nun also vielleicht T im Sinne eines &#8220;experimentum crucis&#8221; testen: Wenn S1 und S 2 falsch sind, dann gälte mit der Kontraposition, dass auch die These T, aus der S1 und S2 folgen, falsch ist. </p>
<p>Ganz so klar und distinkt ist das in der Praxis natürlich hier nicht möglich; aber vielleicht können wir wenigstens zu einer gewissen Annäherung und letztlich einer plausibel begründeten Aussage gelangen.      </p>
<p>Auch wenn es um die verfügbare empirische Evidenz, die wir nutzen können, nicht optimal steht, so sind doch manche Fakten verfügbar, die bei einer Prüfung dienlich sein mögen. Es soll es darum gehen, ob S1) und S2) oder ihre Negationen eher mit der Empirie übereinstimmen. So können wir dann indirekt auch Rückschlüsse für die eigentliche Ursprungsthese selbst ziehen.     </p>
<p>- Hypnotisierte &#8220;mit Illusion&#8221; gehorchen nicht generell mehr als solche &#8220;ohne&#8221;. Rowland (siehe Orne, unten) beispielsweise suggerierte zwei &#8220;tief hypnotisierten&#8221; Probanden, dass sie nach einer Giftschlange greifen sollten, nachdem er ihnen gesagt hatte, dass es sich um ein Seil handele; zwei weiteren gab er den direkten Befehl, ohne den Versuch einer hypnotischen Täuschung. Zwei von zwei gehorchten beim direkten Befehl, nur einer von zwei aber beim Experiment, bei dem die Seil-Illusion benutzt worden war. Allgemein scheint bei solchen Experimenten zu gelten, dass der Gehorsam hoch ist, aber im Fall von Illusionen nicht wesentlich höher als ohne (s.u.)</p>
<p>- Bramwell, den ich für einen sehr guten Beobachter halte, schilderte einige Versuche mit exzellenten &#8220;tief hypnotisierten&#8221; Versuchspersonen unter relativ realistischen Bedingungen; bei diesen verweigerten die Probanden den Gehorsam, auch dann, wenn Illusionen suggeriert worden waren. Ähnliche Einzelversuche werden immer wieder berichtet. Sie sprechen dafür, dass Hypnotisierte mit und Illusionen (selbst exzellente SUbjekte) gleichermaßen in einigen Fällen den gehorsam verweigern.</p>
<p>- Es ist beispielsweise ein Fall des sexuellen Missbrauches bekannt (siehe Heap, in:  Oxford Handbook of Hypnosis), bei dem der Hypnotiseur seinem weiblichen Opfer suggerierte, dass sein Penis ein Eis sei, an dem die Frau lecken solle. Das tat sie auch, aber ihr Verhalten &#8220;entsprach der realen Situation&#8221;, wie Heap sich in etwa ausdrückte, passte also wohl eher zu Oralverkehr als zum Konsum  einem Eis. Soweit das Opfer hier also auf die Suggestionen des Täters reagierte, tat es das offenbar im  &#8220;Wissen&#8221; um die Situation; es handelte also an der tatsächlichen Realität orientiert, und nicht an einer vom Hypnotiseur geschaffenen Pseudo-Realität ausgerichtet. (Zudem gibt es leider auch genug Missbrauchsfälle ohne hypnotische Illusion und sogar ganz ohne Hypnose). </p>
<p>- Die &#8220;Demand Characteristics&#8221; des Experimentes scheinen wichtiger als eine suggerierte Illusion für das Gelingen des Versuchs zu sein, ebenso die Erwartungshaltung des Hypnotiseurs. Orne schreibt dazu.  </p>
<p>&#8220;In a review of the literature on this subject Weitzenhoffer (75) attempts to reconcile the contradictory evidence on inducing socially prohibited behavior. He points out that attempts which have been successful are those in which the subject was given a hallucinated pseudo-situation which redefined the behavior as socially acceptable. An instance of this would be the Wells&#8217; (80) demonstration. He induced the subject to &#8220;steal&#8221; a dollar bill by being told it was his own money. Thus, from the subject&#8217;s viewpoint he was no longer committing a transgression. Weitzenhoffer attributes failure to induce subjects to perform &#8220;antisocial&#8221; acts to those situations in which the subject perceives the transgressive nature of his behavior. This explanation, although seductive at first glance, does not appear to do justice to the literature. Erickson attempted in some instances to create this type of situation and obtained negative results. On the other hand, Schneck was unaware of the normative implications of his posthypnotic suggestion at the time it was given. Nor was there any attempt to disguise the dangerous nature of the situations in the Rowland or Young experiments.&#8221;<br />
<a href="http://www.psych.upenn.edu/history/orne/orne1961inbidermanzimmerbc.html" rel="nofollow">http://www.psych.upenn.edu/history/orne/orne1961inbidermanzimmerbc.html</a></p>
<p>&#8220;Brenman (1942) discusses a more complex situation. She defined a task as antisocial, but, in giving the hypnotic instructions, redefined the same task as acceptable. She overtly requested compliance with the instructions and also communicated implicitly that the behavior should be carried out. The crucial factor in her studies, it seems, is not her explicit justification and legitimization of the behavior, but rather the fact that in the experimental context the behavior itself is essentially harmlesss. The elaborately developed hallucinated situation which justified the behavior was probably unnecessary, but it might have helped to convey more effectively that she expected compliance. Wells (1941) provides the experimental data to support this view. He was able to induce compliance to the same type of behavior requested by Brenman without hypnotically falsifying the situation&#8221;&#8230;</p>
<p>&#8220;In these experiments [Rowland, Young, Lyon] compliance could be elicited either by direct suggestion or by hypnotically falsifying the situation. Young carried out his experiments in both situations and found little difference in his ability to force subjects to carry out types of behavior which both Lyon and Rowland went to some trouble to rationalize by hypnotically induced hallucination. The conflicting instructions in the latter two studies merely make interpretation more difficult but do not materially affect the outcome, i.e., compliance or refusal.&#8221;<br />
<a href="http://www.psych.upenn.edu/history/orne/orne1962estabrooksbc.html" rel="nofollow">http://www.psych.upenn.edu/history/orne/orne1962estabrooksbc.html</a></p>
<p>- Kline (siehe Orne, beide gerade verlinkten Texte) führte ein Experiment mit vier Hypnotiseuren durch. Eine Versuchsperson wurde angehalten, eine aus Gründen der Illegalität nicht weiter beschriebene Straftat zu begehen, die allerdings nicht wirklich gefährlich war. Es handelte sich wohl um ein &#8220;Sittlichkeitsdelikt&#8221;, das der entsprechenden Person allerdings unangenehm war. Geleichzeitig machte diese Person jedoch freiwillig mit und war am Ergebnis der Experimente sehr interessiert. (Es herrschte also vermutlich eine erhebliche Ambivalenz auf Seiten des Probanden.) Soweit ich mich erinnere, konnten nur drei von vier Hypnotiseuren mithilfe einer Illusion das entsprechende Verhalten erfolgreich befehlen. Ohne Illusion war es nur ein Hypnotiseur; aber als dem &#8220;Subjekt&#8221; zur Vorbereitung einfach gesagt wurde, es möge sich einfach vorstellen, wie es die kriminelle Handlung begeht, war die Erfolgrate, wenn ich mich richtig erinnere, sogar noch häher als im Fall der Illusion: Nun waren vier von vier Hypnotiseuren erfolgreich bei der Induktion des inkriminierten Verhaltens.</p>
<p>Eine im Grunde sehr einfache und sicherlich nur moderat effektive Intervention &#8211; die Bitte an den Hypnotisierten, sich sein Tun im Vorfeld vorzustellen &#8211; war mindestens so effektiv war wie die Illusion. Auch ohne Illusion gar es einen gewissen  ehorsam, und auch mit Illusion war er nicht bei 100%. Zusammengenommen stützen die Ergebnisse m.E. die Orne&#8217;sche Auffassung: Wo eine starke Ambivalenz besteht, mag eine Illusion sozusagen das Zünglein an der Wage sein. Sie wirkt dann aber wohl eher durch stärkere &#8220;Demanc Characteristics&#8221; oder durch eine Rechtfertigung, die sie dem Hypnotisierten beitet, und nicht durch einen Realitätsverlust; insofern dürfte sie anderen einfacheren Techniken vergleichbar sein, wie etwa der, dass das &#8220;Subjekt&#8221; sich die tat zuerst vorstellen soll. Die Ergebnisse liegen hier letztlich auf einer Linie mit den von Orne weiter oben referierten.      </p>
<p>- Andererseits konnten frühe Hypnotiseure bei ihren &#8220;Somnambulen&#8221;, wenn sie das wollten, wohl ziemlich ubiquitär Gehorsam für folgende Art von Experiment erzeugen: Sie gaben den Probanden beispielsweise Zucker, Gummidolche oder einen entladenen Revolver, um dann zu suggerieren, dass es sich um Gift, resp. ein gefährliches Messer, resp. eine geladene Waffe handele. Alsdann befahlen sie den &#8220;Versuchspersonen&#8221; &#8211; oft in Anwesenheit von Zeugen &#8211; die fürchterlichsten &#8220;Verbrechen&#8221; mit diesen &#8220;Waffen&#8221; zu begehn. Die Hypnotisierten gehorchten, und zwar gewöhnlich ohne eine Mine zu verziehen.<br />
Doch selbst bei den Milgram-Experimenten, bei denen eine eventuelle Tötung deutlich weniger klar und direkt befohlen wurde und weit weniger definitiv war, verweigerte immerhin ein Drittel den Gehorsam; und viele Probanden zeigten Anzeichen von intensivem Stress wie Zittern, Schwitzen, Nervosität usw. Dies legt nahe, dass die Hypnotisierten bei den Experimenten mit dem Zucker, den Dolchen und Revolvern auf der handlungsentscheidenen Ebene realisierten, dass die Versuche harmlos waren und deswegen mitmachten.</p>
<p>- Zumindst ein Experiment gibt in diesem Sinne vielleicht einen ziemlich direkten Vergleich zwischen dem Gehorsam mit und ohne Illusions-Suggestionen. Bongartz (&#8220;Hypnose: Wie sie wirkt und wem sie hilft&#8221;) schildert folgenden Versuch: Hochsuggestiblen wurde eine Karte in die Hand gegeben, von der suggeriert worden war, dass sie ein Messer sei; die Probanden wurden dann aufgefordert, Dritte anzugreifen, was sie auch taten. Wenn ihnen derselbe Auftrag jedoch erteilt wurde, nachdem ihnen ein reals Messer in die hand gedrückt worden war, verweigerten sie den Befehl. Ich hab leider das Buch nicht da, aber es kann sein, dass der Versuch bei ein und derselben Gruppe durchgeführt wurde. In diesem Fall könnte das Ergebnis vielleicht auf die &#8220;Demand Characteristics&#8221; zurückgeführt werden: Die Probanden begriffen, dass das Experiment genau jenes Ergebnis haben sollte, das es dann auch hatte; und sie verhielten sich deswegen so, wie sie sich verhielten. Vielelicht hätten sie bei einem anderen versuchsaufbau die scharfen Messer benutzt, etwa im Vertrauen auf unsichtbare Sicherheitsvorkehrungen, so wie bei anderen Experimenten. </p>
<p>Aber selbst wenn das so war, würde es immer noch zeigen, dass dei Fähigkeit zur Realitätserkenntnis, die Fähigkeit zur Beurtelung der Gesamt-Situation von einer übergeordneten realistischen Warte aus sowie das Vermögen, moralische Aspaekte zu reflektieren, weiterhin vorhanden waren.</p>
<p>- Wenn man die gennannte Evidenz in ihrer Gesamtheit betrachtet, dann spricht sie m.E. gegen die aus T abgeleiteten Hypothesen S1 und S1. Sie spricht dann auch gegen T, also die These, dass Hypnotisierte durch suggerierte Illusionen ihre Fähigkeit verlieren, angemessen auf die Realität zu reagieren, und dass der Hypnotiseur auf diese Weise eine ganz besondere Möglichkeit der Verhaltenskontrolle erhält. Naheleigender scheint vielmehr die Annahme zu sein, dass die Induktion hypnotischer Täuschungen nur einen untergeordneten und indirekten Einfluss besitzt. Dies würde auch erklären, warum es ralativ &#8220;egel&#8221; zu sein scheint, ob Illusionen benutzt werden, um vermeintliche Verbrechen moralisch zu rechtfertigen, oder, entgegengesetzt, um harmlose Handlungen wie &#8220;Morde&#8221; aussehen zu lassen: Es scheint letztlich auf die reale und nicht die suggerierte Situation anzukommen, denn es sieht so aus, dass die reale Situation erkennt und auf ihrer Grundlage die Entscheidungen durch den Hypnotisierten getroffen werden.<br />
Dies ist m.E. die deutlich bessere Erklärung für die empirische Datenlage als die alternative These, dass der Hypnotisierte sich entscheidend an der Illusion orientiert, da er die Relaität nicht mehr zu erkennen und in seine Überlegungen mit einzubeziehen vermag.</p>
<p><strong>Regressive Beziehungselemente in der hypnotischen Beziehung</strong></p>
<p>Generell kann Hypnose sicherlich zu einer engeren Beziehung führen; auch kann sie mit regressiven Elementen einhergehn. So kann selbst innerhalb des experimentellen Kontextes das sog. &#8220;archaic involvement&#8221; (Shor) gemssen werden, welches in etwa einem psychoanalytisch gefärbtem Rapport entspricht.  </p>
<p>Andererseits scheinen regressive Tendenzen, soweit sie potentiell &#8220;problematisch&#8221; sind und zu Unterordnung und dem Verlust an Selbständigkeit führen, verstärkt in einem psychoanalytischen Setting aufzutreten, wo sie ohnehin zu erwarten wären, nicht unbedingt außerhalb. </p>
<p>Kihlstrom äußert sich wie folgt, und zwar bezogen auf Lobor wie Klinik:</p>
<p>&#8220;The idea that regressive transference is central even in the laboratory setting will strike most experimenters as quite foreign to their experience. Perhaps some denial is involved here, but I think not much&#8230;<br />
The transference view of hypnosis has been effectively contradicted by J. Hilgard (1970, 1971), based on extensive clinical interviews with college students who have volunteered for hypnosis research. Interviewing a fair sample of highly hypnotizable college students, she found they generally perceived the hypnotist in impersonal terms, and their various experimental hypnotists as interchangeable. The hypnotist is generally viewed as a guide or facilitator, and when he or she takes on the appearance of an authority figure or manipulator, subjects become uncomfortable and hypnosis is likely to grind to a halt. This was as true of experienced hypnotic subjects as it was of novices, and interviews in a therapeutic setting indicated that it was as true of clinical patients as it was of experimental subjects&#8230;. </p>
<p>The tendency of subjects to counter preconceptions about hypnosis in order to conform to the intentions of the hypnotist is taken by Sheehan as an objective index of the subject&#8217;s personal involvement with the hypnotist. Interestingly, it is not highly correlated with hypnotizability. More important in the present context, however, the archaic flavor of the psychoanalytic concept of transference is missing in these studies, just as it is from J. Hilgard&#8217;s interview data. While it is clear that hypnotic subjects have a special relationship with their hypnotist, that relationship is more appropriately characterized by rapport than by transference.&#8221;<br />
<a href="http://ist-socrates.berkeley.edu/~kihlstrm/RepDisHyp.htm" rel="nofollow">http://ist-socrates.berkeley.edu/~kihlstrm/RepDisHyp.htm</a></p>
<p>Bramwell berichtete, dass viele Patienten in der Stadt Goole bereits eine lange Beziehung zu ihm hatten, bevor er mit der Hypnose anfing. Er berichtet weiter, dass seine Patienten (solange er in Goole war) ganz besonders &#8220;tief&#8221; hypnotisiert waren, im Schnitt deutlich mehr als in Nancy. (Als Bramwell dann in einer anderen Stadt praktizierte, waren die Verhältnisse, was die &#8220;Tiefe&#8221; der Hypnose bei seinen Patienten angeht, nach seiner Schilderung dieselben wie in Nancy) Allerdings waren Bramwells besonders tief hypnotisierte Patienten mit dem guten Rapport bei &#8220;verbrecherischen&#8221; Experimenten wohl nicht so gehorsam wie die von Bernheim in Nancy, obwohl dort eine viel kürzere Arzt-Patient-Beziehung bestand. Dies lag vermutlich auch daher, dass Bramwells Patienten aus den selbstbewussteren &#8220;Upper Classes&#8221; kamen, anders als die von Bernheim. Aber auch dann bleibt, dass auch eine klnische Beziehung mit Hypnose nicht notwendigerweise zu stark erhöhtem Gehorsam führt.</p>
<p>In den Experimenten von Coe, Kobayashi und Howard wurde sowohl zu einigen Hypnotisierten wie Nicht-Hypnotisierten eine soziale Beziehung aufgebaut, zu anderen nicht. Zwar führte die soziale Beziehung zu erhöhtem Gehorsam, aber unabhängig vom Vorliegen von Hypnose.</p>
<p>Ein möglicher Einwand wäre, dass bei einer kriminellen Hypnose die Beziehung deutlich länger andauert und auch manipulativer ist. Das ist sicher richtig, aber kann eine entsprechend lange Beziehung mit entsprechenden manipulativen Methoden dann nicht auch ohne Hypnose sehr erfolgreich sein; braucht sie die Hypnose noch? Und wäre die ein wesentlicher Faktor? </p>
<p>Meine These wäre daher: Hypnose mag einen gewissen begünstigenden Einfluss besitzen, indem sie nämlich die Beziehung intensivieren kann; jedoch ist es fraglich, ob dieser begünstigende EInfluss sehr hoch und &#8220;einmalig hypnotisch&#8221; ist, oder ob nicht auch recht leicht ohne Hypnose dieselben Effekte zu erzielen sind.</p>
<p><strong>Zum Rest </strong></p>
<p>Leider bin ich mir nicht sicher, was sie mit der &#8220;ironischen&#8221; Seite des hypnotischen Prozesses genauer meinen. Bei aller gebotenen Vorsicht könnte ich mir jedoch vorstellen, dass analoge Einwände möglich wären wie gerade im Fall der regressiven Beziehungsgestaltung ausgeführt.  </p>
<p>Sehr interessant finde ich übrigens ihre Anmerkung, dass das &#8220;wissende Nichtwissen&#8221; wohl auch außerhalb der Hypnose immer wieder auftritt, aber nicht registriert wird. Können Sie hierzu noch etwas sagen, oder einen literaturhinweis geben, falls es da geeignete Literatur gibt?</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Kommentar zu Hypnose-Verbrechen von Hans Ulrich Gresch</title>
		<link>http://hypnoseverbrecheninfo.wordpress.com/2010/04/07/hypnose-verbrechen/#comment-33</link>
		<dc:creator><![CDATA[Hans Ulrich Gresch]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 17 Jun 2012 18:48:27 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://hypnoseverbrecheninfo.wordpress.com/?p=4#comment-33</guid>
		<description><![CDATA[Sie haben natürlich recht, was den automatischen Bankraub betrifft. Dieser stünde uneingeschränkt in Widerspruch zu dem, was ich sonst schrieb und denke. Also: ein Schreibfehler. Danke für den Hinweis.

Inzwischen habe ich bemerkt, dass sich unsere Positionen offenbar gar nicht so sehr unterscheiden, wie ich ursprünglich dachte. 

Ich wende mich daher Ihrer letzten Frage zu:

1. Es mag zwar zutreffen, dass niemand unter Hypnose zu Handlungen veranlasst werden könne, die seinen moralischen Prinzipien und den von ihm anerkannten Normen der Gesellschaft widersprechen. 

Doch dies schließt die Möglichkeit krimineller Hypnose nicht aus, denn kriminelle Hypnotiseure stellen sich darauf ein. Sie verwenden sehr viel Mühe darauf, die Wertmaßstäbe ihrer Opfer so zu verändern, dass sie den angestrebten Taten nicht mehr im Wege stehen oder die Wahrnehmung der angestrebten Taten so zu manipulieren, dass sie nicht mehr mit den Wertmaßstäben des Hypnotisierten zu konfligieren scheinen. 

So könnte der kriminelle Hypnotiseur seinem Opfer beispielsweise suggerieren, er solle einen Menschen töten, weil er nur so verhindern könne, dass dieser Mensch Frau und Kinder des Hypnotisanden umbringt. 

Dies klingt natürlich etwas simpel gestrickt. Dabei muss man aber bedenken, dass durch Hypnose die Kritikfähigkeit des Hypnotisierten erheblich eingeschränkt sein kann.

2. Die Macht des Hypnotiseurs beruht auf der Identifikation des Hypnotisanden mit ihm. Freud verglich die Hypnose mit der Verliebtheit und der Einstellung des Individuums in einer Masse zu deren Führer. 

Aus meiner Sicht werden in der Hypnose auch Elemente der Mutter-Kind-Beziehung aus frühester Kindheit aktiviert. Das Neugeborene reagiert bereits auf die Stimme der Mutter, wohl auch, weil sie ihm aus dem Mutterleib bereits vertraut ist. 

Die mütterliche Stimme hat für das Kind bereits eine herausgehobene Bedeutung (eine hypnotische Kraft), bevor es zu sprechen gelernt hat und den Sinn ihrer Worte versteht. 

Diese enge Bindung über Stimme und Gehör ähnelt offenkundig der Beziehung zwischen Hypnotiseur und Hypnotisierten.

3. Wenn es dem Hypnotiseur also gelingt, eine sehr enge Beziehung zum Hypnotisanden, eine &quot;hypnotische Verliebtheit&quot; zu erzeugen, dann könnte ein entsprechend empfänglicher Hypnotisierter geneigt sein, seine bisherigen Einstellungen und Wertvorstellungen denen des Hypnotiseurs anzupassen.

4. Es ist auch denkbar, dass es dem Hypnotiseur gelingt, eine dissoziative Beziehung zu seinem Opfer nach dem Muster eines gute-Mutter-böse-Mutter-Schemas (M. Klein: gute Brust - böse Brust) aufzubauen. Der Hypnotisierte würde dann im einen Kontext den Hypnotiseur fürchten und im anderen lieben. Damit kann man sehr effektive Doppelbindungseffekte erzeugen. 

5. Es ist zwar richtig, dass die Wirklichkeit das Handeln des Hypnotisierten entscheidend prägt. Dies ist aber nicht rollenunabhängig. 

Vielmehr gehört es zur Rolle des Hypnotisierten, die Wirklichkeit im Sinne des von mir beschriebenen wissenden Nichtwissens einerseits unverzerrt wahrzunehmen und andererseits nur in der jeweils suggerierten Verzerrung. 

Die Welt des Hypnotisierten ist ebenso wie seine Beziehung zum Hypnotiseur eine zutiefst ironische. Das Romantische daran ist gerade das Faszinierende dabei und dies trägt wesentlich dazu bei, dass der Hypnotisierte bei der Stange bleibt. 

6. Gerade das Spielerische und Ironische des gesamten hypnotischen Prozesses führt bei entsprechend disponierten Personen zu einer gesteigerten Bereitschaft und Fähigkeit, sich von den Konditionierungen ihrer Persönlichkeit zumindest partiell zu distanzieren und dies macht sie offener für sonst undenkbare Grenzüberschreitungen.

Die genannten Punkte könnten dazu führen, dass der Hypnotisierte eine verminderte Macht über sich besitzt, weil er eine verminderte Macht über sich besitzen will. Er verzichtet freiwillig auf seinen freien Willen. Das wissende Nichtwissen wird durch eine selbstgewollte Willenlosigkeit ergänzt. 

Der kriminelle Hypnotiseur muss sein Opfer solange bearbeiten, bis es einige Stunden in diesem  höchst ironischen, höchst romantischen Zustand extremer Dissoziation zu verbleiben vermag. Dann muss er es losschicken, damit es diese Zeit nutzt, um einen Menschen zu töten, eine Bank auszurauben, eine Bombe zu zünden. Kurz: Hier handelt es sich nicht um eine oder einzelne hypnotische Sitzungen, sondern um eine ausgefeilte hypnotische Strategie. Wenn dann der Schleier fällt, ist es für das Opfer zu spät.

Ob das funktioniert? Keine Ahnung. Wir sind alle verführbar. Bis zu einem gewissen Grad.]]></description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Sie haben natürlich recht, was den automatischen Bankraub betrifft. Dieser stünde uneingeschränkt in Widerspruch zu dem, was ich sonst schrieb und denke. Also: ein Schreibfehler. Danke für den Hinweis.</p>
<p>Inzwischen habe ich bemerkt, dass sich unsere Positionen offenbar gar nicht so sehr unterscheiden, wie ich ursprünglich dachte. </p>
<p>Ich wende mich daher Ihrer letzten Frage zu:</p>
<p>1. Es mag zwar zutreffen, dass niemand unter Hypnose zu Handlungen veranlasst werden könne, die seinen moralischen Prinzipien und den von ihm anerkannten Normen der Gesellschaft widersprechen. </p>
<p>Doch dies schließt die Möglichkeit krimineller Hypnose nicht aus, denn kriminelle Hypnotiseure stellen sich darauf ein. Sie verwenden sehr viel Mühe darauf, die Wertmaßstäbe ihrer Opfer so zu verändern, dass sie den angestrebten Taten nicht mehr im Wege stehen oder die Wahrnehmung der angestrebten Taten so zu manipulieren, dass sie nicht mehr mit den Wertmaßstäben des Hypnotisierten zu konfligieren scheinen. </p>
<p>So könnte der kriminelle Hypnotiseur seinem Opfer beispielsweise suggerieren, er solle einen Menschen töten, weil er nur so verhindern könne, dass dieser Mensch Frau und Kinder des Hypnotisanden umbringt. </p>
<p>Dies klingt natürlich etwas simpel gestrickt. Dabei muss man aber bedenken, dass durch Hypnose die Kritikfähigkeit des Hypnotisierten erheblich eingeschränkt sein kann.</p>
<p>2. Die Macht des Hypnotiseurs beruht auf der Identifikation des Hypnotisanden mit ihm. Freud verglich die Hypnose mit der Verliebtheit und der Einstellung des Individuums in einer Masse zu deren Führer. </p>
<p>Aus meiner Sicht werden in der Hypnose auch Elemente der Mutter-Kind-Beziehung aus frühester Kindheit aktiviert. Das Neugeborene reagiert bereits auf die Stimme der Mutter, wohl auch, weil sie ihm aus dem Mutterleib bereits vertraut ist. </p>
<p>Die mütterliche Stimme hat für das Kind bereits eine herausgehobene Bedeutung (eine hypnotische Kraft), bevor es zu sprechen gelernt hat und den Sinn ihrer Worte versteht. </p>
<p>Diese enge Bindung über Stimme und Gehör ähnelt offenkundig der Beziehung zwischen Hypnotiseur und Hypnotisierten.</p>
<p>3. Wenn es dem Hypnotiseur also gelingt, eine sehr enge Beziehung zum Hypnotisanden, eine &#8220;hypnotische Verliebtheit&#8221; zu erzeugen, dann könnte ein entsprechend empfänglicher Hypnotisierter geneigt sein, seine bisherigen Einstellungen und Wertvorstellungen denen des Hypnotiseurs anzupassen.</p>
<p>4. Es ist auch denkbar, dass es dem Hypnotiseur gelingt, eine dissoziative Beziehung zu seinem Opfer nach dem Muster eines gute-Mutter-böse-Mutter-Schemas (M. Klein: gute Brust &#8211; böse Brust) aufzubauen. Der Hypnotisierte würde dann im einen Kontext den Hypnotiseur fürchten und im anderen lieben. Damit kann man sehr effektive Doppelbindungseffekte erzeugen. </p>
<p>5. Es ist zwar richtig, dass die Wirklichkeit das Handeln des Hypnotisierten entscheidend prägt. Dies ist aber nicht rollenunabhängig. </p>
<p>Vielmehr gehört es zur Rolle des Hypnotisierten, die Wirklichkeit im Sinne des von mir beschriebenen wissenden Nichtwissens einerseits unverzerrt wahrzunehmen und andererseits nur in der jeweils suggerierten Verzerrung. </p>
<p>Die Welt des Hypnotisierten ist ebenso wie seine Beziehung zum Hypnotiseur eine zutiefst ironische. Das Romantische daran ist gerade das Faszinierende dabei und dies trägt wesentlich dazu bei, dass der Hypnotisierte bei der Stange bleibt. </p>
<p>6. Gerade das Spielerische und Ironische des gesamten hypnotischen Prozesses führt bei entsprechend disponierten Personen zu einer gesteigerten Bereitschaft und Fähigkeit, sich von den Konditionierungen ihrer Persönlichkeit zumindest partiell zu distanzieren und dies macht sie offener für sonst undenkbare Grenzüberschreitungen.</p>
<p>Die genannten Punkte könnten dazu führen, dass der Hypnotisierte eine verminderte Macht über sich besitzt, weil er eine verminderte Macht über sich besitzen will. Er verzichtet freiwillig auf seinen freien Willen. Das wissende Nichtwissen wird durch eine selbstgewollte Willenlosigkeit ergänzt. </p>
<p>Der kriminelle Hypnotiseur muss sein Opfer solange bearbeiten, bis es einige Stunden in diesem  höchst ironischen, höchst romantischen Zustand extremer Dissoziation zu verbleiben vermag. Dann muss er es losschicken, damit es diese Zeit nutzt, um einen Menschen zu töten, eine Bank auszurauben, eine Bombe zu zünden. Kurz: Hier handelt es sich nicht um eine oder einzelne hypnotische Sitzungen, sondern um eine ausgefeilte hypnotische Strategie. Wenn dann der Schleier fällt, ist es für das Opfer zu spät.</p>
<p>Ob das funktioniert? Keine Ahnung. Wir sind alle verführbar. Bis zu einem gewissen Grad.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Kommentar zu Hypnose-Verbrechen von escatan</title>
		<link>http://hypnoseverbrecheninfo.wordpress.com/2010/04/07/hypnose-verbrechen/#comment-32</link>
		<dc:creator><![CDATA[escatan]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 17 Jun 2012 17:39:34 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://hypnoseverbrecheninfo.wordpress.com/?p=4#comment-32</guid>
		<description><![CDATA[Meinen ganz besonderen und herzlichen Dank für Ihren höchst interessanten und illustrativen Beitrag!

In ganz weiten Teilen bin ich da Ihrer Meinung: Zum einen betrachte ich Hypnose auch wesentlich als &quot;Rolle&quot; (natürlich nicht im Sinne eines bewussten Schauspielerns). 

(Am Rande: Kann es sein, dass Sie sich an einem Punkt verschrieben haben, nämich als Sie sagten, dass ein Beankraub &quot;automatisch&quot; möglich sei? Aufgrund des Kontextes Ihrer Ausführung und der Tatsache, dass so ein Vorhaben viel Spontanität, komplexes Verhalten, Flexibilität, intelligente Entscheidungen in der Situation voraussetzt usw., würde ich vermuten, dass es &quot;nicht automatisch möglich&quot; bedeuten sollte.)

Ihren Beispielen von der doppelten &quot;Wahrnehmung&quot; oder doppelten  &quot;Logik&quot; stimme ich ebenfalls gerne zu und möchte mich für die gute Beschreibung und die wichtigen Erörterungen sehr bedanken.

Bei der Interpretation würde ich persönlich etwas andere Wege gehen, und zwar würde ich nicht bei der Logik, sondern beim Konzept des Bewusstseins ansetzen. Ich würde infragestellen, dass intelligentes Handeln mithilfe exekutiver Kontrolle eine &quot;Bewusstheit&quot; im strengen Sinne voraussetzt. Eher würde ich postulieren, dass unbewusste Prozesse wirksam sein können, die jedoch so intelligent, persönlichkeitsnah und zielgerichtet sind, dass man sie als &quot;quasi-bewusst&quot; bezeichnen könnte. 
Persönlich finde ich deswegen auch Oakleys Ansatz interessant, da dieser Autor Exekutive Kontrolle und Bewusstsein unterscheidet:
http://bscw.rediris.es/pub/bscw.cgi/d4434431/Oakley-Hypnosis_consciousness.pdf

Der Einfachheit wegen könnte man (mit Orne) von &quot;Trancelogik&quot;-Phänomenen sprechen. Eine Unterschiedung zu Phänomenen, die man mit dem dem Schlagwort &quot;hidden observer&quot; bezeichnet, scheint mir hier nicht notwendig. (Der Unterschied ist der, dass bei der Trancelogik &quot;implizit&quot; aus dem Verhalten die Realitätsorienterung erkennbar wird, während beim &quot;hidden observer&quot; unterbewusstes Wissen explizit mitgeteilt/verbalisiert wird.) 

Vor allem würde ich eine &lt;em&gt;Assymetrie&lt;/em&gt; zwischen dem explizit-bewussten und dem implizit-&quot;unterbewussten&quot; Wissen annehmen und betonen wollen. Die &quot;ausschlaggebende&quot; Ebene, die das Verhalten letztlich steuert, ist jene (m.E.) unterbewusste, die den Realitätsbezug behält, die die Wirklichkeit akkurat wahrnimmt. Dies haben Sie sehr schön am Beispiel der negativen Halluzination des Stuhles illustriert: Das Gesamt-Verhalten (wie der Hypnotisierte seinen Weg wählt) wird von der Ebene der akkuraten Wahrenehmung bestimmt; und selbst die negative oder positive Halluzination selbst setzt bereits voraus, dass eine angemessene Wahrnehmung stattfindet.

Vielleicht darf ich noch zwei, drei weitere Beispiele ergänzen, die diesen Punkt noch unterstreichen:
Wenn ein Showhypnotiseur deinem Teilnehmer suggeriert, dass er mit Besen tanzen soll (den er als attraktive Tanzpartnerin halluzinieren soll), dann sieht er zwar tatsächlich eine Frau, mit der er dann tanzt (wenn er gut auf Hypnose reagiert). Zugleich &quot;behandelt&quot; er den Besen aber wie einen Besen und nicht wie einen Menschen: Der Proband umfasst den Schaft so, wie man eine Stange umfasst. Das ist auch notwendig: Würde der Teilnehmer den Besen wie einen Menschen anfassen, wie man das mit einem menschlichen tanzpartner tut, wo würde der besen kaum richtig greifbar sein, und der &quot;Stunt&quot; mit dem Besen-Tanzen würde nicht funktionieren.
 
Der Hypnotisierte muss hier also folgende Aufgaben bewältigen: 

1. Er muss eine akkurate visuelle Wahrnehmung besitzen. 
2. Er muss die Situation akkurat und realistisch einschätzen: Dass er einen Besen und keinen Menschen vor sich hat.
3. Er muss beim &quot;Umgang&quot; mit der der Halluzination sein Wissen und seine Wahrnehmung von der &quot;tatsächlichen&quot; Realität nutzen, um überzeugend auf die Halluzination reagieren zu können - also den Besen richtig anfassen -, im Sinne der erwarteten &quot;Performance&quot;. 
3. Er muss die visuelle Wahrnehmung, das Wissen von der tatsächlichen Situation und seine Überlegungen, die für eine angemessene Reaktion nötig sind, von der bewussten Repräsentation/Ebene abspalten. 
4. Er muss eine Halluzination erzeugen.
  
Was m.E. hier sichtbar wird, ist, dass die Verhaltenskontrolle auf der unterbewussten Ebene mit akkuratem Realitätsbezug stattfindet. Das Verhalten des Hypnotisierten ist nicht an der Halluzination als solcher orientiert, sondern an der realen Situation und an dem Wissen von ihr: Nömlich dass da ein Besen ist, dass der als Mensch wahrgenommen werden soll, und dass mit ihm, soweit das möglich ist, wie mit einem Menschen umgegangen werden soll, und dass es dazu nötig ist, ihn wie einen Besen anzufassen. Das Verhalten muss systematisch und einheitlich geplant und orchestriert werden, und das kann nur auf der unterbewusst-realitätsorientierten Ebene stattfinden, da nur dort die relevanten Informationen präsent sind.

Ein weiteres schönes Beispiel gibt Mallard (Link in einem der früheren kommentare, ich glaube dem ersten):
Probanden halluzinierten ein Kästchen negativ und bekamen dann den Auftrag, ihre Hand dorthin auszustrecken, wo es sich befand. Damit sollte der Konflikt von Suggestion und Realität getestete werden. Diejenigen, die die Halluzination aufrecht erhalten konnten, reagierten gewöhnlich &quot;strategisch&quot;. Ein Probend beispielsweise fasste absichltlich daneben, um das Objekt nicht zu spüren. &lt;em&gt;Er war sich dessen jedoch in diesem Moment nach seiner Aussage darüber gar nicht bewusst&lt;/em&gt;, sondern er realisierte das alles erst später.  

Was hier wieder klar wird (und man könnte noch viele weitere Beispile anführen): Die Verhaltenssequenz wird auf einer Ebene geplant und realisiert, auf der die Situation realistisch wahrgenommen und eingeschätzt wird.

Es gilt allgemein: Das vermeintliche Reagieren auf eine Halluzination (oder ein verwandtes Phänomen) ist in Wahrheit tatsächlich NICHT eine  Reaktion auf die Halluzination, sondern auf die Gesamtsituation, wie sie auf einer übergeordneten, handlungsentscheidenden Ebene realistisch eingeschätzt und beantwortet wird. Dies kommt mir in dieser Klarheit eigentlich erst, während ich es jetzt niederschreibe, obwohl es dem Sinn nach ja nichts Neues ist. Man kann es generalisieren und wie folgt formulieren: 

Die Reaktion auf eine Suggestion ist tatsächlich immer &lt;em&gt;eine Reaktion auf die Gesamtsituation, die realistisch erkannt und eingeschätzt wird&lt;/em&gt;, und zwar vor dem Hintergrund der Wahrnehmung und des Wissens des &quot;Subjekts&quot; im Zusammenspiel mit den impliziten und expliziten Hinweisen und individueell-idiosynkratischen Faktoren. Dies gilt auch für Suggestionen, die Realitätsverzerrungen beinhalten.    
 
Was mir hieraus zu folgen scheint, ist, dass die bewusste Ebene, die eine Halluzination wahrnimmt und an sie glaubt, und diejenige, die die Realität erkennt, nicht in einem symmetrischen Verhältnis stehen. Die &quot;realistische&quot; Ebene ist vielmehr in verschiedenerlei Hinsicht primär bzw. vor- und übergeordnet:

a) Sie weiß all das, was der bewusste &quot;Teil&quot; der Psyche, der der Halluzination folgen nwird, auch weiß, während das Umgekehrte keineswegs gilt.
b) Damit der Proband auf bewusster Ebene einer hypnotischen Täuschung unterliegen kann, muss der unterbewusste, &quot;realitätsorientierte&quot; Teil diese Täuschung generieren, und zwar in einer situationsangemessenen Weise, die eine akkurate Wahrnehmung voraussetzt..
c) Das gesamt-Verhaltens in seiner Art und Sequenz entspricht der realen Situation und ihren Erfordernissen, nicht der halluzinierten Pseudo-Wirklichkeit; daher ist klar, dass der &quot;ralitätsorientierte&quot; Teil eindeutig die Kontrolle ausübt. Die &quot;bewusste&quot; Überzeugung des Probanden, dass sein Verhalten an der vermeintlich realen, in Wahrheit durch den Hypnotiseur suggerierten Pseudo-Realität ausgerichtet ist, ist illusinär. Die halluzinierte Realität beeinflusst zwar das Verhalten, aber nicht &quot;per se&quot;,sondern insofern es Teil der (unterbewusst akkurat beurteilten) Gesamtsituation ist.  

Demnach wäre also der &quot;Part&quot;, der die Wirklichkeit akkurat beurteilt, &quot;hirarchisch&quot; über- und vorgeordnet, und &quot;handlungsentscheidend&quot;. 
Dieser Umstand scheint dürfte auch unabhängig von &quot;Tiefe&quot; der Hypnose oder Training zu bestehen, da er offenbar eine intrinsische und notwendige Eigenschaft des hypnotischen Phänomens als solchem ist, wie es auch an ihren Erörterungen deutlich wird.  

Aber vielleicht ist diese Sprechweise von hirarchischen Ebenen auch etwas irreführend. Vielleicht sollte man eher sagen, dass eine Person als solche die Realität wahrnimmt, für sich aber in gewisser Weise, der Suggestion entsprechend, eine Täuschung erzeugen kann, ohne dass diese Täuschung aber zu &quot;tief gehen&quot; und etwas Entschedendes an der Wirklichkeitserkenntnis der Person ändern würde. Letztlich wäre eine hypnotische Täuschung dann ein Phänomen, das den menschen eher &quot;am Rande&quot; tangiert.

Auch wenn es eigentlich nur am Rande mit diesen Fragen zu tun hat, möchte ich noch ganz kurz eine Beobachtung schildern, weil ich sie interessant finde: Bei einigen Versuchen habe ich Probanden, die eine negative Halluzination hatten (sei es für meine Stimme, sei es für sichtbare Gegenstände), später suggeriert, dass sie unterbewusst die Informationen registriert haben und sich nun an sie erinnern werden. 


In einigen Fällen war die Erinnerung dann wirklich so hergestellt, als hätten die Probanden die Stimuli völlig normal registriert. Manchmal kam es dabei sogar zu der interessanten Reaktion, dass die Probanden im Nachhinein glaubten, dass sie die negativ halluzinierten Gegenstände gar nicht negativ halluziniert, sondern sie in der Situation völlig normal wahrgenommen hatten. (Was ich allerdings definitiv nicht auf &quot;Compliance&quot; in dem Sinne zurückführe, dass die Halluzinationen anfangs nur erlogen waren.)  

In anderen Fällen erinnerten sich Probanden zwar nicht im strengen Sinne, aber sie hatten intuitiv ein akkurates Wissen von allem, was passiert war. Es ist klar, dass dieser ganze Phänomen-Komplex, den Sie so gut dargestellt hatten, rätsehaft ist, und nur mit Mühe eine gute Erklärung zu finden sein mag. (Von welcher Seite aus man das Problem zu lösen versucht, und ob die Erklärungs-Ansätze letztlich koinzidieren, wären weitere Fragen.) 
     

Um allerdings noch einmal auf das ursprüngliche Thema zurückzukommen: Wenn man davon ausggehen würde, dass entsprechende hypnotische Phänomene ohne exekutive Kontrolle, Intelligenz, Motivation usw. funktionieren, dann wäre es naheliegend, dass man diesen Umstand missbrauchen kann, um hypnotische Verbrechen zu induzieren. Das ist klar und liegt auf der Hand.

Wenn jedoch die &quot;Subjekte&quot; bei der Hypnose, und zwar auch beim Realisieren hypnotischer Phänomene, &lt;em&gt;auf der handlungs-entscheidenden Ebene&lt;/em&gt; nicht nur den Realitätsbezug wahren, sondern auch ihre Exekutive Kontrolle besitzen, und somit auch ihre Intelligenz, ihre moralischen Normen, ihre Verhaltenskontrolle usw., wieso sollten dann Hypnose und hypnotische Phänomene - über die psychosozialen Komponenten hinaus -  Verbrechen begünstigen? 

Oder anders gefragt: Wenn jemand (unterbewusst) eine Rolle spielt, aber letztlich die rollen-unabhängige Wirklichkeit sein Handeln stets entscheidend mitprägt, wenn manchmal auch subtil und erst bei genauem Hinsehen erkennbar; und wenn diese Realität für diese person bewusst oder unbewusst verfügbar ist, auf der Ebene exekutiver Kontrolle: Wieso sollte derjenige eine verminderte Macht über sich selbst besitzen?]]></description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Meinen ganz besonderen und herzlichen Dank für Ihren höchst interessanten und illustrativen Beitrag!</p>
<p>In ganz weiten Teilen bin ich da Ihrer Meinung: Zum einen betrachte ich Hypnose auch wesentlich als &#8220;Rolle&#8221; (natürlich nicht im Sinne eines bewussten Schauspielerns). </p>
<p>(Am Rande: Kann es sein, dass Sie sich an einem Punkt verschrieben haben, nämich als Sie sagten, dass ein Beankraub &#8220;automatisch&#8221; möglich sei? Aufgrund des Kontextes Ihrer Ausführung und der Tatsache, dass so ein Vorhaben viel Spontanität, komplexes Verhalten, Flexibilität, intelligente Entscheidungen in der Situation voraussetzt usw., würde ich vermuten, dass es &#8220;nicht automatisch möglich&#8221; bedeuten sollte.)</p>
<p>Ihren Beispielen von der doppelten &#8220;Wahrnehmung&#8221; oder doppelten  &#8220;Logik&#8221; stimme ich ebenfalls gerne zu und möchte mich für die gute Beschreibung und die wichtigen Erörterungen sehr bedanken.</p>
<p>Bei der Interpretation würde ich persönlich etwas andere Wege gehen, und zwar würde ich nicht bei der Logik, sondern beim Konzept des Bewusstseins ansetzen. Ich würde infragestellen, dass intelligentes Handeln mithilfe exekutiver Kontrolle eine &#8220;Bewusstheit&#8221; im strengen Sinne voraussetzt. Eher würde ich postulieren, dass unbewusste Prozesse wirksam sein können, die jedoch so intelligent, persönlichkeitsnah und zielgerichtet sind, dass man sie als &#8220;quasi-bewusst&#8221; bezeichnen könnte.<br />
Persönlich finde ich deswegen auch Oakleys Ansatz interessant, da dieser Autor Exekutive Kontrolle und Bewusstsein unterscheidet:<br />
<a href="http://bscw.rediris.es/pub/bscw.cgi/d4434431/Oakley-Hypnosis_consciousness.pdf" rel="nofollow">http://bscw.rediris.es/pub/bscw.cgi/d4434431/Oakley-Hypnosis_consciousness.pdf</a></p>
<p>Der Einfachheit wegen könnte man (mit Orne) von &#8220;Trancelogik&#8221;-Phänomenen sprechen. Eine Unterschiedung zu Phänomenen, die man mit dem dem Schlagwort &#8220;hidden observer&#8221; bezeichnet, scheint mir hier nicht notwendig. (Der Unterschied ist der, dass bei der Trancelogik &#8220;implizit&#8221; aus dem Verhalten die Realitätsorienterung erkennbar wird, während beim &#8220;hidden observer&#8221; unterbewusstes Wissen explizit mitgeteilt/verbalisiert wird.) </p>
<p>Vor allem würde ich eine <em>Assymetrie</em> zwischen dem explizit-bewussten und dem implizit-&#8221;unterbewussten&#8221; Wissen annehmen und betonen wollen. Die &#8220;ausschlaggebende&#8221; Ebene, die das Verhalten letztlich steuert, ist jene (m.E.) unterbewusste, die den Realitätsbezug behält, die die Wirklichkeit akkurat wahrnimmt. Dies haben Sie sehr schön am Beispiel der negativen Halluzination des Stuhles illustriert: Das Gesamt-Verhalten (wie der Hypnotisierte seinen Weg wählt) wird von der Ebene der akkuraten Wahrenehmung bestimmt; und selbst die negative oder positive Halluzination selbst setzt bereits voraus, dass eine angemessene Wahrnehmung stattfindet.</p>
<p>Vielleicht darf ich noch zwei, drei weitere Beispiele ergänzen, die diesen Punkt noch unterstreichen:<br />
Wenn ein Showhypnotiseur deinem Teilnehmer suggeriert, dass er mit Besen tanzen soll (den er als attraktive Tanzpartnerin halluzinieren soll), dann sieht er zwar tatsächlich eine Frau, mit der er dann tanzt (wenn er gut auf Hypnose reagiert). Zugleich &#8220;behandelt&#8221; er den Besen aber wie einen Besen und nicht wie einen Menschen: Der Proband umfasst den Schaft so, wie man eine Stange umfasst. Das ist auch notwendig: Würde der Teilnehmer den Besen wie einen Menschen anfassen, wie man das mit einem menschlichen tanzpartner tut, wo würde der besen kaum richtig greifbar sein, und der &#8220;Stunt&#8221; mit dem Besen-Tanzen würde nicht funktionieren.</p>
<p>Der Hypnotisierte muss hier also folgende Aufgaben bewältigen: </p>
<p>1. Er muss eine akkurate visuelle Wahrnehmung besitzen.<br />
2. Er muss die Situation akkurat und realistisch einschätzen: Dass er einen Besen und keinen Menschen vor sich hat.<br />
3. Er muss beim &#8220;Umgang&#8221; mit der der Halluzination sein Wissen und seine Wahrnehmung von der &#8220;tatsächlichen&#8221; Realität nutzen, um überzeugend auf die Halluzination reagieren zu können &#8211; also den Besen richtig anfassen -, im Sinne der erwarteten &#8220;Performance&#8221;.<br />
3. Er muss die visuelle Wahrnehmung, das Wissen von der tatsächlichen Situation und seine Überlegungen, die für eine angemessene Reaktion nötig sind, von der bewussten Repräsentation/Ebene abspalten.<br />
4. Er muss eine Halluzination erzeugen.</p>
<p>Was m.E. hier sichtbar wird, ist, dass die Verhaltenskontrolle auf der unterbewussten Ebene mit akkuratem Realitätsbezug stattfindet. Das Verhalten des Hypnotisierten ist nicht an der Halluzination als solcher orientiert, sondern an der realen Situation und an dem Wissen von ihr: Nömlich dass da ein Besen ist, dass der als Mensch wahrgenommen werden soll, und dass mit ihm, soweit das möglich ist, wie mit einem Menschen umgegangen werden soll, und dass es dazu nötig ist, ihn wie einen Besen anzufassen. Das Verhalten muss systematisch und einheitlich geplant und orchestriert werden, und das kann nur auf der unterbewusst-realitätsorientierten Ebene stattfinden, da nur dort die relevanten Informationen präsent sind.</p>
<p>Ein weiteres schönes Beispiel gibt Mallard (Link in einem der früheren kommentare, ich glaube dem ersten):<br />
Probanden halluzinierten ein Kästchen negativ und bekamen dann den Auftrag, ihre Hand dorthin auszustrecken, wo es sich befand. Damit sollte der Konflikt von Suggestion und Realität getestete werden. Diejenigen, die die Halluzination aufrecht erhalten konnten, reagierten gewöhnlich &#8220;strategisch&#8221;. Ein Probend beispielsweise fasste absichltlich daneben, um das Objekt nicht zu spüren. <em>Er war sich dessen jedoch in diesem Moment nach seiner Aussage darüber gar nicht bewusst</em>, sondern er realisierte das alles erst später.  </p>
<p>Was hier wieder klar wird (und man könnte noch viele weitere Beispile anführen): Die Verhaltenssequenz wird auf einer Ebene geplant und realisiert, auf der die Situation realistisch wahrgenommen und eingeschätzt wird.</p>
<p>Es gilt allgemein: Das vermeintliche Reagieren auf eine Halluzination (oder ein verwandtes Phänomen) ist in Wahrheit tatsächlich NICHT eine  Reaktion auf die Halluzination, sondern auf die Gesamtsituation, wie sie auf einer übergeordneten, handlungsentscheidenden Ebene realistisch eingeschätzt und beantwortet wird. Dies kommt mir in dieser Klarheit eigentlich erst, während ich es jetzt niederschreibe, obwohl es dem Sinn nach ja nichts Neues ist. Man kann es generalisieren und wie folgt formulieren: </p>
<p>Die Reaktion auf eine Suggestion ist tatsächlich immer <em>eine Reaktion auf die Gesamtsituation, die realistisch erkannt und eingeschätzt wird</em>, und zwar vor dem Hintergrund der Wahrnehmung und des Wissens des &#8220;Subjekts&#8221; im Zusammenspiel mit den impliziten und expliziten Hinweisen und individueell-idiosynkratischen Faktoren. Dies gilt auch für Suggestionen, die Realitätsverzerrungen beinhalten.    </p>
<p>Was mir hieraus zu folgen scheint, ist, dass die bewusste Ebene, die eine Halluzination wahrnimmt und an sie glaubt, und diejenige, die die Realität erkennt, nicht in einem symmetrischen Verhältnis stehen. Die &#8220;realistische&#8221; Ebene ist vielmehr in verschiedenerlei Hinsicht primär bzw. vor- und übergeordnet:</p>
<p>a) Sie weiß all das, was der bewusste &#8220;Teil&#8221; der Psyche, der der Halluzination folgen nwird, auch weiß, während das Umgekehrte keineswegs gilt.<br />
b) Damit der Proband auf bewusster Ebene einer hypnotischen Täuschung unterliegen kann, muss der unterbewusste, &#8220;realitätsorientierte&#8221; Teil diese Täuschung generieren, und zwar in einer situationsangemessenen Weise, die eine akkurate Wahrnehmung voraussetzt..<br />
c) Das gesamt-Verhaltens in seiner Art und Sequenz entspricht der realen Situation und ihren Erfordernissen, nicht der halluzinierten Pseudo-Wirklichkeit; daher ist klar, dass der &#8220;ralitätsorientierte&#8221; Teil eindeutig die Kontrolle ausübt. Die &#8220;bewusste&#8221; Überzeugung des Probanden, dass sein Verhalten an der vermeintlich realen, in Wahrheit durch den Hypnotiseur suggerierten Pseudo-Realität ausgerichtet ist, ist illusinär. Die halluzinierte Realität beeinflusst zwar das Verhalten, aber nicht &#8220;per se&#8221;,sondern insofern es Teil der (unterbewusst akkurat beurteilten) Gesamtsituation ist.  </p>
<p>Demnach wäre also der &#8220;Part&#8221;, der die Wirklichkeit akkurat beurteilt, &#8220;hirarchisch&#8221; über- und vorgeordnet, und &#8220;handlungsentscheidend&#8221;.<br />
Dieser Umstand scheint dürfte auch unabhängig von &#8220;Tiefe&#8221; der Hypnose oder Training zu bestehen, da er offenbar eine intrinsische und notwendige Eigenschaft des hypnotischen Phänomens als solchem ist, wie es auch an ihren Erörterungen deutlich wird.  </p>
<p>Aber vielleicht ist diese Sprechweise von hirarchischen Ebenen auch etwas irreführend. Vielleicht sollte man eher sagen, dass eine Person als solche die Realität wahrnimmt, für sich aber in gewisser Weise, der Suggestion entsprechend, eine Täuschung erzeugen kann, ohne dass diese Täuschung aber zu &#8220;tief gehen&#8221; und etwas Entschedendes an der Wirklichkeitserkenntnis der Person ändern würde. Letztlich wäre eine hypnotische Täuschung dann ein Phänomen, das den menschen eher &#8220;am Rande&#8221; tangiert.</p>
<p>Auch wenn es eigentlich nur am Rande mit diesen Fragen zu tun hat, möchte ich noch ganz kurz eine Beobachtung schildern, weil ich sie interessant finde: Bei einigen Versuchen habe ich Probanden, die eine negative Halluzination hatten (sei es für meine Stimme, sei es für sichtbare Gegenstände), später suggeriert, dass sie unterbewusst die Informationen registriert haben und sich nun an sie erinnern werden. </p>
<p>In einigen Fällen war die Erinnerung dann wirklich so hergestellt, als hätten die Probanden die Stimuli völlig normal registriert. Manchmal kam es dabei sogar zu der interessanten Reaktion, dass die Probanden im Nachhinein glaubten, dass sie die negativ halluzinierten Gegenstände gar nicht negativ halluziniert, sondern sie in der Situation völlig normal wahrgenommen hatten. (Was ich allerdings definitiv nicht auf &#8220;Compliance&#8221; in dem Sinne zurückführe, dass die Halluzinationen anfangs nur erlogen waren.)  </p>
<p>In anderen Fällen erinnerten sich Probanden zwar nicht im strengen Sinne, aber sie hatten intuitiv ein akkurates Wissen von allem, was passiert war. Es ist klar, dass dieser ganze Phänomen-Komplex, den Sie so gut dargestellt hatten, rätsehaft ist, und nur mit Mühe eine gute Erklärung zu finden sein mag. (Von welcher Seite aus man das Problem zu lösen versucht, und ob die Erklärungs-Ansätze letztlich koinzidieren, wären weitere Fragen.) </p>
<p>Um allerdings noch einmal auf das ursprüngliche Thema zurückzukommen: Wenn man davon ausggehen würde, dass entsprechende hypnotische Phänomene ohne exekutive Kontrolle, Intelligenz, Motivation usw. funktionieren, dann wäre es naheliegend, dass man diesen Umstand missbrauchen kann, um hypnotische Verbrechen zu induzieren. Das ist klar und liegt auf der Hand.</p>
<p>Wenn jedoch die &#8220;Subjekte&#8221; bei der Hypnose, und zwar auch beim Realisieren hypnotischer Phänomene, <em>auf der handlungs-entscheidenden Ebene</em> nicht nur den Realitätsbezug wahren, sondern auch ihre Exekutive Kontrolle besitzen, und somit auch ihre Intelligenz, ihre moralischen Normen, ihre Verhaltenskontrolle usw., wieso sollten dann Hypnose und hypnotische Phänomene &#8211; über die psychosozialen Komponenten hinaus &#8211;  Verbrechen begünstigen? </p>
<p>Oder anders gefragt: Wenn jemand (unterbewusst) eine Rolle spielt, aber letztlich die rollen-unabhängige Wirklichkeit sein Handeln stets entscheidend mitprägt, wenn manchmal auch subtil und erst bei genauem Hinsehen erkennbar; und wenn diese Realität für diese person bewusst oder unbewusst verfügbar ist, auf der Ebene exekutiver Kontrolle: Wieso sollte derjenige eine verminderte Macht über sich selbst besitzen?</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Kommentar zu Hypnose-Verbrechen von Hans Ulrich Gresch</title>
		<link>http://hypnoseverbrecheninfo.wordpress.com/2010/04/07/hypnose-verbrechen/#comment-30</link>
		<dc:creator><![CDATA[Hans Ulrich Gresch]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 17 Jun 2012 07:56:58 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://hypnoseverbrecheninfo.wordpress.com/?p=4#comment-30</guid>
		<description><![CDATA[Auch diesmal werde ich mir, nun mit Ihrem Einverständnis, nur einen Punkt aus Ihrer Replik herausgreifen, wenngleich sie alle es verdienten, beantwortet zu werden.

Auch aus meiner Sicht ist das Verhalten in Hypnose sowie das prä-hypnotische Verhalten während der Induktion und das posthypnotische Verhalten ein Rollenspiel. Der Hypnotisierte verhält sich so, als ob er &quot;hypnotisiert&quot; worden wäre. Wenn er ein guter Hypnotisand ist, dann gleicht er einem Schauspiel, der vollständig von seiner Rolle absorbiert ist und dem nicht mehr bewusst ist, dass er eine Rolle spielt. Subjektiv spielt er dann nicht mehr den Faust, er ist der Faust, bis der Vorhang fällt.

Das hypnotische Verhalten ist demgemäß auch kein automatisches, in dem Sinne, dass an ihm keine exekutive Kontrolle beteiligt wäre - dies anzunehmen wäre ja auch angesichts der Komplexität mancher posthypnotischer Befehle völlig wiedersinnig.

Für den kriminellen Hypnotiseur besteht die Hauptaufgabe darin, dafür zu sorgen, dass sich die Tatsache des Rollenspiels zuverlässig dem Bewusstsein des Hypnotisanden entzieht - sobald dieser auf Befehl aus der Hypnose &quot;aufgewacht&quot; ist und nun darauf wartet, dass sich der Vorhang hebt, damit der seinen posthypnotischen Befehl befolgen, also, um im Bilde zu bleiben, den Faust geben kann.

Dies bedeutet, dass der Hypnotisand die *Absicht* haben muss, dem Hypnotiseur zu gehorchen - zugleich aber muss er auch die *Absicht* haben, genau dies sowie die Tatsache der Hypnose insgesamt zu vergessen. Ohne die Absicht, sich rollenkonform zu verhalten, funktioniert keine Hypnose. Geheimdienstliche oder militärische Bewusstseinskontrolleure erzwingen dieses komplexe System von Absichten vor allem durch Folter. Doch dies ist nicht unser Thema. Hier geht es ja um die Frage, ob man kriminelles Verhalten allein durch Hypnose induzieren könne. 

Ich stimme mit Ihnen überein, dass dies aus den diskutierten Gründen mit letzter Sicherheit im legalen Rahmen experimentell nicht entschieden werden kann. Ihr Einwand aber - ich hoffe, Sie hier richtig verstanden zu haben - gegen die Möglichkeit krimineller Hypnose spräche die Tatsache, dass der hypnotische Zwang kein Automatismus sei, ist aus meiner Sicht nicht zutreffend. Im Gegenteil: Nur wenn der hypnotische Zwang kein Automatismus ist, kommt Hypnotisierung als Mittel zur Induktion kriminellen Verhaltens überhaupt in Frage. Ein Bank beispielsweise kann man &lt;em&gt;nicht&lt;/em&gt; ausrauben auf Basis automatischen Verhaltens, so wie man eine Mücke von der Stirn wischt. [Anmerkung von escatan:Das Wort &quot;nicht&quot; habe ich imletzten Satz im Sinne des Autors ergänzt, denn so war es gemeint: Siehe nachfolgende Beiträge]

Um zu klären, wie die Ausführung posthypnotischer Befehle tatsächlich funktioniert, muss ich mit einem Beispiel etwas weiter ausholen:

Ein Hypnotisand wird in Hypnose versetzt und ihm wird eine hypnotische Blindheit für einen Stuhl suggeriert. Nun wird der Hypnotisierte aufgefordert, sämtliche Gegenstände in einem Bereich des hypnotischen Laboratoriums, in dem sich nun auch der Stuhl befindet, zu benennen.

Die ausreichend hypnotisierbare Versuchsperson wird alle erkennbaren Gegenstände aufzählen, mit Ausnahme des Stuhls.

Nach diesem Test erhält der Hypnotisand den posthypnotischen Befehl, nach dem Aufwachen aus der Hypnose von einem Punkt des Raumes (A) zu einem andern Punkt des Raumes (B) zu gehen - und zwar auf dem kürzesten Wege. Zudem wird eine Amnesie für den Vorgang der Hypnotisierung hervorgerufen. Nun wird er aus der Hypnose aufgeweckt. Er ist aber immer noch &quot;stuhlblind&quot;. Dies ist ihm natürlich nicht bewusst.

Daraufhin wird das zuvor suggerierte Signal gegeben, das die Ausführung des posthypnotischen Befehls auslöst. Der Hypnotiseur berührt beispielsweise wie zufällig seine Nase mit dem linken Zeigefinger und der Hypnotisand setzt sich in Bewegung.

Der experimentellen Anordnung entsprechend, versperrt der Stuhl allerdings den kürzesten Weg zwischen A und B. In aller Regel wird der hypnotisch selektiv Blinde jedoch nicht mit dem Stuhl zusammenstoßen, sondern sich - nicht selten in skurrilen Mustern - um ihn herumbewegen.

Auf Befragen wird er entweder bestreiten, nicht auf direktem Weg von A nach B gegangen zu sein, oder er wird scheinbar vernünftige Gründe für sein Verhalten angeben (Rationalisierung). Erst wenn die Amnesie für die Hypnotisierung wieder aufgehoben wurde, kann die Versuchsperson den Stuhl bewusst wahrnehmen.

Um von A nach B zu gehen und dabei dem Stuhl auszuweichen, ist es logisch zwingend erforderlich, den Stuhl zu sehen. Er muss also bewusst sein. Gleichzeitig aber ist der Versuchsperson nicht bewusst, dass sie den Stuhl bewusst wahrgenommen hat, sobald sie danach befragt wird.

Überdies hatte die Versuchsperson die Absicht, den Befehlen des Hypnotiseurs zu gehorchen, sie handelte diesen Absichten entsprechend, ohne sich dessen infolge der hypnotischen Amnesie bewusst zu sein.

Und schlussendlich hatte die Versuchsperson auch die Absicht, dem Stuhl auszuweichen, sie handelte in Übereinstimmung mit diesem Vorsatz, rationalisiert aber die Gründe ihres Verhaltens den Tatsachen widersprechend.

Phänomene dieser Art könnte man als &quot;wissendes Nichtwissen&quot; bezeichnen. Die Versuchsperson weiß, dass ein Stuhl im Weg steht und sie weiß es zugleich nicht. Dieses &quot;wissende Nichtwissen&quot; ist überaus charakteristisch für hypnotische Prozesse - nicht nur im Bereich der hypnotischen Blindheit.

Das &quot;wissende Nichtwissen&quot; widerspricht offensichtlich der Logik, jedenfalls der klassischen. Möglicherweise sind derartige Phänomene nur auf Basis einer nicht-klassischen, einer polykontexturalen Logik (im Sinne Gotthardt Günthers) zu verstehen.

Aus dieser Sicht würde das Bewusstsein durch Hypnotisierung in mehrere Kontexte (mindestens zwei) zerfallen, die in sich der klassischen Logik gehorchen, ihr untereinander aber widersprechen.

In oben beschriebenen Fall gäbe es also u. a. folgende Kontexte des Bewusstseins:

    Kontext 1: Von A nach B gehen, Stuhl sehen, dem Stuhl ausweichen
    Kontext 2: Von A nach B gehen, den Stuhl nicht sehen, Kursabweichung ggf. vermerken, aber nicht reflektieren.

Beide Kontexte sind während des Handlungsvollzugs, trotz ihrer Widersprüchlichkeit, aktiv; das Bewusstsein ist dissoziiert. Hebt nun der Hypnotiseur die Amnesie des Hypnotisierten für die Hypnose auf, dann tritt die Erinnerung an Kontext 1 hervor und dominiert wieder das Bewusstsein, wie es bei einem Nicht-Hypnotisierten in dieser Situation der Fall wäre.

Aus meiner Sicht gibt es &quot;nichtwissendes Wissen&quot; nicht nur bei Hypnotisierten, sondern es handelt sich dabei um ein ziemlich alltägliches Phänomen, das sich aber nur zu leicht der Reflexion entzieht, denn im Fokus unserer Aufmerksamkeit kann immer nur ein Bewusstseinskontext stehen. Dadurch entsteht die Illusion eines einheitlichen Ichs.

Die hypnotische Blindheit wird auch als negative Halluzination bezeichnet. Bei der positiven Halluzination sieht man etwas, was nicht vorhanden ist; bei der negativen ist es umgekehrt.

Negative Halluzinationen setzen aber positive Halluzinationen voraus. Im vorliegenden Fall muss der Hypnotisand beispielsweise alle Bereiche des Hintergrunds, die vom Stuhl verdeckt werden, halluzinieren.

Steht der Stuhl beispielsweise - sagen wir - auf einem Teppich mit einem eingewobenen Kamel, so muss der Hypnotisierte jene Teile des Kamels, die sich unsichtbar unter der Sitzfläche des Stuhls befinden, halluzinieren.

Damit er aber weiß, was er zu halluzinieren hat, was also vom Stuhl verdeckt wurde, muss er den Stuhl gesehen haben.

Pointiert formuliert: Um eine hypnotische Blindheit für einen Stuhl zu entwickeln, muss man den Stuhl sehen. Man muss den Stuhl sehen, um ihn nicht zu sehen. Welcher Teil dieses Phänomens ist denn da bewusst, welcher nicht?

Nehmen wir an, jemand erhält den posthypnotischen Befehl, nach dem Aufwachen aus der Hypnose in die Hände zu klatschen, sobald der Hypnotiseur &quot;Auf Wiedersehen&quot; sagt. Er wird für diesen Befehl amnestisch gemacht.

Der Hypnotiseur sagt: &quot;Auf Wiedersehen&quot; und der Hypnotisierte klatscht in die Hände. Einerseits hatte der Hypnotisierte, weil amnestisch, nicht die bewusste Absicht, in die Hände zu klatschen, weil der Hypnotiseur &quot;Auf Wiedersehen&quot; sagte.

Wäre ihm aber nicht bewusst gewesen, dass &quot;Auf Wiedersehen&quot; das vereinbarte Signal dafür war, in die Hände zu klatschen, dann hätte der Hypnotisierte nicht in die Hände geklatscht.

Die konditionierte, gleichsam automatisierte Reaktion auf &quot;Auf Wiedersehen&quot; ist nämlich ebenfalls &quot;Auf Wiedersehen&quot;.

In die Hände zu klatschen, ist in diesem Falle ein Durchbrechen einer automatischen Reaktion und genau dies ist ein Charakteristikum bewussten Handelns. Auch hier die Frage: Welcher Teil ist bewusst?

Es ist erlernt, einem Hindernis auszuweichen, sofern man es sieht. Sieht man es nicht, stolpert man darüber oder rasselt dagegen.

Wie ich oben bereits schrieb, setzt die hypnotische Blindheit eine negative Halluzination voraus. Man muss Dinge halluzinieren, die durch den Gegenstand verdeckt werden, für den man durch einen hypnotischen Befehl blind wurde.

Wie bereits hervorgehoben: Man muss den Gegenstand gesehen haben, um ihn nicht zu sehen.

Weil das so ist, kann man ihm auch ausweichen. Weicht man ihm aber aus, so ist das immer bewusst, auch wenn man darüber nicht nachdenken muss. Ausweichen kann man nämlich nur Gegenständen, deren Lage man verortet. Man muss seinen Abstand zum Gegenstand, dem ausgewichen werden soll, im Handlungsverlauf immer wieder neu bestimmen. So etwas nennt man in den Neuro-Wissenschaften &quot;executive control&quot; und &quot;executive control&quot; ist ein Merkmal von Bewusstheit.

Man denke noch einmal an das Phänomen der hypnotischen Blindheit und an die Tatsache, dass der Hypnotisierte den Gegenstand sehen muss, um ihn nicht zu sehen. Sehen und Nicht-Sehen sind hier funktionell unentwirrbar miteinander verschränkt, weil die negative Halluzination eine positive Halluzination erfordert, der perfekt auf erstere abgestimmt ist. Und das lässt sich im Rahmen der klassischen Logik eben nicht modellieren.

Ein Experiment: Der Versuchsperson wird eine Liste mit Wörtern vorgelegt. Sie wird aufgefordert, diese Liste auswendig zu lernen. Eines dieser Wörter beginnt mit einem X, sagen wir: Xanten. Nun wird eine selektive Amnesie für alle Wörter erzeugt, die mit X beginnen.

Bei derartigen Experimenten können gut hypnotisierbare Versuchspersonen, die sonst fehlerfrei die gesamte Liste erinnern, das Wort &quot;Xanten&quot; nicht reproduzieren. Nicht selten liegt es ihnen aber auf der Zunge. Es kommt ihnen so vor, als kennten sie es, als wüssten sie es, als hätten sie es gleich, Augenblick noch... Nichts ist. Wissendes Nichtwissen. 

Wissendes Nichtwissen ist der Schlüssel zum Verständnis des hypnotischen Zwangs. In einem Bewusstseinskontext weiß der Hypnotisierte, dass er dem Befehl des Hypnotiseurs gehorchen will. Er hat diese Absicht. Und in einem anderen, gleichzeitig aktiven Bewusstseinskontext weiß er es nicht. Daher erscheint sein Verhalten zwanghaft. Daher wird er eine Pseudo-Erklärung, eine Rationalisierung für sein posthypnotisches Verhalten angeben.

Die Hürde, die zu nehmen ist, um dieses Phänomen zu verstehen, besteht darin, die Illusion eines integralen Ichs aufzugeben. 

Die Hürde muss man meines Erachtens auch nehmen, wenn man die Zwangsstörung verstehen will. Der Zwangsgestörte will sich beispielsweise die Hände waschen, immer und immer wieder will er dies, und er will es zugleich nicht, kann sich aber nicht bezwingen, dies zu unterlassen. Er weiß nämlich in einem Bewusstseinskontext nicht, warum er sich die Hände waschen will, wohingegen ihn im anderen Bewusstseinskontext dieses Wissen gerade zu seiner Handlung antreibt. Der wissende Bewusstseinskontext sorgt für das beständig wiederholte Händewaschen, wohingegen der nicht-wissende Bewusstseinskontext für den beständig wiederholten Besuch beim Psychotherapeuten verantwortlich zeichnet.

Ich betone also noch einmal mit besonderem Nachdruck: Die Möglichkeit krimineller Hypnose steht nicht im Widerspruch dazu, dass die Hypnose ein Rollenspiel und der hypnotische Zwang kein Automatismus ist. Im Gegenteil: Der kriminelle Hypnotiseur wird versuchen, dieses dissoziative Rollenspiel zu konditionieren und im Hypnotisanden die Bereitschaft einzupflanzen, die Befehle des Hypnotiseurs zu befolgen, einschließlich des Befehls, sich nach dem &quot;Aufwachen&quot; nicht mehr an die Hypnose erinnern zu können.]]></description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Auch diesmal werde ich mir, nun mit Ihrem Einverständnis, nur einen Punkt aus Ihrer Replik herausgreifen, wenngleich sie alle es verdienten, beantwortet zu werden.</p>
<p>Auch aus meiner Sicht ist das Verhalten in Hypnose sowie das prä-hypnotische Verhalten während der Induktion und das posthypnotische Verhalten ein Rollenspiel. Der Hypnotisierte verhält sich so, als ob er &#8220;hypnotisiert&#8221; worden wäre. Wenn er ein guter Hypnotisand ist, dann gleicht er einem Schauspiel, der vollständig von seiner Rolle absorbiert ist und dem nicht mehr bewusst ist, dass er eine Rolle spielt. Subjektiv spielt er dann nicht mehr den Faust, er ist der Faust, bis der Vorhang fällt.</p>
<p>Das hypnotische Verhalten ist demgemäß auch kein automatisches, in dem Sinne, dass an ihm keine exekutive Kontrolle beteiligt wäre &#8211; dies anzunehmen wäre ja auch angesichts der Komplexität mancher posthypnotischer Befehle völlig wiedersinnig.</p>
<p>Für den kriminellen Hypnotiseur besteht die Hauptaufgabe darin, dafür zu sorgen, dass sich die Tatsache des Rollenspiels zuverlässig dem Bewusstsein des Hypnotisanden entzieht &#8211; sobald dieser auf Befehl aus der Hypnose &#8220;aufgewacht&#8221; ist und nun darauf wartet, dass sich der Vorhang hebt, damit der seinen posthypnotischen Befehl befolgen, also, um im Bilde zu bleiben, den Faust geben kann.</p>
<p>Dies bedeutet, dass der Hypnotisand die *Absicht* haben muss, dem Hypnotiseur zu gehorchen &#8211; zugleich aber muss er auch die *Absicht* haben, genau dies sowie die Tatsache der Hypnose insgesamt zu vergessen. Ohne die Absicht, sich rollenkonform zu verhalten, funktioniert keine Hypnose. Geheimdienstliche oder militärische Bewusstseinskontrolleure erzwingen dieses komplexe System von Absichten vor allem durch Folter. Doch dies ist nicht unser Thema. Hier geht es ja um die Frage, ob man kriminelles Verhalten allein durch Hypnose induzieren könne. </p>
<p>Ich stimme mit Ihnen überein, dass dies aus den diskutierten Gründen mit letzter Sicherheit im legalen Rahmen experimentell nicht entschieden werden kann. Ihr Einwand aber &#8211; ich hoffe, Sie hier richtig verstanden zu haben &#8211; gegen die Möglichkeit krimineller Hypnose spräche die Tatsache, dass der hypnotische Zwang kein Automatismus sei, ist aus meiner Sicht nicht zutreffend. Im Gegenteil: Nur wenn der hypnotische Zwang kein Automatismus ist, kommt Hypnotisierung als Mittel zur Induktion kriminellen Verhaltens überhaupt in Frage. Ein Bank beispielsweise kann man <em>nicht</em> ausrauben auf Basis automatischen Verhaltens, so wie man eine Mücke von der Stirn wischt. [Anmerkung von escatan:Das Wort "nicht" habe ich imletzten Satz im Sinne des Autors ergänzt, denn so war es gemeint: Siehe nachfolgende Beiträge]</p>
<p>Um zu klären, wie die Ausführung posthypnotischer Befehle tatsächlich funktioniert, muss ich mit einem Beispiel etwas weiter ausholen:</p>
<p>Ein Hypnotisand wird in Hypnose versetzt und ihm wird eine hypnotische Blindheit für einen Stuhl suggeriert. Nun wird der Hypnotisierte aufgefordert, sämtliche Gegenstände in einem Bereich des hypnotischen Laboratoriums, in dem sich nun auch der Stuhl befindet, zu benennen.</p>
<p>Die ausreichend hypnotisierbare Versuchsperson wird alle erkennbaren Gegenstände aufzählen, mit Ausnahme des Stuhls.</p>
<p>Nach diesem Test erhält der Hypnotisand den posthypnotischen Befehl, nach dem Aufwachen aus der Hypnose von einem Punkt des Raumes (A) zu einem andern Punkt des Raumes (B) zu gehen &#8211; und zwar auf dem kürzesten Wege. Zudem wird eine Amnesie für den Vorgang der Hypnotisierung hervorgerufen. Nun wird er aus der Hypnose aufgeweckt. Er ist aber immer noch &#8220;stuhlblind&#8221;. Dies ist ihm natürlich nicht bewusst.</p>
<p>Daraufhin wird das zuvor suggerierte Signal gegeben, das die Ausführung des posthypnotischen Befehls auslöst. Der Hypnotiseur berührt beispielsweise wie zufällig seine Nase mit dem linken Zeigefinger und der Hypnotisand setzt sich in Bewegung.</p>
<p>Der experimentellen Anordnung entsprechend, versperrt der Stuhl allerdings den kürzesten Weg zwischen A und B. In aller Regel wird der hypnotisch selektiv Blinde jedoch nicht mit dem Stuhl zusammenstoßen, sondern sich &#8211; nicht selten in skurrilen Mustern &#8211; um ihn herumbewegen.</p>
<p>Auf Befragen wird er entweder bestreiten, nicht auf direktem Weg von A nach B gegangen zu sein, oder er wird scheinbar vernünftige Gründe für sein Verhalten angeben (Rationalisierung). Erst wenn die Amnesie für die Hypnotisierung wieder aufgehoben wurde, kann die Versuchsperson den Stuhl bewusst wahrnehmen.</p>
<p>Um von A nach B zu gehen und dabei dem Stuhl auszuweichen, ist es logisch zwingend erforderlich, den Stuhl zu sehen. Er muss also bewusst sein. Gleichzeitig aber ist der Versuchsperson nicht bewusst, dass sie den Stuhl bewusst wahrgenommen hat, sobald sie danach befragt wird.</p>
<p>Überdies hatte die Versuchsperson die Absicht, den Befehlen des Hypnotiseurs zu gehorchen, sie handelte diesen Absichten entsprechend, ohne sich dessen infolge der hypnotischen Amnesie bewusst zu sein.</p>
<p>Und schlussendlich hatte die Versuchsperson auch die Absicht, dem Stuhl auszuweichen, sie handelte in Übereinstimmung mit diesem Vorsatz, rationalisiert aber die Gründe ihres Verhaltens den Tatsachen widersprechend.</p>
<p>Phänomene dieser Art könnte man als &#8220;wissendes Nichtwissen&#8221; bezeichnen. Die Versuchsperson weiß, dass ein Stuhl im Weg steht und sie weiß es zugleich nicht. Dieses &#8220;wissende Nichtwissen&#8221; ist überaus charakteristisch für hypnotische Prozesse &#8211; nicht nur im Bereich der hypnotischen Blindheit.</p>
<p>Das &#8220;wissende Nichtwissen&#8221; widerspricht offensichtlich der Logik, jedenfalls der klassischen. Möglicherweise sind derartige Phänomene nur auf Basis einer nicht-klassischen, einer polykontexturalen Logik (im Sinne Gotthardt Günthers) zu verstehen.</p>
<p>Aus dieser Sicht würde das Bewusstsein durch Hypnotisierung in mehrere Kontexte (mindestens zwei) zerfallen, die in sich der klassischen Logik gehorchen, ihr untereinander aber widersprechen.</p>
<p>In oben beschriebenen Fall gäbe es also u. a. folgende Kontexte des Bewusstseins:</p>
<p>    Kontext 1: Von A nach B gehen, Stuhl sehen, dem Stuhl ausweichen<br />
    Kontext 2: Von A nach B gehen, den Stuhl nicht sehen, Kursabweichung ggf. vermerken, aber nicht reflektieren.</p>
<p>Beide Kontexte sind während des Handlungsvollzugs, trotz ihrer Widersprüchlichkeit, aktiv; das Bewusstsein ist dissoziiert. Hebt nun der Hypnotiseur die Amnesie des Hypnotisierten für die Hypnose auf, dann tritt die Erinnerung an Kontext 1 hervor und dominiert wieder das Bewusstsein, wie es bei einem Nicht-Hypnotisierten in dieser Situation der Fall wäre.</p>
<p>Aus meiner Sicht gibt es &#8220;nichtwissendes Wissen&#8221; nicht nur bei Hypnotisierten, sondern es handelt sich dabei um ein ziemlich alltägliches Phänomen, das sich aber nur zu leicht der Reflexion entzieht, denn im Fokus unserer Aufmerksamkeit kann immer nur ein Bewusstseinskontext stehen. Dadurch entsteht die Illusion eines einheitlichen Ichs.</p>
<p>Die hypnotische Blindheit wird auch als negative Halluzination bezeichnet. Bei der positiven Halluzination sieht man etwas, was nicht vorhanden ist; bei der negativen ist es umgekehrt.</p>
<p>Negative Halluzinationen setzen aber positive Halluzinationen voraus. Im vorliegenden Fall muss der Hypnotisand beispielsweise alle Bereiche des Hintergrunds, die vom Stuhl verdeckt werden, halluzinieren.</p>
<p>Steht der Stuhl beispielsweise &#8211; sagen wir &#8211; auf einem Teppich mit einem eingewobenen Kamel, so muss der Hypnotisierte jene Teile des Kamels, die sich unsichtbar unter der Sitzfläche des Stuhls befinden, halluzinieren.</p>
<p>Damit er aber weiß, was er zu halluzinieren hat, was also vom Stuhl verdeckt wurde, muss er den Stuhl gesehen haben.</p>
<p>Pointiert formuliert: Um eine hypnotische Blindheit für einen Stuhl zu entwickeln, muss man den Stuhl sehen. Man muss den Stuhl sehen, um ihn nicht zu sehen. Welcher Teil dieses Phänomens ist denn da bewusst, welcher nicht?</p>
<p>Nehmen wir an, jemand erhält den posthypnotischen Befehl, nach dem Aufwachen aus der Hypnose in die Hände zu klatschen, sobald der Hypnotiseur &#8220;Auf Wiedersehen&#8221; sagt. Er wird für diesen Befehl amnestisch gemacht.</p>
<p>Der Hypnotiseur sagt: &#8220;Auf Wiedersehen&#8221; und der Hypnotisierte klatscht in die Hände. Einerseits hatte der Hypnotisierte, weil amnestisch, nicht die bewusste Absicht, in die Hände zu klatschen, weil der Hypnotiseur &#8220;Auf Wiedersehen&#8221; sagte.</p>
<p>Wäre ihm aber nicht bewusst gewesen, dass &#8220;Auf Wiedersehen&#8221; das vereinbarte Signal dafür war, in die Hände zu klatschen, dann hätte der Hypnotisierte nicht in die Hände geklatscht.</p>
<p>Die konditionierte, gleichsam automatisierte Reaktion auf &#8220;Auf Wiedersehen&#8221; ist nämlich ebenfalls &#8220;Auf Wiedersehen&#8221;.</p>
<p>In die Hände zu klatschen, ist in diesem Falle ein Durchbrechen einer automatischen Reaktion und genau dies ist ein Charakteristikum bewussten Handelns. Auch hier die Frage: Welcher Teil ist bewusst?</p>
<p>Es ist erlernt, einem Hindernis auszuweichen, sofern man es sieht. Sieht man es nicht, stolpert man darüber oder rasselt dagegen.</p>
<p>Wie ich oben bereits schrieb, setzt die hypnotische Blindheit eine negative Halluzination voraus. Man muss Dinge halluzinieren, die durch den Gegenstand verdeckt werden, für den man durch einen hypnotischen Befehl blind wurde.</p>
<p>Wie bereits hervorgehoben: Man muss den Gegenstand gesehen haben, um ihn nicht zu sehen.</p>
<p>Weil das so ist, kann man ihm auch ausweichen. Weicht man ihm aber aus, so ist das immer bewusst, auch wenn man darüber nicht nachdenken muss. Ausweichen kann man nämlich nur Gegenständen, deren Lage man verortet. Man muss seinen Abstand zum Gegenstand, dem ausgewichen werden soll, im Handlungsverlauf immer wieder neu bestimmen. So etwas nennt man in den Neuro-Wissenschaften &#8220;executive control&#8221; und &#8220;executive control&#8221; ist ein Merkmal von Bewusstheit.</p>
<p>Man denke noch einmal an das Phänomen der hypnotischen Blindheit und an die Tatsache, dass der Hypnotisierte den Gegenstand sehen muss, um ihn nicht zu sehen. Sehen und Nicht-Sehen sind hier funktionell unentwirrbar miteinander verschränkt, weil die negative Halluzination eine positive Halluzination erfordert, der perfekt auf erstere abgestimmt ist. Und das lässt sich im Rahmen der klassischen Logik eben nicht modellieren.</p>
<p>Ein Experiment: Der Versuchsperson wird eine Liste mit Wörtern vorgelegt. Sie wird aufgefordert, diese Liste auswendig zu lernen. Eines dieser Wörter beginnt mit einem X, sagen wir: Xanten. Nun wird eine selektive Amnesie für alle Wörter erzeugt, die mit X beginnen.</p>
<p>Bei derartigen Experimenten können gut hypnotisierbare Versuchspersonen, die sonst fehlerfrei die gesamte Liste erinnern, das Wort &#8220;Xanten&#8221; nicht reproduzieren. Nicht selten liegt es ihnen aber auf der Zunge. Es kommt ihnen so vor, als kennten sie es, als wüssten sie es, als hätten sie es gleich, Augenblick noch&#8230; Nichts ist. Wissendes Nichtwissen. </p>
<p>Wissendes Nichtwissen ist der Schlüssel zum Verständnis des hypnotischen Zwangs. In einem Bewusstseinskontext weiß der Hypnotisierte, dass er dem Befehl des Hypnotiseurs gehorchen will. Er hat diese Absicht. Und in einem anderen, gleichzeitig aktiven Bewusstseinskontext weiß er es nicht. Daher erscheint sein Verhalten zwanghaft. Daher wird er eine Pseudo-Erklärung, eine Rationalisierung für sein posthypnotisches Verhalten angeben.</p>
<p>Die Hürde, die zu nehmen ist, um dieses Phänomen zu verstehen, besteht darin, die Illusion eines integralen Ichs aufzugeben. </p>
<p>Die Hürde muss man meines Erachtens auch nehmen, wenn man die Zwangsstörung verstehen will. Der Zwangsgestörte will sich beispielsweise die Hände waschen, immer und immer wieder will er dies, und er will es zugleich nicht, kann sich aber nicht bezwingen, dies zu unterlassen. Er weiß nämlich in einem Bewusstseinskontext nicht, warum er sich die Hände waschen will, wohingegen ihn im anderen Bewusstseinskontext dieses Wissen gerade zu seiner Handlung antreibt. Der wissende Bewusstseinskontext sorgt für das beständig wiederholte Händewaschen, wohingegen der nicht-wissende Bewusstseinskontext für den beständig wiederholten Besuch beim Psychotherapeuten verantwortlich zeichnet.</p>
<p>Ich betone also noch einmal mit besonderem Nachdruck: Die Möglichkeit krimineller Hypnose steht nicht im Widerspruch dazu, dass die Hypnose ein Rollenspiel und der hypnotische Zwang kein Automatismus ist. Im Gegenteil: Der kriminelle Hypnotiseur wird versuchen, dieses dissoziative Rollenspiel zu konditionieren und im Hypnotisanden die Bereitschaft einzupflanzen, die Befehle des Hypnotiseurs zu befolgen, einschließlich des Befehls, sich nach dem &#8220;Aufwachen&#8221; nicht mehr an die Hypnose erinnern zu können.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Kommentar zu Hypnose-Verbrechen von escatan</title>
		<link>http://hypnoseverbrecheninfo.wordpress.com/2010/04/07/hypnose-verbrechen/#comment-29</link>
		<dc:creator><![CDATA[escatan]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 16 Jun 2012 20:34:06 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://hypnoseverbrecheninfo.wordpress.com/?p=4#comment-29</guid>
		<description><![CDATA[Herzlichen Dank wieder für Ihre Kommentare und reflektieren Ausführungen! Selbstverständlich habe ich kein Problem, wenn Sie sich in der Antwort auf besonders wichtige Aspekte konzentrieren.

Die von Ihnen beschriebene Vorgehensweise ist natürlich technisch raffiniert und in hohem Maße elaboriert. Ich möchte nun auf die empirische und dann auf die theoretische Situation, wie sie sich mir darstellt, eingehen. 

&lt;strong&gt;Der empirische Zugang: 1. Ein (nicht-existentes) Experiment &lt;/strong&gt;

Bei dem von Ihnen skizzierten Vorgehen spielt eine große Anzahl von Variablen eine Rolle, und zwar verschiedene nicht-hypnotische wie auch hypnotische Faktoren. Zu den non-hypnotischen gehören (ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit):

Psychische Schwäche des Opfers, seine Persönlichkeitsstruktur, schwere traumatische Vorbelastung, Befridigung seiner Bedürfnisse, intensive lange soziale Beziehung, die auf Dominanz und Verhaltenskontrolle ausgerichtet ist, Konditionierung im allgemeinen Sinne, Erzeugen von Abhängigkeit, soziale Isolation des Opfers, Persönlichkeit des Täters, seine Willenskraft, sein Einfühlungsvermögen, seine Dominanz, und all jene Faktoren, wie sie auch unabhängig von Hypnose bei massiver Manipulation (etwa bei Sekten) eine Rolle spielen. 

Verschiedene hypnotische Faktoren haben Sie ja bereits angesprochen, etwa Einfluss poythpnotischer Zwänge, Einfluss hypnotisch induzierter Vorstellungen, Amnesie, illusionären Verfremdungen der Realität, hypnotisch induzierten Angstgefühle, multiple Identitäten usw. 

Um zu einer Beantwortung der Frage zu kommen, ob mit Hypnose hier mehr Schaden möglich ist als ohne, ist es m.E. nicht so wichtig, die einzelnen hypnotischen Variablen zu isolieren und zu kontrollieren, denn über welche Mechanismen die Hypnose genau wirkt, ist ja zweitrangig, &lt;em&gt;soweit&lt;/em&gt; sie nur wirkt.

Wichtig aber wäre es durchaus, die non-hypnotischen Variablen zu kontrollieren. Denn diese allein sind ja bereits bei einigen Menschen ausreichend, um ein sehr hohes Maß psychischer Abhängigkeit zu erzeugen, insbesondere vielleicht auch bei Menschen, die bereits labil und traumatisiert sind.

Was man im Grunde bräuchte, und was Sie anklingen lassen, wären Experimente, die nicht nur ethisch undurchführbar sind, sondern auch methodisch sehr komplex: Man müsste geeignete Menschen in randmomisierter Weise intensiver Manipulation aussetzen, die eine Gruppe mit Hypnose, die andere ohne Hypnose, und dabei all die vielen Bedingungen so gut es geht konstant halten:

Gleichermaßen vulnerable Menschen müssten durch gleichermaßen überzeugte, dominante, geschickte und von ihrer Sache überzeugte Experimentatoren, über denselben Zeitraum massiv beeinflusst werden, wobei das das Erzeugen einer möglchst großen psychische Abhängigkeit intendiert sein müsste, und das Schaffen von Unterordnung und Gehorsam.   
 
Bei der hypnotischen Gruppe kämen (u.a.) Hypnose und verschiedene hypnotische Strategien zum Einsatz, im anderen Fall nicht; dafür würde man eventuell eine möglichst gute Substitution durch nicht-hypnotische Manipulations-Formen suchen müssen.

Am Ende wären dann bei beiden Gruppen &quot;extreme&quot; Gehorsams-Tests durchzuführen, und entsprechende postexperimentelle Interviews müssten durchgeführt werden. Dass das alles ethisch nicht vertretbar ist, ist klar.  

Ich gebe Ihnen insoweit recht, dass die These von der besonderen Macht der Hypnose unter Extrembedingungen ohne ein entsprechendes sorgfältiges Experiment nicht direkt prüfbar ist, und somit auch nicht als empirisch widerlegt angesehen werden kann. Allerdings würde ich sagen, dass, soweit empirische Gesichtspunkte berührt sind, die &quot;Beweislast&quot; auf Seiten derjenigen liegt, die eine besondere Gefährlichkeitder Hypnose postulieren. Allerdings können natürlich auch theoretische Argumente überzeugen; dazu jedoch später mehr.  

&lt;strong&gt;Der empirischen Zugang: 2. Das &quot;reale Leben&quot;&lt;/strong&gt;

Davor aber nochmals ein Blick auf das &quot;raele Leben&quot;: 

Um ein noch (raltiv) harmloses Beispiel anzuführen, das mir aber gerade durch den Kopf geht: Vor einiger Zeit hatte ich eine Reportage gesehen, bei der ein Mann vorgestellt wurde, der sich &quot;freiwillig&quot; von seiner Frau über einen längeren Zeitraum dermaßen hatte schlagen und misshandeln lassen, dass er ob der ihm beigebrachten Verletzungen sogar erblindete. (Häusliche Gewalt mit dem Mann als Opfer gibt es ja auch.) Wäre hier Hypnose im Spiel gewesen, was nach aller Wachrscheinlichkeit nicht der Fall war, so würde man diesen Umstand vermutlich sofort wenigstens als gutes Indiz für die Gefährlichkeit der Hypnose werten (intuitiv plausibel, aber methodisch falsch).     

Die Problematik ist hier letztlich wieder die Herausarbeitung der relevanten Faktoren: Auch wenn es einige Fälle gibt, bei denen Menschen durch Verfahren mit Hypnose, wie Sie sie beschreiben, in psychologische Abhängigkeit gebracht wurden, dann wissen wir letztlich nicht, welche Rolle Hypnose dabei gespielt hat. Wie schon gesagt: Gäbe es &quot;ohne Hypnose&quot; so gut wie keine Fälle von starker Abhängigkeit und Manipulation, mit der Hypnose aber viele - was jedoch beides nicht der Fall ist -, dann könnte man mit ziemlicher Sicherheit schließen, dass Hypnose ein wesentlicher Faktor für extreme Manipulation ist. 

Es dürfte zudem wohl kaum irgendeine Form der psychischen Abhängigkeit und Willfährigkeit geben, die zu ausgeprägt wäre, als dass es nicht erschreckend viele Beispiele für sie gäbe, und zwar auch ganz ohne Hypnose. Dies bedeutet methodisch aber auch, dass Fälle, bei denen Hypnose zur Manipulation eingesetzt wurde, womöglich auch ohne Hypnose erklärbar sind.

Und wenn wir uns manche Sekten ansehen, mit kollektiven Selbstmorden und dem bedingungslosen Festhalten am Guru auch noch an Jahren, dann liegt der Schluss nahe, dass massiver Gehorsam und extreme Manipulation unter geeigneten Bedingungen viel leichter zu erreichen sind, als man es sich wünschen kann. 

Was hieraus m.E. folgt ist dies: Rein empirisch gesehen  können  Abhängigkeit und Manipulation allein durch &quot;normale&quot; psychosoziale Faktoren ausreichend erklärt werden, selbst wenn Hypnose involviert ist; diese Erklärung ist sparsamer, als wenn zusätzlich auf die  Hypnose als erklärender Faktor rekurriert wird. Hypnose wäre demnach vielleicht eher aufgrund der mit ihr verbundenen &quot;normalen&quot; psychosozialen Variablen von Bedeutung, aber nicht als solche notwendig.

Wir hätten damit folgende Situation:

1. Valide Experimente zur Frage, ob geschickte hypnotische Manipulation unter &quot;extremen&quot; Bedingungen zu einem deutlich höheren Gehorsam führt als &quot;normale&quot; massive Manipulation bei &quot;Wachen&quot;, falls ansonsten vergleichbare Bedingungen vorliegen, existieren nicht oder sind jedenfalls nicht bekannt.
2. Die Fälle aus dem realen Leben können sparsamer ohne die Annahme einer besonderen Gefährlichkeit der Hypnose erklärt werden.

&lt;em&gt;Rein empirisch gesehen&lt;/em&gt; würde daher im Snne von &quot;Ockham&#039;s Razor&quot; gelten, dass erst einmal die These vorzuziehen wäre, dass Hypnose im Hinblick auf potentiellen Missbrauch keine besondere zusätzliche Gefahr darstellt, sondern dass Manipulation hinreichend durch non- hypnotische Varaible erklärbar ist.

&lt;em&gt;Empirisch&lt;/em&gt; gesehen scheinen mir also keine überzeugenden Argumente für die These von der besonderen Gefährlichkeit der Hypnose zu bestehen. Allerdings ist damit die Frage noch nicht beantwortet, denn natürlich können auch theoretische Argumente eine sehr wichtige und überzeugende Rolle spielen.       

&lt;strong&gt;Theoretischer Zugang &lt;/strong&gt;
 
Die Argumentation, die Sie erwähnen, wirkt recht überzeugend, und bis vor einiger Zeit hätte ich sie auch akzeptiert. Sie beschreiben elaborierte und reflektierte Techniken, die gezielt diverse hypnotische Phänomene für das Programm des Hypnotiseurs nutzen.

All das beruht nach meinem Eindruck auf der Ananhme eines &quot;starken&quot; Konzepts der Dissoziation und der Automatie. Dazu würde etwa gehören, dass der Hypnotisierte &quot;automatisch&quot; auf Trigger reagiert; dass auch posthypnotische Suggesttionen unwillkürlich-automatisch ausgeführt werden; dass (post9hypnotische Suggestionen gewissermaßen als &quot;Implantate&quot; oder &quot;Viren&quot; angesehen werden können, die beim &quot;Subjekt&quot; verankert werden können und dann eine weitgehend autonome Wirksamkeit entfalten; dass Erinnerungen, für die Amnesie besteht, nicht mehr auf der Ebene exekutiver Kontrolle zur Verfügung stehen; dass posthypnotische Siegel nicht nur innerhalb eines Exeriments, sondern überhaupt &quot;funktionieren&quot;; dass hypnotische Illusionen, Halluzinationen und andere Täuschungen zu einem psychoseähnlichen Realitätsverlust führen, so dass die Fähigkeit zu situatonsadäquatem Verhalten aufgehoben oder extrem eingeschränkt wird; dass multiple Persönlichkeiten zur Desintegration und somit zum Verlust praktisch jeder Kontrolle führen usw. Oder allgemeiner: Dass Hypnose mit automatischem Verhalten einhergeht, das nicht von der normalen Persönlichkeit abhängig ist, und dass eine Form der Dissoziation herrscht, die eine recht ausgeprägte Desintegration von Persönlichkeit und relevanten Informationen bzw. relevanter Kontrolle beinhaltet. 

Diese Vorstellung ist auf den ersten Blick sehr plausibel und wird nicht nur durch das subjektive Erleben des &quot;Subjekts&quot;, sondern auch (scheinbar) durch den Beobachter bestätigt. Dennoch meine ich, dass wir heute mit gutem Grund sagen können, dass das alte Bild nicht akkurat ist. Ich werde versuchen, meine Meinung ungefähr zu begründen, wobei hier natürlich  nicht der Platz für eine umfassende Erörterung ist. An einigen Stellen habe ich das Thema in meinem anderen Blog hypnoseinfos.wordpress.com erwähnt, wobei sich an einigen Stellen, wie dem Artikel zu Non-State-Theorien, auch Quellen finden. Zudem gebe ich ganz unten eine kleine Literaturliste an, soweit ich nun auf Literatur verweise.    

&lt;em&gt;Kurz vorab: Hypnotische Rolle&lt;/em&gt;

Selbstredend bezweifle ich nicht, dass es erstaunliche dissoziative Phänomene bei der Hypnose gibt, jedoch meine ich, dass sie &quot;persönlichkeitsnah&quot; ablaufen und unter der Kontrolle des &quot;Subjekts&quot; stehen, im Sinne seiner Persönlichkeit, auch wenn das nicht mit Bewusstsein einhergehen muss. Wenn der Eindruck anders ist, dann liegt das m.E. wesentlich an der hypnotischen Rolle. Wir wissen, dass Hypnotisierte sich je nach impliziten Suggestionen teilweise völlig anders verhalten; und so muss man, wenn man ein bestimmtes Verhalten erklären will, immer die Möglichkeit im Auge behalten, dass das Verhalten aus der hypnotischen Rolle resultiert.   

&lt;em&gt;Trigger und posthypnotische Suggestion&lt;/em&gt;

Es wurde lange gedacht, dass die Reaktion auf posthypnotische Auslöser automatisch in dem Sinne erfolgt, dass sie keine kognitive Leistung voraussetzt, und keine Aufmerksamkeit, keine Kontrolle und keine Absicht involviert. Inzwischen konnte m.E. deutlich gezeigt werden, dass dies nicht richtig ist. Eine Reaktion auf den Trigger setzt Bereitschaft, Aufmerksamkeit und Motivation voraus und erfolgt nur dann, wenn der Proband erkennt, dass der kritische Stimulus die Reaktion auch auslösen &lt;em&gt;soll&lt;/em&gt;. Er muss erkennen, dass eine Reaktion im Sinne der hypnotischen Rolle gefordert ist. Deswegen wird er auch außerhalb des hypnotischen Settings nicht oder nur unter besonderen Umständen reagieren. 
Aus den entsprechenden Forschungen (s.u.) folgt zugleich etwas Wichtiges: (Post)hypnotische Suggestionen stelllen keine &quot;Fremdkörper&quot; oder &quot;Implantate&quot; in der Psyche des &quot;Subjekts&quot; dar, keine &quot;Viren&quot;, die gewissermaßen eigenständig und außerhalb des Zugriffs der Person und außerhalb ihrer Kontrolle wirken; die also gewissermaßen ein &quot;Leben für sich&quot; führen, vielleicht sogar im Sinne eines autonom &quot;agierenden&quot; Clusters von &quot;Programmen&quot;, und die dem &quot;Subjekt&quot; eines &quot;auswischen&quot; können. Vielmehr sind (post)hypnotische Suggestionen Ideen, die, wie alle anderen Ideen auch, Aufmerksamkeit, Willen, Bereitschaft usw. zu ihrer Realisierung benötigen, auch wenn die entsprechenden Prozesse nicht bewusst ablaufen müssen. Nicht die Suggestion verwirklicht sich (automatisch), sondern das &quot;Subjekt&quot; verwirklicht sie, entsprechend seiner Erkenntnis, Bereitschaft und Intention. Zu den relevanten Forschungen siehe etwa  Tobis &amp; Kihlstrom (2010), Spanos, Menary, Brett, Cross &amp; Ahmed (1987), Bernier &amp; McConkey (1998) Fisher (1954).      

&lt;em&gt;Posthypnotische Amnesie&lt;/em&gt;

Die amnestischen Informationen beeinflussen nicht nur das Verhalten der &quot;Subjekte&quot;, sondern indirekte Tests verraten auch ihre fortbestehende Präsenz (pro- und retroaktive Inhibition, elektrischer Hautwiderstand usw.). Des Weiteren können Hypnotisierte amnestische Informationen auch auf der Ebene der exekutiven Kontrolle verarbeiten. Auch können sie die posthypnotische Amnesie durchbrechen, wenn solch ein Druchbrechen als Teil der hypnotischen Rolle definiert wird, oder auch alternativ, wenn ein hoher sozialer Druck besteht. (Vgl. z.B. Wagstaff (2004)). Dies spricht dagegen, dass die relevanten Informationen völlig &quot;weg&quot; sind, und spricht dafür, dass der Proband sie zumindest unterbewusst, aber auf &quot;hoher Ebene&quot; kontrolliert. 

&lt;em&gt;Hypnotische Siegel &lt;/em&gt;

(Hypnotisches Siegel verstehe ich hier als eine posthypnotische Suggestion, die verhindern soll, dass Folgehypnosen durch Dritte stattfinden können; also als posthypnotische Blockade/Hemmung.) Aufgrund dessen, was für die posthypnotische Suggestion und Amnesie gilt, ist zu vermuten, dass das Siegel ein Artefakt der Situation und Erwartung ist und außerhalb des experimentellen Kontextes nur dort hält, wo sich der Proband - aus welchen Gründen auch immer - verpflichtet fühlt, ihm zu entsprechen. Entsprechend ist die allgemeine Erfahrung auch, dass hypnotische Siegel, die verhindern sollen, dass ein anderer Hypnotiseur eine Hypnose durchführt, außerhalb des experimmentellen kontextes ziemlich unwirksam sind. Eine systematische Untersuchung kenne ich zwar nicht, aber das ist das, was von allen bestätigt wird, soweit meine Kenntnis reicht (vgl. etwa Orne (1961)). Natürlich mögen &quot;Siegel&quot; auch in einigen Fällen halten, aber die Vermutung wäre dann, dass dies aufgrund einer besonderen Verpflichtung gegenüber dem hypnotiseur der Fall ist.     

&lt;em&gt;Hypnotische Täuschungen&lt;/em&gt;

Auch bei hypnotischen Täuschungen scheint stets ein ganz wesentlicher Realitätsbezug erhalten zu bleiben, der ebenfalls die exkekutive Kontrolle umfasst. Da ich das teilweise schon im Artikel erwähnt hatte, möchte ich das nur andeuten. Eine Folge davon ist, dass Hypnotisierte gewöhnlichs elbst auf die bizarrsten Suggestionen sehr gelassen reagieren. Man kann  - nach meiner persönlichen Erfahrung - beispielsweise erfolgreich suggerieren, dass ein paar Meter weiter ein Elefant steht, ohne dass das&quot;Subjekt&quot; deswegen allzu überrascht wäre oder gar die Polizei rufen wollte. Natürlich kann das auch anders aussehen, insbesondere bei der Showhypnose, aber dann dürfte das an den &quot;Demnd Characteristics&quot; der Situation liegen. Es wird ja dort erwartet, dass der Hypnotisierte &quot;dramatisch&quot; reagiert. Und doch ist die Reaktion auch dort wohl kaum im eigentlichen Sinne &quot;realistisch&quot;, sondern eben der Bühnen-Situation angepasst. Insofern scheinen auch Parallelen zu dissoziativen Störungen zu bestehen, eher als zu psychotischen (siehe Oakley (1999)). Persönlich habe ich ziemlich viele Experimente im Sinne von Trancelogik und &quot;hidden observer&quot; gemacht und würde daher klar bezeugen wollen, dass auch das unbewusst gelenkte, undbwusst gesteuerte Verhalten nicht nur intelligent ist, sondern ganz typisch für die entsprechende Person, also sehr idiosynkratisch. Und wie im Artikel erwähnt, scheint es recht egal zu sein, ob Illusionen nun eingesetzt werden, um ein harmloses Verhalten als höchst kriminell oder ein (vermeintlich) kriminelles Verhalten als harmlos erscheinen zu lassen. Dies spricht nicht für eine besondere kausale Bedeutung von Illusionen. Orne bemerkt dazu, dass einige Hypnotiseure Verbrechen mit und ohne Illusionen &quot;induzieren&quot; konnten, andere auch nicht mit Illusionen. Er folgert daraus, dass nicht Illusionen als solche entscheidend sind, sondern die &quot;Demand Characteristics&quot;. (Dasselbe dürfte m.E. nicht nur für Illusionen, sondern auch für ähnliche &quot;Tricks&quot; gelten Amnesie, diverse Persönlichkeiten usw.)

&lt;em&gt;Multiple Persönlichkeit und verwndte Phänomene &lt;/em&gt;

Estabrooks meinte noch, wenn ich mich richtig erinnere, dass eine erfolgreiche Therapie der Multiplen Persönlichkeitsstörung im Grundde ein Mord sei. Aber ich denke, das ist überholt. Ähnliche Phänomene, bei denen temporär eine &quot;andere&quot; Persönlichkeit entsteht, finden wir ja übrigens auch allgemein in der Hypnose, etwa bei &quot;Persönlichkeitsänderungen&quot;. Solche Phänomene werden bei den RSPSHS-Skalen von Weitzenhoffer und Hilgard induziert, oder es gab beispielsweise Untersuchungen zur hypnotischen Geschlechtsumwandlung (&quot;sex change&quot;) durch Forscher wie Barnier, McConkey und andere. Bühnenhypnotiseure machen von dem Phänomen gerne Gebrauch, und aus Neugier habe ich persönlich mitunter suggeriert, dass ein Proband ein bekannter Sportler oder auch ein Alien sei. Wie im Prinzip bei alllen hypnotischen Phänomenen funktioniert das auch als Wachsuggestion (wovon ich mich in diesem fall selbst pberzeugen konnte). Wenn es im Grunde aber reicht, dass ein entsprechend gut suggestibler Mensch sich kurz konzentriert, um eine veränderte Persönlichkeit zu entwickeln, dann würde ich meinen, dass hier zwar ein erstaunliches und sehr interessantes Phänomen stattfindet, aber nichts, was die Grundstruktur eines Menschen radikal verändern würde.

Das eigentlich Problematische bei der Multiplen Persönlichkeitsstörung ist m.E. nicht eine &quot;fremde Persönlichkeit&quot;. Die kann bei einigen leicht sogar durch Wachsuggestion erzeugt werden und ist harmlos -, problematisch die pathologische Dynamik dahinter, die zu unkontrolliertem Erleben und Verhalten führt. Dennoch scheint selbst in solchen pathologischen Fällen immer noch ein hohes Maß an integration zu bestehen, denn sonst könnt ein Multipler ja kein einigermaßen normales Leben führen. Und es scheint beispielsweise bei dieser Störung im Gegensatz zur Schizophrenie für Patient wie Therapeut die Möglichkeit zu bestehen, mit &quot;Stimmen&quot; des Multiplen sinnvoll zu kommunizieren. 
http://www.regenbogenwald.de/themen/mps/3.htm   

Die Ananahme, dass verschiedene Subpersönlichkeiten wirklich den eigentlichen Kern der Persönlichkeit &quot;sprengen&quot; und somit eine beliebige Kontrolle durch einen Hypnotiseur ermöglichen, erscheint mir vor diesem Hintergrund als doch sehr fragwürdig.

&lt;em&gt;&quot;Cluster&quot; von Suggestionen&lt;/em&gt;

Wenn das Ausgeführte richtig ist - und dafür scheint mir sehr viel zu sprechen -, dann bedeutet das insbesondere auch, dass keine &quot;Cluster&quot; von Suggestionen bei einem Hypnotisierten &quot;installiert&quot; werden können, keine &quot;Programme&quot; die dann dort als eine eigene, quasi-fremde &quot;Wirkmacht&quot; fortbestehen oder gar intelligent und eigenständig agieren könnten (etwa eine Kombination von Amnesieen, Triggern, hypnotischen &quot;Siegeln&quot;, multiplen Persönlichkeiten usw., die alle auf einander abgestimmt sind). 

Es würde vielmehr gelten, dass ein Hypnotisierter zwar ein Verhalten zeigen kann, das den Eindruck vermittelt, dass er von persönlichkeitsfremden Programmen geradezu &quot;kontrolliert&quot; wird; aber das wäre dann darauf zurückzuführen, dass er den impliziten und expliziten Suggestionen gerecht werden will, und sich deswegen willentlich, mit seiner Intelligenz, seiner Persönlichkeit, seiner exekutiven Kontrolle - wenn auch nicht bewusst - entsprechend verhält. Die Situation wäre damit so ähnlich wie bei Mesmer, Charcot unnd anderen: Die &quot;Subjekte&quot; zeigen ein erstaunliches Verhalten, ohne bewusst zu &quot;schauspielern&quot;, aber die Erklärung liegt letztlich in den impliziten Rollenanforderungen, verbunden mit der Kooperation der Hypnotisanden, und nicht in der Natur der Sache/Hypnose.    

&lt;strong&gt;Theoretische Reflexion&lt;/strong&gt;

Dies kann jetzt natürlich nur ein Überblick zu dem sein, was ich hier für relevant erachte. 

Es sind grundsätzlich zwei Betrachtungsweisen möglich: 

1) Das scheinbar rein automatische Verhalten und der scheinbare Kontrollverlust Hypnotisierter bedeuten, dass die entsprechende Person tatsächlich die Kontrolle verliert und automatisch auf Suggestionen reagiert. In diesem Fall ist anzunehmen, dass Hypnose, wenn sie technisch geschickt angewndet wird, tatsächlich mit einem ganz besonderen Missbrauchspotential einhergeht.   

2) Was als automatisches Verhalten  oder als völliger Kontrollverlust erscheinen mag, ist ein komplexes und motiviertes Rollenverhalten, bei dem der Proband von seinen dissoziativen Fähigkeiten Gebrauch macht, jedoch ohne dass er als Person letztlich die Kontrolle verlieren würde. In diesem Fall ist zu erwarten, dass Hypnose und entsprechende Techniken nicht zu prinzipiell erhöhten Möglichkeiten führt, den Gehorsam einer Person zu erzwingen.     
 
Die These 2) erscheint mir aufgrund der heutigen Forschung als wesentlich überzeugender. 

a) Das schließt ünrigens selbstverständlich NICHT aus, dass ein Mensch in sehr hohem Maße psychisch abhängig sein kann und sein hypnotisches Verhalten in diesem Sinne &quot;unfreiwillig&quot; ist. Es wäre jedoch nicht prinzipiell &quot;unfreiwilliger&quot; als anderes Verhaltensäußerungen dieser Person, also beispielsweise nicht &quot;automatisch&quot; im technischen Sinne der kognitiven Psychologie. Auch wäre das Befolgen krimineller expliziter und impliziter hypnotischer SUggestionen eine Folge psychischer Abhängigkeit, nicht die Ursache. 

b) Auch schließt das Gesagte nicht aus, dass ein hypnotisches Training buw. eine &quot;Dresur&quot; zu psychischer Abhängigkeit führt - nur wären nicht speziell hypnotische Inhalte für die resultierende Abhängigkeit verantwortlich, sondern allgemeine psychosoziale Faktoren, wie sie bei dem hypnotischen Training, aber nicht nur bei diesem, virulent werden. (Diese beiden Punkte a) und b) sind methodisch sehr wichtig.)

Eine Möglichkeit bleibt natürlich prinzipiell bestehen: Hypnotisches Verhalten (insbesondere Illusionen, Amnesie, &quot;Siegel&quot;, posthypnotische Auslöser, Persönlichkeitsänderungen usw.) sind zwar im &quot;Normalfall&quot; kein automatisches sondern ein motiviertes, zielgerichtetes, persönlichkeitskonformes und kontrolliertes Verhalten (wenn auch unterbewusst gesteuert und subjektiv als &quot;unwillkürlich&quot; erlebt). Unter extremen Bedingungen wie Misshandlung, Isolaton, massivem Druck usw., werden solche Verhaltensweisen jedoch tatsächlich &quot;unwillkürlich&quot; und &quot;automatisch&quot; im technischen Sinne; Persönlichkeit und Motivation des Hypnotisierten wären dann außen vor. 
Dieser Einwand ist nicht unmittelbar widerlegbar. 

Darauf würde ich jedoch antworten: Das ist theoretisch möglich, aber was spricht dafür? Überzeugende emprisch oder theoretisch begründete Argumente sind für mich nicht ersichtlich. Zur Erklärung der uns bekannten Tatsachen reicht das von mir gerade eben skizzierte Modell &quot;normaler&quot; psychischer Abängigkeit m.E. völlig zur Erklärung aus. 

Somit würde ich zusammenfassend sagen: Weder aus empirischer noch theoretischer Sicht existieren nach meinem Eindruck gute Argumente für die These von der besonderen Manipulations-Macht der Hypnose unter Extrem-Bedingungen. Empirisch gesehen brauchen wir die These nicht, und theoetisch erscheint sie nicht als begründet. Es ist zwar kaum möglich, die These klar direkt zu testen, aber das, was wir an empirischer Evidenz und theoretischen Erkenntnissen haben, spricht aus meiner Sicht nicht für die Ananhme ihrer Rchtigkeit.     

&lt;strong&gt;Verwendete Literatur&lt;/strong&gt;

Barnier, A &amp; McConkey K: &quot;Posthypnotic responding: knowing when to stop helps to keep it going&quot; Int J Clin Exp Hypn. 1998 Apr;46(2):204-19.

Fisher, S &quot;The role of expectancy in the performance of posthypnotic behavior”, Journal of Abnormal &amp; Social Psychology 1954

Oakley, D &quot;Hypnosis and Conversion Hysteria: A Unifying Model”, Cognitive Neuropsychiatry, 1999, vol. 4, iss. (3), p. 243-265

Orne, M &quot;The potential uses of hypnosis in interrogation&quot; In A. D. Biderman &amp; H. Zimmer (Eds.), The manipulation of human behavior. New York: Wiley, 1961. Pp.169-215.
http://www.psych.upenn.edu/history/orne/orne1961inbidermanzimmerbc.html

Wagstaff, G &quot;High Hypnotizability in a sociocognitive framework&quot; In Heap, Brown &amp; Oakly (Eds.), The Highly Hypnotizable Person. London / New York: Routeledge, 2004. 

Spanos, N, Menary, E, Brett, P, Cross, W, &amp; Ahmed Q. &quot;Failure of posthypnotic responding to occur outside the experimental setting.&quot; Journal of Abnormal Psychology, 1987, vol. 96, 52-57
 
Tobis, I.P.  Kihlstrom, J.F. “Allocation of attentional resources in posthypnotic suggestion.”  The Intenational kournal of Clinical and Experimental Hypnosis 2010 Oct;58(4):367-82. 
http://bscw.rediris.es/pub/bscw.cgi/d4420474/Tobis-Allocation_attentional_resources_posthypnotic_suggestion.pdf]]></description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Herzlichen Dank wieder für Ihre Kommentare und reflektieren Ausführungen! Selbstverständlich habe ich kein Problem, wenn Sie sich in der Antwort auf besonders wichtige Aspekte konzentrieren.</p>
<p>Die von Ihnen beschriebene Vorgehensweise ist natürlich technisch raffiniert und in hohem Maße elaboriert. Ich möchte nun auf die empirische und dann auf die theoretische Situation, wie sie sich mir darstellt, eingehen. </p>
<p><strong>Der empirische Zugang: 1. Ein (nicht-existentes) Experiment </strong></p>
<p>Bei dem von Ihnen skizzierten Vorgehen spielt eine große Anzahl von Variablen eine Rolle, und zwar verschiedene nicht-hypnotische wie auch hypnotische Faktoren. Zu den non-hypnotischen gehören (ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit):</p>
<p>Psychische Schwäche des Opfers, seine Persönlichkeitsstruktur, schwere traumatische Vorbelastung, Befridigung seiner Bedürfnisse, intensive lange soziale Beziehung, die auf Dominanz und Verhaltenskontrolle ausgerichtet ist, Konditionierung im allgemeinen Sinne, Erzeugen von Abhängigkeit, soziale Isolation des Opfers, Persönlichkeit des Täters, seine Willenskraft, sein Einfühlungsvermögen, seine Dominanz, und all jene Faktoren, wie sie auch unabhängig von Hypnose bei massiver Manipulation (etwa bei Sekten) eine Rolle spielen. </p>
<p>Verschiedene hypnotische Faktoren haben Sie ja bereits angesprochen, etwa Einfluss poythpnotischer Zwänge, Einfluss hypnotisch induzierter Vorstellungen, Amnesie, illusionären Verfremdungen der Realität, hypnotisch induzierten Angstgefühle, multiple Identitäten usw. </p>
<p>Um zu einer Beantwortung der Frage zu kommen, ob mit Hypnose hier mehr Schaden möglich ist als ohne, ist es m.E. nicht so wichtig, die einzelnen hypnotischen Variablen zu isolieren und zu kontrollieren, denn über welche Mechanismen die Hypnose genau wirkt, ist ja zweitrangig, <em>soweit</em> sie nur wirkt.</p>
<p>Wichtig aber wäre es durchaus, die non-hypnotischen Variablen zu kontrollieren. Denn diese allein sind ja bereits bei einigen Menschen ausreichend, um ein sehr hohes Maß psychischer Abhängigkeit zu erzeugen, insbesondere vielleicht auch bei Menschen, die bereits labil und traumatisiert sind.</p>
<p>Was man im Grunde bräuchte, und was Sie anklingen lassen, wären Experimente, die nicht nur ethisch undurchführbar sind, sondern auch methodisch sehr komplex: Man müsste geeignete Menschen in randmomisierter Weise intensiver Manipulation aussetzen, die eine Gruppe mit Hypnose, die andere ohne Hypnose, und dabei all die vielen Bedingungen so gut es geht konstant halten:</p>
<p>Gleichermaßen vulnerable Menschen müssten durch gleichermaßen überzeugte, dominante, geschickte und von ihrer Sache überzeugte Experimentatoren, über denselben Zeitraum massiv beeinflusst werden, wobei das das Erzeugen einer möglchst großen psychische Abhängigkeit intendiert sein müsste, und das Schaffen von Unterordnung und Gehorsam.   </p>
<p>Bei der hypnotischen Gruppe kämen (u.a.) Hypnose und verschiedene hypnotische Strategien zum Einsatz, im anderen Fall nicht; dafür würde man eventuell eine möglichst gute Substitution durch nicht-hypnotische Manipulations-Formen suchen müssen.</p>
<p>Am Ende wären dann bei beiden Gruppen &#8220;extreme&#8221; Gehorsams-Tests durchzuführen, und entsprechende postexperimentelle Interviews müssten durchgeführt werden. Dass das alles ethisch nicht vertretbar ist, ist klar.  </p>
<p>Ich gebe Ihnen insoweit recht, dass die These von der besonderen Macht der Hypnose unter Extrembedingungen ohne ein entsprechendes sorgfältiges Experiment nicht direkt prüfbar ist, und somit auch nicht als empirisch widerlegt angesehen werden kann. Allerdings würde ich sagen, dass, soweit empirische Gesichtspunkte berührt sind, die &#8220;Beweislast&#8221; auf Seiten derjenigen liegt, die eine besondere Gefährlichkeitder Hypnose postulieren. Allerdings können natürlich auch theoretische Argumente überzeugen; dazu jedoch später mehr.  </p>
<p><strong>Der empirischen Zugang: 2. Das &#8220;reale Leben&#8221;</strong></p>
<p>Davor aber nochmals ein Blick auf das &#8220;raele Leben&#8221;: </p>
<p>Um ein noch (raltiv) harmloses Beispiel anzuführen, das mir aber gerade durch den Kopf geht: Vor einiger Zeit hatte ich eine Reportage gesehen, bei der ein Mann vorgestellt wurde, der sich &#8220;freiwillig&#8221; von seiner Frau über einen längeren Zeitraum dermaßen hatte schlagen und misshandeln lassen, dass er ob der ihm beigebrachten Verletzungen sogar erblindete. (Häusliche Gewalt mit dem Mann als Opfer gibt es ja auch.) Wäre hier Hypnose im Spiel gewesen, was nach aller Wachrscheinlichkeit nicht der Fall war, so würde man diesen Umstand vermutlich sofort wenigstens als gutes Indiz für die Gefährlichkeit der Hypnose werten (intuitiv plausibel, aber methodisch falsch).     </p>
<p>Die Problematik ist hier letztlich wieder die Herausarbeitung der relevanten Faktoren: Auch wenn es einige Fälle gibt, bei denen Menschen durch Verfahren mit Hypnose, wie Sie sie beschreiben, in psychologische Abhängigkeit gebracht wurden, dann wissen wir letztlich nicht, welche Rolle Hypnose dabei gespielt hat. Wie schon gesagt: Gäbe es &#8220;ohne Hypnose&#8221; so gut wie keine Fälle von starker Abhängigkeit und Manipulation, mit der Hypnose aber viele &#8211; was jedoch beides nicht der Fall ist -, dann könnte man mit ziemlicher Sicherheit schließen, dass Hypnose ein wesentlicher Faktor für extreme Manipulation ist. </p>
<p>Es dürfte zudem wohl kaum irgendeine Form der psychischen Abhängigkeit und Willfährigkeit geben, die zu ausgeprägt wäre, als dass es nicht erschreckend viele Beispiele für sie gäbe, und zwar auch ganz ohne Hypnose. Dies bedeutet methodisch aber auch, dass Fälle, bei denen Hypnose zur Manipulation eingesetzt wurde, womöglich auch ohne Hypnose erklärbar sind.</p>
<p>Und wenn wir uns manche Sekten ansehen, mit kollektiven Selbstmorden und dem bedingungslosen Festhalten am Guru auch noch an Jahren, dann liegt der Schluss nahe, dass massiver Gehorsam und extreme Manipulation unter geeigneten Bedingungen viel leichter zu erreichen sind, als man es sich wünschen kann. </p>
<p>Was hieraus m.E. folgt ist dies: Rein empirisch gesehen  können  Abhängigkeit und Manipulation allein durch &#8220;normale&#8221; psychosoziale Faktoren ausreichend erklärt werden, selbst wenn Hypnose involviert ist; diese Erklärung ist sparsamer, als wenn zusätzlich auf die  Hypnose als erklärender Faktor rekurriert wird. Hypnose wäre demnach vielleicht eher aufgrund der mit ihr verbundenen &#8220;normalen&#8221; psychosozialen Variablen von Bedeutung, aber nicht als solche notwendig.</p>
<p>Wir hätten damit folgende Situation:</p>
<p>1. Valide Experimente zur Frage, ob geschickte hypnotische Manipulation unter &#8220;extremen&#8221; Bedingungen zu einem deutlich höheren Gehorsam führt als &#8220;normale&#8221; massive Manipulation bei &#8220;Wachen&#8221;, falls ansonsten vergleichbare Bedingungen vorliegen, existieren nicht oder sind jedenfalls nicht bekannt.<br />
2. Die Fälle aus dem realen Leben können sparsamer ohne die Annahme einer besonderen Gefährlichkeit der Hypnose erklärt werden.</p>
<p><em>Rein empirisch gesehen</em> würde daher im Snne von &#8220;Ockham&#8217;s Razor&#8221; gelten, dass erst einmal die These vorzuziehen wäre, dass Hypnose im Hinblick auf potentiellen Missbrauch keine besondere zusätzliche Gefahr darstellt, sondern dass Manipulation hinreichend durch non- hypnotische Varaible erklärbar ist.</p>
<p><em>Empirisch</em> gesehen scheinen mir also keine überzeugenden Argumente für die These von der besonderen Gefährlichkeit der Hypnose zu bestehen. Allerdings ist damit die Frage noch nicht beantwortet, denn natürlich können auch theoretische Argumente eine sehr wichtige und überzeugende Rolle spielen.       </p>
<p><strong>Theoretischer Zugang </strong></p>
<p>Die Argumentation, die Sie erwähnen, wirkt recht überzeugend, und bis vor einiger Zeit hätte ich sie auch akzeptiert. Sie beschreiben elaborierte und reflektierte Techniken, die gezielt diverse hypnotische Phänomene für das Programm des Hypnotiseurs nutzen.</p>
<p>All das beruht nach meinem Eindruck auf der Ananhme eines &#8220;starken&#8221; Konzepts der Dissoziation und der Automatie. Dazu würde etwa gehören, dass der Hypnotisierte &#8220;automatisch&#8221; auf Trigger reagiert; dass auch posthypnotische Suggesttionen unwillkürlich-automatisch ausgeführt werden; dass (post9hypnotische Suggestionen gewissermaßen als &#8220;Implantate&#8221; oder &#8220;Viren&#8221; angesehen werden können, die beim &#8220;Subjekt&#8221; verankert werden können und dann eine weitgehend autonome Wirksamkeit entfalten; dass Erinnerungen, für die Amnesie besteht, nicht mehr auf der Ebene exekutiver Kontrolle zur Verfügung stehen; dass posthypnotische Siegel nicht nur innerhalb eines Exeriments, sondern überhaupt &#8220;funktionieren&#8221;; dass hypnotische Illusionen, Halluzinationen und andere Täuschungen zu einem psychoseähnlichen Realitätsverlust führen, so dass die Fähigkeit zu situatonsadäquatem Verhalten aufgehoben oder extrem eingeschränkt wird; dass multiple Persönlichkeiten zur Desintegration und somit zum Verlust praktisch jeder Kontrolle führen usw. Oder allgemeiner: Dass Hypnose mit automatischem Verhalten einhergeht, das nicht von der normalen Persönlichkeit abhängig ist, und dass eine Form der Dissoziation herrscht, die eine recht ausgeprägte Desintegration von Persönlichkeit und relevanten Informationen bzw. relevanter Kontrolle beinhaltet. </p>
<p>Diese Vorstellung ist auf den ersten Blick sehr plausibel und wird nicht nur durch das subjektive Erleben des &#8220;Subjekts&#8221;, sondern auch (scheinbar) durch den Beobachter bestätigt. Dennoch meine ich, dass wir heute mit gutem Grund sagen können, dass das alte Bild nicht akkurat ist. Ich werde versuchen, meine Meinung ungefähr zu begründen, wobei hier natürlich  nicht der Platz für eine umfassende Erörterung ist. An einigen Stellen habe ich das Thema in meinem anderen Blog hypnoseinfos.wordpress.com erwähnt, wobei sich an einigen Stellen, wie dem Artikel zu Non-State-Theorien, auch Quellen finden. Zudem gebe ich ganz unten eine kleine Literaturliste an, soweit ich nun auf Literatur verweise.    </p>
<p><em>Kurz vorab: Hypnotische Rolle</em></p>
<p>Selbstredend bezweifle ich nicht, dass es erstaunliche dissoziative Phänomene bei der Hypnose gibt, jedoch meine ich, dass sie &#8220;persönlichkeitsnah&#8221; ablaufen und unter der Kontrolle des &#8220;Subjekts&#8221; stehen, im Sinne seiner Persönlichkeit, auch wenn das nicht mit Bewusstsein einhergehen muss. Wenn der Eindruck anders ist, dann liegt das m.E. wesentlich an der hypnotischen Rolle. Wir wissen, dass Hypnotisierte sich je nach impliziten Suggestionen teilweise völlig anders verhalten; und so muss man, wenn man ein bestimmtes Verhalten erklären will, immer die Möglichkeit im Auge behalten, dass das Verhalten aus der hypnotischen Rolle resultiert.   </p>
<p><em>Trigger und posthypnotische Suggestion</em></p>
<p>Es wurde lange gedacht, dass die Reaktion auf posthypnotische Auslöser automatisch in dem Sinne erfolgt, dass sie keine kognitive Leistung voraussetzt, und keine Aufmerksamkeit, keine Kontrolle und keine Absicht involviert. Inzwischen konnte m.E. deutlich gezeigt werden, dass dies nicht richtig ist. Eine Reaktion auf den Trigger setzt Bereitschaft, Aufmerksamkeit und Motivation voraus und erfolgt nur dann, wenn der Proband erkennt, dass der kritische Stimulus die Reaktion auch auslösen <em>soll</em>. Er muss erkennen, dass eine Reaktion im Sinne der hypnotischen Rolle gefordert ist. Deswegen wird er auch außerhalb des hypnotischen Settings nicht oder nur unter besonderen Umständen reagieren.<br />
Aus den entsprechenden Forschungen (s.u.) folgt zugleich etwas Wichtiges: (Post)hypnotische Suggestionen stelllen keine &#8220;Fremdkörper&#8221; oder &#8220;Implantate&#8221; in der Psyche des &#8220;Subjekts&#8221; dar, keine &#8220;Viren&#8221;, die gewissermaßen eigenständig und außerhalb des Zugriffs der Person und außerhalb ihrer Kontrolle wirken; die also gewissermaßen ein &#8220;Leben für sich&#8221; führen, vielleicht sogar im Sinne eines autonom &#8220;agierenden&#8221; Clusters von &#8220;Programmen&#8221;, und die dem &#8220;Subjekt&#8221; eines &#8220;auswischen&#8221; können. Vielmehr sind (post)hypnotische Suggestionen Ideen, die, wie alle anderen Ideen auch, Aufmerksamkeit, Willen, Bereitschaft usw. zu ihrer Realisierung benötigen, auch wenn die entsprechenden Prozesse nicht bewusst ablaufen müssen. Nicht die Suggestion verwirklicht sich (automatisch), sondern das &#8220;Subjekt&#8221; verwirklicht sie, entsprechend seiner Erkenntnis, Bereitschaft und Intention. Zu den relevanten Forschungen siehe etwa  Tobis &amp; Kihlstrom (2010), Spanos, Menary, Brett, Cross &amp; Ahmed (1987), Bernier &amp; McConkey (1998) Fisher (1954).      </p>
<p><em>Posthypnotische Amnesie</em></p>
<p>Die amnestischen Informationen beeinflussen nicht nur das Verhalten der &#8220;Subjekte&#8221;, sondern indirekte Tests verraten auch ihre fortbestehende Präsenz (pro- und retroaktive Inhibition, elektrischer Hautwiderstand usw.). Des Weiteren können Hypnotisierte amnestische Informationen auch auf der Ebene der exekutiven Kontrolle verarbeiten. Auch können sie die posthypnotische Amnesie durchbrechen, wenn solch ein Druchbrechen als Teil der hypnotischen Rolle definiert wird, oder auch alternativ, wenn ein hoher sozialer Druck besteht. (Vgl. z.B. Wagstaff (2004)). Dies spricht dagegen, dass die relevanten Informationen völlig &#8220;weg&#8221; sind, und spricht dafür, dass der Proband sie zumindest unterbewusst, aber auf &#8220;hoher Ebene&#8221; kontrolliert. </p>
<p><em>Hypnotische Siegel </em></p>
<p>(Hypnotisches Siegel verstehe ich hier als eine posthypnotische Suggestion, die verhindern soll, dass Folgehypnosen durch Dritte stattfinden können; also als posthypnotische Blockade/Hemmung.) Aufgrund dessen, was für die posthypnotische Suggestion und Amnesie gilt, ist zu vermuten, dass das Siegel ein Artefakt der Situation und Erwartung ist und außerhalb des experimentellen Kontextes nur dort hält, wo sich der Proband &#8211; aus welchen Gründen auch immer &#8211; verpflichtet fühlt, ihm zu entsprechen. Entsprechend ist die allgemeine Erfahrung auch, dass hypnotische Siegel, die verhindern sollen, dass ein anderer Hypnotiseur eine Hypnose durchführt, außerhalb des experimmentellen kontextes ziemlich unwirksam sind. Eine systematische Untersuchung kenne ich zwar nicht, aber das ist das, was von allen bestätigt wird, soweit meine Kenntnis reicht (vgl. etwa Orne (1961)). Natürlich mögen &#8220;Siegel&#8221; auch in einigen Fällen halten, aber die Vermutung wäre dann, dass dies aufgrund einer besonderen Verpflichtung gegenüber dem hypnotiseur der Fall ist.     </p>
<p><em>Hypnotische Täuschungen</em></p>
<p>Auch bei hypnotischen Täuschungen scheint stets ein ganz wesentlicher Realitätsbezug erhalten zu bleiben, der ebenfalls die exkekutive Kontrolle umfasst. Da ich das teilweise schon im Artikel erwähnt hatte, möchte ich das nur andeuten. Eine Folge davon ist, dass Hypnotisierte gewöhnlichs elbst auf die bizarrsten Suggestionen sehr gelassen reagieren. Man kann  &#8211; nach meiner persönlichen Erfahrung &#8211; beispielsweise erfolgreich suggerieren, dass ein paar Meter weiter ein Elefant steht, ohne dass das&#8221;Subjekt&#8221; deswegen allzu überrascht wäre oder gar die Polizei rufen wollte. Natürlich kann das auch anders aussehen, insbesondere bei der Showhypnose, aber dann dürfte das an den &#8220;Demnd Characteristics&#8221; der Situation liegen. Es wird ja dort erwartet, dass der Hypnotisierte &#8220;dramatisch&#8221; reagiert. Und doch ist die Reaktion auch dort wohl kaum im eigentlichen Sinne &#8220;realistisch&#8221;, sondern eben der Bühnen-Situation angepasst. Insofern scheinen auch Parallelen zu dissoziativen Störungen zu bestehen, eher als zu psychotischen (siehe Oakley (1999)). Persönlich habe ich ziemlich viele Experimente im Sinne von Trancelogik und &#8220;hidden observer&#8221; gemacht und würde daher klar bezeugen wollen, dass auch das unbewusst gelenkte, undbwusst gesteuerte Verhalten nicht nur intelligent ist, sondern ganz typisch für die entsprechende Person, also sehr idiosynkratisch. Und wie im Artikel erwähnt, scheint es recht egal zu sein, ob Illusionen nun eingesetzt werden, um ein harmloses Verhalten als höchst kriminell oder ein (vermeintlich) kriminelles Verhalten als harmlos erscheinen zu lassen. Dies spricht nicht für eine besondere kausale Bedeutung von Illusionen. Orne bemerkt dazu, dass einige Hypnotiseure Verbrechen mit und ohne Illusionen &#8220;induzieren&#8221; konnten, andere auch nicht mit Illusionen. Er folgert daraus, dass nicht Illusionen als solche entscheidend sind, sondern die &#8220;Demand Characteristics&#8221;. (Dasselbe dürfte m.E. nicht nur für Illusionen, sondern auch für ähnliche &#8220;Tricks&#8221; gelten Amnesie, diverse Persönlichkeiten usw.)</p>
<p><em>Multiple Persönlichkeit und verwndte Phänomene </em></p>
<p>Estabrooks meinte noch, wenn ich mich richtig erinnere, dass eine erfolgreiche Therapie der Multiplen Persönlichkeitsstörung im Grundde ein Mord sei. Aber ich denke, das ist überholt. Ähnliche Phänomene, bei denen temporär eine &#8220;andere&#8221; Persönlichkeit entsteht, finden wir ja übrigens auch allgemein in der Hypnose, etwa bei &#8220;Persönlichkeitsänderungen&#8221;. Solche Phänomene werden bei den RSPSHS-Skalen von Weitzenhoffer und Hilgard induziert, oder es gab beispielsweise Untersuchungen zur hypnotischen Geschlechtsumwandlung (&#8220;sex change&#8221;) durch Forscher wie Barnier, McConkey und andere. Bühnenhypnotiseure machen von dem Phänomen gerne Gebrauch, und aus Neugier habe ich persönlich mitunter suggeriert, dass ein Proband ein bekannter Sportler oder auch ein Alien sei. Wie im Prinzip bei alllen hypnotischen Phänomenen funktioniert das auch als Wachsuggestion (wovon ich mich in diesem fall selbst pberzeugen konnte). Wenn es im Grunde aber reicht, dass ein entsprechend gut suggestibler Mensch sich kurz konzentriert, um eine veränderte Persönlichkeit zu entwickeln, dann würde ich meinen, dass hier zwar ein erstaunliches und sehr interessantes Phänomen stattfindet, aber nichts, was die Grundstruktur eines Menschen radikal verändern würde.</p>
<p>Das eigentlich Problematische bei der Multiplen Persönlichkeitsstörung ist m.E. nicht eine &#8220;fremde Persönlichkeit&#8221;. Die kann bei einigen leicht sogar durch Wachsuggestion erzeugt werden und ist harmlos -, problematisch die pathologische Dynamik dahinter, die zu unkontrolliertem Erleben und Verhalten führt. Dennoch scheint selbst in solchen pathologischen Fällen immer noch ein hohes Maß an integration zu bestehen, denn sonst könnt ein Multipler ja kein einigermaßen normales Leben führen. Und es scheint beispielsweise bei dieser Störung im Gegensatz zur Schizophrenie für Patient wie Therapeut die Möglichkeit zu bestehen, mit &#8220;Stimmen&#8221; des Multiplen sinnvoll zu kommunizieren.<br />
<a href="http://www.regenbogenwald.de/themen/mps/3.htm" rel="nofollow">http://www.regenbogenwald.de/themen/mps/3.htm</a>   </p>
<p>Die Ananahme, dass verschiedene Subpersönlichkeiten wirklich den eigentlichen Kern der Persönlichkeit &#8220;sprengen&#8221; und somit eine beliebige Kontrolle durch einen Hypnotiseur ermöglichen, erscheint mir vor diesem Hintergrund als doch sehr fragwürdig.</p>
<p><em>&#8220;Cluster&#8221; von Suggestionen</em></p>
<p>Wenn das Ausgeführte richtig ist &#8211; und dafür scheint mir sehr viel zu sprechen -, dann bedeutet das insbesondere auch, dass keine &#8220;Cluster&#8221; von Suggestionen bei einem Hypnotisierten &#8220;installiert&#8221; werden können, keine &#8220;Programme&#8221; die dann dort als eine eigene, quasi-fremde &#8220;Wirkmacht&#8221; fortbestehen oder gar intelligent und eigenständig agieren könnten (etwa eine Kombination von Amnesieen, Triggern, hypnotischen &#8220;Siegeln&#8221;, multiplen Persönlichkeiten usw., die alle auf einander abgestimmt sind). </p>
<p>Es würde vielmehr gelten, dass ein Hypnotisierter zwar ein Verhalten zeigen kann, das den Eindruck vermittelt, dass er von persönlichkeitsfremden Programmen geradezu &#8220;kontrolliert&#8221; wird; aber das wäre dann darauf zurückzuführen, dass er den impliziten und expliziten Suggestionen gerecht werden will, und sich deswegen willentlich, mit seiner Intelligenz, seiner Persönlichkeit, seiner exekutiven Kontrolle &#8211; wenn auch nicht bewusst &#8211; entsprechend verhält. Die Situation wäre damit so ähnlich wie bei Mesmer, Charcot unnd anderen: Die &#8220;Subjekte&#8221; zeigen ein erstaunliches Verhalten, ohne bewusst zu &#8220;schauspielern&#8221;, aber die Erklärung liegt letztlich in den impliziten Rollenanforderungen, verbunden mit der Kooperation der Hypnotisanden, und nicht in der Natur der Sache/Hypnose.    </p>
<p><strong>Theoretische Reflexion</strong></p>
<p>Dies kann jetzt natürlich nur ein Überblick zu dem sein, was ich hier für relevant erachte. </p>
<p>Es sind grundsätzlich zwei Betrachtungsweisen möglich: </p>
<p>1) Das scheinbar rein automatische Verhalten und der scheinbare Kontrollverlust Hypnotisierter bedeuten, dass die entsprechende Person tatsächlich die Kontrolle verliert und automatisch auf Suggestionen reagiert. In diesem Fall ist anzunehmen, dass Hypnose, wenn sie technisch geschickt angewndet wird, tatsächlich mit einem ganz besonderen Missbrauchspotential einhergeht.   </p>
<p>2) Was als automatisches Verhalten  oder als völliger Kontrollverlust erscheinen mag, ist ein komplexes und motiviertes Rollenverhalten, bei dem der Proband von seinen dissoziativen Fähigkeiten Gebrauch macht, jedoch ohne dass er als Person letztlich die Kontrolle verlieren würde. In diesem Fall ist zu erwarten, dass Hypnose und entsprechende Techniken nicht zu prinzipiell erhöhten Möglichkeiten führt, den Gehorsam einer Person zu erzwingen.     </p>
<p>Die These 2) erscheint mir aufgrund der heutigen Forschung als wesentlich überzeugender. </p>
<p>a) Das schließt ünrigens selbstverständlich NICHT aus, dass ein Mensch in sehr hohem Maße psychisch abhängig sein kann und sein hypnotisches Verhalten in diesem Sinne &#8220;unfreiwillig&#8221; ist. Es wäre jedoch nicht prinzipiell &#8220;unfreiwilliger&#8221; als anderes Verhaltensäußerungen dieser Person, also beispielsweise nicht &#8220;automatisch&#8221; im technischen Sinne der kognitiven Psychologie. Auch wäre das Befolgen krimineller expliziter und impliziter hypnotischer SUggestionen eine Folge psychischer Abhängigkeit, nicht die Ursache. </p>
<p>b) Auch schließt das Gesagte nicht aus, dass ein hypnotisches Training buw. eine &#8220;Dresur&#8221; zu psychischer Abhängigkeit führt &#8211; nur wären nicht speziell hypnotische Inhalte für die resultierende Abhängigkeit verantwortlich, sondern allgemeine psychosoziale Faktoren, wie sie bei dem hypnotischen Training, aber nicht nur bei diesem, virulent werden. (Diese beiden Punkte a) und b) sind methodisch sehr wichtig.)</p>
<p>Eine Möglichkeit bleibt natürlich prinzipiell bestehen: Hypnotisches Verhalten (insbesondere Illusionen, Amnesie, &#8220;Siegel&#8221;, posthypnotische Auslöser, Persönlichkeitsänderungen usw.) sind zwar im &#8220;Normalfall&#8221; kein automatisches sondern ein motiviertes, zielgerichtetes, persönlichkeitskonformes und kontrolliertes Verhalten (wenn auch unterbewusst gesteuert und subjektiv als &#8220;unwillkürlich&#8221; erlebt). Unter extremen Bedingungen wie Misshandlung, Isolaton, massivem Druck usw., werden solche Verhaltensweisen jedoch tatsächlich &#8220;unwillkürlich&#8221; und &#8220;automatisch&#8221; im technischen Sinne; Persönlichkeit und Motivation des Hypnotisierten wären dann außen vor.<br />
Dieser Einwand ist nicht unmittelbar widerlegbar. </p>
<p>Darauf würde ich jedoch antworten: Das ist theoretisch möglich, aber was spricht dafür? Überzeugende emprisch oder theoretisch begründete Argumente sind für mich nicht ersichtlich. Zur Erklärung der uns bekannten Tatsachen reicht das von mir gerade eben skizzierte Modell &#8220;normaler&#8221; psychischer Abängigkeit m.E. völlig zur Erklärung aus. </p>
<p>Somit würde ich zusammenfassend sagen: Weder aus empirischer noch theoretischer Sicht existieren nach meinem Eindruck gute Argumente für die These von der besonderen Manipulations-Macht der Hypnose unter Extrem-Bedingungen. Empirisch gesehen brauchen wir die These nicht, und theoetisch erscheint sie nicht als begründet. Es ist zwar kaum möglich, die These klar direkt zu testen, aber das, was wir an empirischer Evidenz und theoretischen Erkenntnissen haben, spricht aus meiner Sicht nicht für die Ananhme ihrer Rchtigkeit.     </p>
<p><strong>Verwendete Literatur</strong></p>
<p>Barnier, A &amp; McConkey K: &#8220;Posthypnotic responding: knowing when to stop helps to keep it going&#8221; Int J Clin Exp Hypn. 1998 Apr;46(2):204-19.</p>
<p>Fisher, S &#8220;The role of expectancy in the performance of posthypnotic behavior”, Journal of Abnormal &amp; Social Psychology 1954</p>
<p>Oakley, D &#8220;Hypnosis and Conversion Hysteria: A Unifying Model”, Cognitive Neuropsychiatry, 1999, vol. 4, iss. (3), p. 243-265</p>
<p>Orne, M &#8220;The potential uses of hypnosis in interrogation&#8221; In A. D. Biderman &amp; H. Zimmer (Eds.), The manipulation of human behavior. New York: Wiley, 1961. Pp.169-215.<br />
<a href="http://www.psych.upenn.edu/history/orne/orne1961inbidermanzimmerbc.html" rel="nofollow">http://www.psych.upenn.edu/history/orne/orne1961inbidermanzimmerbc.html</a></p>
<p>Wagstaff, G &#8220;High Hypnotizability in a sociocognitive framework&#8221; In Heap, Brown &amp; Oakly (Eds.), The Highly Hypnotizable Person. London / New York: Routeledge, 2004. </p>
<p>Spanos, N, Menary, E, Brett, P, Cross, W, &amp; Ahmed Q. &#8220;Failure of posthypnotic responding to occur outside the experimental setting.&#8221; Journal of Abnormal Psychology, 1987, vol. 96, 52-57</p>
<p>Tobis, I.P.  Kihlstrom, J.F. “Allocation of attentional resources in posthypnotic suggestion.”  The Intenational kournal of Clinical and Experimental Hypnosis 2010 Oct;58(4):367-82.<br />
<a href="http://bscw.rediris.es/pub/bscw.cgi/d4420474/Tobis-Allocation_attentional_resources_posthypnotic_suggestion.pdf" rel="nofollow">http://bscw.rediris.es/pub/bscw.cgi/d4420474/Tobis-Allocation_attentional_resources_posthypnotic_suggestion.pdf</a></p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Kommentar zu Hypnose-Verbrechen von ulrich.gresch@ppsk.de</title>
		<link>http://hypnoseverbrecheninfo.wordpress.com/2010/04/07/hypnose-verbrechen/#comment-28</link>
		<dc:creator><![CDATA[ulrich.gresch@ppsk.de]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 15 Jun 2012 20:43:13 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://hypnoseverbrecheninfo.wordpress.com/?p=4#comment-28</guid>
		<description><![CDATA[Ich fasse mich wieder kurz und hoffe, dass Sie meine Konzentration auf einen einzelnen Aspekt nicht als Missachtung Ihrer sonstigen Ausführungen missdeuten. 

Vorab möchte ich Ihnen versichern, dass ich die Möglichkeit krimineller Hypnose ebenfalls recht skeptisch beurteile - allerdings dennoch nicht daran zweifele, dass so etwas in sehr seltenen Fällen durchaus erfolgreich sein kann.

Eine effektive mentale Versklavung einer größeren Zahl von Menschen halte ich zwar für möglich, allerdings spielt dabei die Hypnose zwar eine tragende, nicht jedoch die einzige Rolle. Die wirksamste Methode besteht aus einer Kombination von Hypnose, Elektrofolter, Elektrokrampfbehandlung, bestimmten Drogen, sensorische Deprivation und einer entwürdigenden, demütigenden Erziehung, die in frühester Kindheit einsetzt. 

Doch zurück zur kriminellen Hypnose im engeren Sinne. Aus der kleinen Zahl von Fallberichten lässt sich für das Vorgehen des kriminellen Hypnotiseurs in etwa folgendes Grundmuster ableiten:

1. Der Hypnotiseur weckt das Interesse und erschleicht das Vertrauen seines Opfers, indem er sich auf dessen vorherrschende Neigungen und Bedürfnisse einstellt und diese befriedigt oder zu befriedigen verspricht. 

2. Er pflanzt ihm ein Referenzsystem ein, das seinen Ausführungen und Aktionen Sinn verleiht.

3.  Diese beiden Maßnahmen sind das „Vorspiel“ der durch Hypnose hervorgerufenen Persönlichkeitsspaltung. Die einfachste Form der Persönlichkeitsspaltung erzeugt nur zwei Zustände, nämlich einen Normalzustand (A) und einen hypnotisch kontrollierten Zustand (B). 

4.  Das „Willensgebiet“ des Zustands B ist durch Zwangsvorstellungen gekennzeichnet, zu denen sich die Aufträge des Hypnotiseurs verdichtet haben. 

5.  Die Energie, die diese Zwangsvorstellungen aufrechterhält und in Handlungen transformiert, ist eine hypnotisch erzeugte panische Angst.

6. Der Hypnotiseur &quot;versiegelt&quot; sein Opfer: &quot;Niemand außer mir kann Sie hypnotisieren.&quot;

7.  Der Hypnotiseur arbeitet mit verdeckter, also getarnter Hypnose.

8.  Der Hypnotiseur erzeugt eine Abhängigkeit durch hypnotisch induzierte Ekstasen.

9.  Er untergräbt die Bindungen seines Opfers an die materielle Welt.

10. Er suggeriert ihm, sich sozial zu isolieren.

11.  Er etabliert eine mit übernatürlichen Fähigkeiten ausgestattete Kontrollinstanz.

12.  Er verbindet die künstlich erzeugten Pseudopersönlichkeiten mit Schlüsselreizen und pflanzt Trigger ein, die bestimmte Verhaltensweisen auslösen.

13.  Er „versiegelt“ sein Opfer („Niemand außer mir kann dich hypnotisieren“).

14.  Er verpflichtet es zur absoluten Verschwiegenheit (und verleiht dieser Verpflichtung durch Angstsuggestionen Nachdruck).

15.  Er suggeriert Zeitlosigkeit zur Identitätszerstörung.

16.  Er induziert Halluzinationen zur Erzeugung von Realitätsverlust.

17.  Die gewünschten Verhaltensmuster werden mental trainiert und real konditioniert.

18. Dieser Prozess erstreckt sich über Monate und viele hundert Trainingsstunden.

19. Der Motor, der schließlich zur Realisierung der posthypnotischen kriminellen Handlung führt, ist die hypno-konditionierte panische Angst vor Vernichtung.

20. Der kriminelle Hypnotiseur pflanzt dem Opfer ein komplexes System einander stützender Kognitionen ein. Beispiel:  &quot;Wenn sie sich an mich erinnern, dann werden Sie &#039;Fitzliputz&#039; denken, um wenn sie &#039;Fitzliputz&#039; denken, dann werden sie den unwiederstehlichen Zwang verspüren, sich vor eine Straßenbahn zu werfen.&quot; Derartige mentale Konditionierungen werden wie ein unentwirrbares Knäuel miteinander verknotet. 

21. Der kriminelle Hypnotiseur sucht sich mit sicherem Blick ausgeprägt fügsame Menschen aus, die zudem eine ebenfalls überdurchschnittliche Willensschwäche kennzeichnet. 

Es ist aus meiner Sicht, wie bereits erwähnt, nicht auszuschließen, dass kriminelle Hypnotisierung bei Menschen, die man früher Hysteriker nannte und die sich durch eine hochgradige dissoziative Fügsamkeit sowie Willensschwäche auszeichnen, durchaus funktionieren könnte. 

Doch selbst bei gut geeigneten Opfern dürfte eine solche Hypnoprogrammierung nicht mit der Zuverlässigkeit funktionieren, die man für kriminelle Aktionen benötigt. Die Reliabilität lässt sich vermutlich aber durch die oben genannten zusätzlichen Methoden steigern. 

Doch dann haben wir es eigentlich nicht mehr mit krimineller Hypnose im engeren Sinn zu tun.

Es würde mich sehr wundern, wenn Sie mir neuere oder auch ältere Experimente nennen könnten, in denen der Versuch, kriminelles Verhalten hypnotisch zu induzieren, nach dem oben beschrieben Grundmuster erfolgte. 

Wenn ich mich nicht sehr täusche, sind selbst die älteren und realitätsnäheren Experimente von Leuten verwirklicht worden, die von krimineller Hypnose keine Ahnung hatten und deren Methoden nicht kannten. 

Doch selbst wenn sie diese gekannt hätten, so hätten sie damit sogar in der nicht gerade zimperlichen Psychiatrie des 19. und frühen 20. Jahrhunderts Anstoß erregt. 

Seit einigen Jahrzehnten ist Derartiges selbst in abgemilderten Formen grundsätzlich nicht mehr möglich. 

Dass einzige, was man mit Sicherheit sagen kann, ist -:
dass es bisher Psychologie- und Psychiatrie-Professoren im legalen Rahmen und dementsprechend mit unzulänglichen Mitteln noch nicht gelungen ist, die Wahrscheinlichkeit kriminellen oder antisozialen Verhaltens durch Hypnotisierung zu steigern. 

Daraus sollte man allerdings nicht schließen, dass dies generell unmöglich sei. Ein solcher Schluss wäre angesichts der vorhandenen Daten und der ihnen zugrunde liegenden Versuchspläne logisch nicht gerechtfertigt.]]></description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Ich fasse mich wieder kurz und hoffe, dass Sie meine Konzentration auf einen einzelnen Aspekt nicht als Missachtung Ihrer sonstigen Ausführungen missdeuten. </p>
<p>Vorab möchte ich Ihnen versichern, dass ich die Möglichkeit krimineller Hypnose ebenfalls recht skeptisch beurteile &#8211; allerdings dennoch nicht daran zweifele, dass so etwas in sehr seltenen Fällen durchaus erfolgreich sein kann.</p>
<p>Eine effektive mentale Versklavung einer größeren Zahl von Menschen halte ich zwar für möglich, allerdings spielt dabei die Hypnose zwar eine tragende, nicht jedoch die einzige Rolle. Die wirksamste Methode besteht aus einer Kombination von Hypnose, Elektrofolter, Elektrokrampfbehandlung, bestimmten Drogen, sensorische Deprivation und einer entwürdigenden, demütigenden Erziehung, die in frühester Kindheit einsetzt. </p>
<p>Doch zurück zur kriminellen Hypnose im engeren Sinne. Aus der kleinen Zahl von Fallberichten lässt sich für das Vorgehen des kriminellen Hypnotiseurs in etwa folgendes Grundmuster ableiten:</p>
<p>1. Der Hypnotiseur weckt das Interesse und erschleicht das Vertrauen seines Opfers, indem er sich auf dessen vorherrschende Neigungen und Bedürfnisse einstellt und diese befriedigt oder zu befriedigen verspricht. </p>
<p>2. Er pflanzt ihm ein Referenzsystem ein, das seinen Ausführungen und Aktionen Sinn verleiht.</p>
<p>3.  Diese beiden Maßnahmen sind das „Vorspiel“ der durch Hypnose hervorgerufenen Persönlichkeitsspaltung. Die einfachste Form der Persönlichkeitsspaltung erzeugt nur zwei Zustände, nämlich einen Normalzustand (A) und einen hypnotisch kontrollierten Zustand (B). </p>
<p>4.  Das „Willensgebiet“ des Zustands B ist durch Zwangsvorstellungen gekennzeichnet, zu denen sich die Aufträge des Hypnotiseurs verdichtet haben. </p>
<p>5.  Die Energie, die diese Zwangsvorstellungen aufrechterhält und in Handlungen transformiert, ist eine hypnotisch erzeugte panische Angst.</p>
<p>6. Der Hypnotiseur &#8220;versiegelt&#8221; sein Opfer: &#8220;Niemand außer mir kann Sie hypnotisieren.&#8221;</p>
<p>7.  Der Hypnotiseur arbeitet mit verdeckter, also getarnter Hypnose.</p>
<p>8.  Der Hypnotiseur erzeugt eine Abhängigkeit durch hypnotisch induzierte Ekstasen.</p>
<p>9.  Er untergräbt die Bindungen seines Opfers an die materielle Welt.</p>
<p>10. Er suggeriert ihm, sich sozial zu isolieren.</p>
<p>11.  Er etabliert eine mit übernatürlichen Fähigkeiten ausgestattete Kontrollinstanz.</p>
<p>12.  Er verbindet die künstlich erzeugten Pseudopersönlichkeiten mit Schlüsselreizen und pflanzt Trigger ein, die bestimmte Verhaltensweisen auslösen.</p>
<p>13.  Er „versiegelt“ sein Opfer („Niemand außer mir kann dich hypnotisieren“).</p>
<p>14.  Er verpflichtet es zur absoluten Verschwiegenheit (und verleiht dieser Verpflichtung durch Angstsuggestionen Nachdruck).</p>
<p>15.  Er suggeriert Zeitlosigkeit zur Identitätszerstörung.</p>
<p>16.  Er induziert Halluzinationen zur Erzeugung von Realitätsverlust.</p>
<p>17.  Die gewünschten Verhaltensmuster werden mental trainiert und real konditioniert.</p>
<p>18. Dieser Prozess erstreckt sich über Monate und viele hundert Trainingsstunden.</p>
<p>19. Der Motor, der schließlich zur Realisierung der posthypnotischen kriminellen Handlung führt, ist die hypno-konditionierte panische Angst vor Vernichtung.</p>
<p>20. Der kriminelle Hypnotiseur pflanzt dem Opfer ein komplexes System einander stützender Kognitionen ein. Beispiel:  &#8220;Wenn sie sich an mich erinnern, dann werden Sie &#8216;Fitzliputz&#8217; denken, um wenn sie &#8216;Fitzliputz&#8217; denken, dann werden sie den unwiederstehlichen Zwang verspüren, sich vor eine Straßenbahn zu werfen.&#8221; Derartige mentale Konditionierungen werden wie ein unentwirrbares Knäuel miteinander verknotet. </p>
<p>21. Der kriminelle Hypnotiseur sucht sich mit sicherem Blick ausgeprägt fügsame Menschen aus, die zudem eine ebenfalls überdurchschnittliche Willensschwäche kennzeichnet. </p>
<p>Es ist aus meiner Sicht, wie bereits erwähnt, nicht auszuschließen, dass kriminelle Hypnotisierung bei Menschen, die man früher Hysteriker nannte und die sich durch eine hochgradige dissoziative Fügsamkeit sowie Willensschwäche auszeichnen, durchaus funktionieren könnte. </p>
<p>Doch selbst bei gut geeigneten Opfern dürfte eine solche Hypnoprogrammierung nicht mit der Zuverlässigkeit funktionieren, die man für kriminelle Aktionen benötigt. Die Reliabilität lässt sich vermutlich aber durch die oben genannten zusätzlichen Methoden steigern. </p>
<p>Doch dann haben wir es eigentlich nicht mehr mit krimineller Hypnose im engeren Sinn zu tun.</p>
<p>Es würde mich sehr wundern, wenn Sie mir neuere oder auch ältere Experimente nennen könnten, in denen der Versuch, kriminelles Verhalten hypnotisch zu induzieren, nach dem oben beschrieben Grundmuster erfolgte. </p>
<p>Wenn ich mich nicht sehr täusche, sind selbst die älteren und realitätsnäheren Experimente von Leuten verwirklicht worden, die von krimineller Hypnose keine Ahnung hatten und deren Methoden nicht kannten. </p>
<p>Doch selbst wenn sie diese gekannt hätten, so hätten sie damit sogar in der nicht gerade zimperlichen Psychiatrie des 19. und frühen 20. Jahrhunderts Anstoß erregt. </p>
<p>Seit einigen Jahrzehnten ist Derartiges selbst in abgemilderten Formen grundsätzlich nicht mehr möglich. </p>
<p>Dass einzige, was man mit Sicherheit sagen kann, ist -:<br />
dass es bisher Psychologie- und Psychiatrie-Professoren im legalen Rahmen und dementsprechend mit unzulänglichen Mitteln noch nicht gelungen ist, die Wahrscheinlichkeit kriminellen oder antisozialen Verhaltens durch Hypnotisierung zu steigern. </p>
<p>Daraus sollte man allerdings nicht schließen, dass dies generell unmöglich sei. Ein solcher Schluss wäre angesichts der vorhandenen Daten und der ihnen zugrunde liegenden Versuchspläne logisch nicht gerechtfertigt.</p>
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